Schon in der ersten Jahreshälfte habe man mehrmals versucht, mit Dofasco über eine mögliche Übernahme zu sprechen. Mit dem Management von Dofasco habe es auch Gespräche über das aktuelle Angebot gegeben, doch hätten sich beide Seiten nicht "auf akzeptable Bedingungen" einigen können, hieß es weiter. "Deswegen hat Arcelor entschieden, dieses sehr überzeugende Angebot direkt den Dofasco-Aktionären zu unterbreiten."

Dofasco will Angebot prüfen
Das Angebot an die Dofasco-Aktionäre beläuft sich auf 56 Dollar pro Aktie, teilte Arcelor gestern am Sitz der Konzernzentrale in Luxemburg mit. Damit liegt es 27,3 Prozent über dem Aktienkurs des Vortages und gut 46 Prozent über dem Kurs vom 10. November, als erste Übernahmespekulationen aufkamen.
In einer Erklärung teilte Dofasco mit, man werde den Vorstoß von Arcelor überprüfen und zu gegebener Zeit eine Empfehlung geben. Bis dahin, seien die Aktionäre dazu angehalten, nicht auf das Angebot einzugehen, sagte Chairman Brian MacNeill.
Arcelors Vorstandschef Guy Dollé sagte: "Für Dofasco ist die Frage nicht, ob sie mit einem anderen Marktteilnehmer zusammenarbeiten sollten, sondern nur, wann und mit wem."
Der geplante Kauf von Dofasco sei das größte Investment von Arcelor in Nordamerika und soll dort bereits bestehende Geschäfte abrunden. "Dofasco soll Arcelors Plattform in Nordamerika werden", sagte Dollé. Die Gesellschaft setzte im vergangenen Jahr 4,22 Milliarden kanadische Dollar um, Arcelor rund 30 Milliarden Euro.
Der Luxemburger Konzern rechnet damit, dass in den kommenden fünf bis zehn Jahren lediglich vier oder fünf große Stahlanbieter mit einer Produktion von jeweils 80 bis 100 Millionen Tonnen übrig bleiben werden. Arcelor plant ebenso wie der Branchenprimus Mittal Steel weitere Zukäufe.
An der Börse wurde die Ankündigung zurückhaltend aufgenommen. Experten bezeichneten den für Dofas-co gebotenen Preis zwar als angemessen; sie äußerten sich aber erstaunt, dass Arcelor sich nicht stattdessen stärker in Osteuropa oder Südamerika engagiere. Die nordamerikanische Automobilbranche leide zurzeit unter Überkapazitäten. General Motors und Ford verbuchten im dritten Quartal hohe Verluste.

Luxemburger überrundet
Arcelor ist selbst aus der Fusion der drei Branchenriesen Usinor (Frankreich), Arbed (Luxemburg) und Aceralia (Spanien) hervorgegangen. Der Konzern galt bis zum Zusammenschluss von Mittal Steel (Niederlande) und International Steel (USA) als Nummer eins. Nach produzierter Stahlmenge liegt der Luxemburger Konzern nun nur noch auf Platz zwei - nach Umsatz liegen beide aber etwa gleichauf. Mittal Steel hatte im Oktober für 4,81 Milliarden US-Dollar das führende ukrainische Stahlwerk Kriworoschstal (KMK) übernommen. Um dieses Geschäft hatte sich auch Arcelor erfolglos bemüht. Zur Arcelor-Gruppe gehört auch das größte Stahlwerk Ostdeutschlands, die Eko Stahl in Eisenhüttenstadt mit rund 3000 Mitarbeitern. (dpa/AFP/B.M.)