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"Manchmal muss ich mich schon kneifen"

Heute produziert Frühling in einem Cottbuser Gewerbegebiet und beschäftigt 17 Mitarbeiter.
Heute produziert Frühling in einem Cottbuser Gewerbegebiet und beschäftigt 17 Mitarbeiter. FOTO: Michael Helbig/mih1
Cottbus. In der Garage seines Großvaters in Klein Döbbern hat Enrico Frühling als Autolackierer begonnen. Heute sitzt seine Firma Style Work in Cottbus, deren Produkte aus Styropor, Holz und Acryl international gefragt sind. Peter Blochwitz

2002 steht das 12. Filmfestival in Cottbus bevor, es hat sich Jahr für Jahr vergrößert, ist immer professioneller geworden. Im Februar hat der Cottbuser Publikumspreisträger von 2001, "No Man's Land" des bosnischen Regisseurs Boris Tanovic, den Oscar in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film gewonnen. Das weltweit größte Festival für den osteuropäischen Film wird nun regelmäßig im Großen Haus des Staatstheaters Cottbus eröffnet. Den Machern des Festivals schwebt ein üppiges Rote-Teppich-Ambiente vor. Festival-Manager Andreas Stein kennt da einen Unternehmer in Klein Döbbern (Spree-Neiße), der Werbedekorationen herstellt. Ob der sich in der Lage sähe, aus wetter- und standfestem Styropor den überdimensionalen Schriftzug "12. Filmfestival Cottbus" zu erarbeiten, der den Teppich zum Theater-Eingang säumen könnte? Enrico Frühling nickt: "Klar, kann ich machen." Der Schriftzug wird zum meistfotografierten Festival-Motiv und eine Art Eintrittkarte ins größere Geschäft. Im Juni 2016 ist Enrico Frühling aus der Klein Döbberner Garage seines Großvaters in ein Cottbuser Gewerbegebiet umgezogen. Der frühere Einmann-Unternehmer beschäftigt jetzt 17 Mitarbeiter. Die Produkte von Frühlings Firma Style Work sind für Werbeauftritte international gefragt.

Man muss sich natürlich umtun, sagt Enrico Frühling. Sich auf Messen zeigen, auch Glück haben, die richtigen Leute zu treffen. Die Fluggesellschaft Easyjet will für eine Werbekampagne zwei Meter große Flipflops und sechs Meter große Luftmatratzen aus Kunststoff. Es gibt nur wenige Firmen, die derartige dreidimensionale Dekorationen herstellen - Style Work liefert zur Zufriedenheit und zu günstigen Preisen. Von nun an geht es immer weiter aufwärts: Werbekampagnen für Nike, Chanel, VW oder Nutella, für Filme wie "Cloud Atlas", "Salt" oder Roland Emmerichs "2012".

"Das Motto lautet: ,Mit uns von der Idee zum Produkt', erklärt Firmenchef Frühling. "Aufgrund der Vielzahl unterschiedlicher Anfragen und Anforderungen haben wir das Unternehmen in drei Kernbereiche eingeteilt. Style Work liefert 3D-Promotion, Werbe- und Dekorationsbau. Setzt Kampagnen für visuelles Marketing im Instore- und Outdoor-Bereich um und stattet Events aus. Form Art wiederum setzt Projekte von Architekten im Innen- und Außenbereich, Möbelbau und Möbel-Design, Bad-Interieur oder Themenzimmer um. Und schließlich Bau Form: Hier läuft die Herstellung von Stuck- und Fassadenelementen, Säulen und Stichbögen. An denkmalgeschützten Gebäuden kann der Altbestand abgeformt und wiederhergestellt werden. Für diesen Kernbereich werden ebenfalls neue Ornamente oder Gesimse kreiert, digital umgesetzt und produziert."

Hatte Enrico Frühling in der Anfangszeit auf Allrounder als Mitarbeiter gesetzt, braucht er jetzt vielmehr Spezialisten: "Die Bausteine sind die eng ineinander arbeitenden Gewerke. So fängt es in der Regel mit der Sammlung von Kundeninformationen über Zeichnung und Materialfindung an. In dieser Phase können schon Schlosser, Tischler, Lackierer und CNC-Bearbeiter die Herstellungsabläufe und Produktionsmöglichkeiten prüfen und wichtige Informationen zum Projekt geben."

Anfangs hatte Frühling viele Arbeiten außer Haus gegeben. "Aber oft passte das dann alles nicht zusammen. Deshalb machen wir jetzt fast alles selbst. So haben wir in der neuen Halle Lichttechnik beziehungsweise eine Abteilung für Lichtwerbung; Schlosserei für Stahl, Edelstahl und Aluminium; Tischlerei; Lackiererei mit Farbspritzkabine und Polyurethan-Beschichtungsanlage; Thermoschneider für Kunststoffe wie Styropor und Styrodur; Thermo-Umformtechnik und Tiefziehen; Portalfräse; Laserschneider; 7-Achsroboter und schließlich eine Kunststoffrecyclinganlage."

Enrico Frühling atmet durch. "Wenn ich heute auf dem Grundstück in Klein Döbbern am Lagerfeuer sitze und mir die Garage angucke, wo alles angefangen hat, muss ich mich manchmal schon kneifen und sage mir: Rico, da hast du alles richtig gemacht", erklärt der 41-jährige Frühling. "Ich meine, ich wollte bestimmt zehnmal alles hinschmeißen, aber das gehört wohl einfach dazu. Man muss auch solche Phasen haben, daran wächst man. Aber das geht auch nur, wenn die Familie und die Mitarbeiter hinter einem stehen. Es ist nie der Erfolg eines Einzelnen."

Dem Filmfestival ist er natürlich treu geblieben. Im vergangenen November hat er den Schriftzug für die 26. Auflage aktualisiert.

Hier hat alles angefangen: Ein-Mann-Unternehmer Enrico Frühling vor der Garage seines Großvaters in Klein Döbbern.
Hier hat alles angefangen: Ein-Mann-Unternehmer Enrico Frühling vor der Garage seines Großvaters in Klein Döbbern. FOTO: privat
Christian Heinicke und Madeleine Mittag beschichten eine Erdkugel mit Folie.
Christian Heinicke und Madeleine Mittag beschichten eine Erdkugel mit Folie. FOTO: mih1