ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 13:15 Uhr

Serie
„Mach es richtig, nicht halbherzig!“

Gerrit Fester ist seit 2017 in der Lausitz tätig als Geschäftsführer.der E u. G – Energiebau GmbH Berlin mit der Tochter Cottbuser Hochdruck GmbH.
Gerrit Fester ist seit 2017 in der Lausitz tätig als Geschäftsführer.der E u. G – Energiebau GmbH Berlin mit der Tochter Cottbuser Hochdruck GmbH. FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Lausitzer Unternehmer berichten in loser Folge von ihren Erfahrungen in der sich wandelnden Region. Heute: Dr. Gerrit Fester, Cottbuser Hochdruck GmbH.

Ich wurde 1980 in Rodewisch im Vogtland geboren, studierte Chemie in Freiberg und schloss 2009 mit der Promotion ab. Im Folgejahr fing ich bei der Schmid Group in Freudenstadt an, die damals in Schwarze Pumpe ein neues Werk errichtete. Ich arbeitete zunächst als Projektleiter, dann als Inbetriebnahmeleiter und zum Schluss in der Labor- und Qualitätsleitung.

Schnell erkannte ich jedoch, dass die Herstellung von Fotovoltaik-Silizium in Deutschland vor dem Aus stand. Ich sagte mir also: „Jetzt musst du schleunigst etwas anderes machen“.


Ich ging in die Welt hinaus. Als Projektleiter und Leiter der Business Unit Asia bei der centrotherm photovoltaics AG baute ich in Katar, China, Indien und Südkorea Chemieanlagen auf. Ich betreute die Prozesse von der Planung bis zur Inbetriebnahme und Übergabe.

Nach vier Jahren fragte ich mich: „Wie lange willst du das machen?“ Die Arbeit war interessant, aber ich opferte mein Leben auf. Oft arbeitete ich sechzehn Stunden am Tag, flog vierundzwanzig Stunden nonstop, stieg am anderen Ende der Welt aus dem Flieger und verhandelte das neueste Projekt, dann ging es zum nächsten Standort. Ich sagte: „Jetzt ist Schluss!“

Wie so viele Dinge im Leben funktioniert das berufliche Fortkommen oft über persönliche Kontakte. Ein Bekannter hatte mich schon vor längerer Zeit angesprochen: „Gerrit, hast du Lust, bei mir einzusteigen?“ – „Um ehrlich zu sein: nein. Ich bleibe aktuell lieber im Ausland“, hatte ich ihm geantwortet. Als wir jedoch im vergangenen Jahr gemeinsam segelten, kamen wir auf meinen Wunsch nach beruflicher Veränderung zu sprechen. „Wenn du etwas hast, lass es mich wissen“, sagte ich ihm. Und so geschah es, dass er mir den Kontakt zu einem seiner Bekannten herstellte.

Der Mann war Unternehmer, gerade 66 Jahre alt geworden und dachte daran, aus seiner Firma auszusteigen. Ihm gehörte die E u. G – Energiebau GmbH Berlin mit der Tochter Cottbuser Hochdruck GmbH. Wir passten gut zusammen, weil wir beide nicht viel um die Dinge herumredeten. Wir setzten uns mit zwei Bier an einen Tisch, er legte die Unternehmenszahlen offen und wir sprachen über unsere Vorstellungen zur Unternehmensführung.

Am 1. April 2017 übernahm ich den Standort Cottbus als Geschäftsführer. Seit dem 1. Juni 2017 bin ich Geschäftsführer in Berlin. Ein Hemmnis bei der Unternehmensübergabe waren steuerliche Probleme wie die Stichtagsregelungen beim Ausstieg des alten Geschäftsführers. Leider stoßen wir in Brandenburg auf keine unternehmensförderliche Politik. Andererseits gibt es mit der IHK einen guten Ansprechpartner in Cottbus. Hier fanden und finden wir Unterstützung. Aber die ungünstigen Rahmenbedingungen sind schwer auszuhebeln.

Problematisch war zudem der Generationenkonflikt zwischen dem alten Eigentümer und mir. Dieser trat in der anfänglichen Zusammenarbeit zutage. Mein Vorgänger gehört einer Unternehmergeneration an, die den autoritären Führungsstil pflegte. Ich dagegen, der ein wenig in der Welt herumgekommen war, führe meine Firma teamorientiert. Diese verschiedenen Philosophien zusammenzubringen, ist schwer, aber machbar.

Reibungspunkte entstanden auch bei der Mitarbeiterführung. Wir rekrutierten eine Reihe junger Kollegen, denen wir gute Perspektiven auf Qualifizierung und auf die Meisterausbildung bieten. Mein Vorgänger hielt derweil an den Kollegen fest, die bereits seit fünfundzwanzig Jahren ihren Weg an seiner Seite gingen. Für sie gibt es Sonderkonditionen.

Einige der Jungen beschweren sich
gelegentlich: „Mann, was soll das eigentlich?“ Doch das Problem wird sich auswachsen, denn viele der langjährigen Kollegen sind älter als fünfundfünfzig Jahre. Weil die körperliche Belastung im
 Anlagenbau deutlich höher ist als bei Büroarbeitern, arbeitet bei uns kaum einer länger als bis 63. Unsere Aufgabe besteht in den nächsten Jahren deshalb darin, neue Mitarbeiter zu finden. Das ist eine der größten Herausforderungen, denn hier in der Lausitz kämpfen wir schon heute mit Personalengpässen.

Ich bin gespannt, wohin die Reise unseres Unternehmens in den nächsten Jahren geht.