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| 07:34 Uhr

Bonn/Düsseldorf
Lufthansa-Tickets ein Drittel teurer

Bonn/Düsseldorf. Der Marktführer profitierte von der Air-Berlin-Pleite, wird aber nicht bestraft. Reinhard Kowalewsky

Der Marktführer profitierte von der Air-Berlin-Pleite, wird aber nicht bestraft.

Die Lufthansa und ihr Ableger Eurowings haben mit deutlich steigenden Preisen stark vom Untergang des früheren deutschen Hauptwettbewerbers Air Berlin profitiert, doch ein Verfahren wegen missbräuchlicher Durchsetzung sehr hoher Tarife gibt es nicht. Dies verkündete Andreas Mundt, der Präsident der Bonner Behörde, gestern.

Eine Studie des Kartellamtes habe ergeben, dass Ticketpreise auf manchen Routen bis zu 50 Prozent höher gewesen seien als zu der Zeit, als Air Berlin diese Strecken in Konkurrenz zu Lufthansa/Eurowings flog. Im Schnitt seien im November und Dezember 2017 die Preise 25 bis 30 Prozent höher gewesen als ein Jahr davor, ergab die Analyse von 56.064 Tickets. Insolvenz angemeldet hatte Air Berlin im August 2017.

Zu einem Verfahren gegen Lufthansa kommt es aber nicht, weil das Kartellamt davon ausgeht, dass der Wettbewerb wieder zunimmt. Es gebe wieder eine Alternative für "zwei Drittel der Passagiere, die durch die Insolvenz von Air Berlin vorübergehend auf den Monopol-anbieter Lufthansa angewiesen waren". Auf diesen Strecken seien die Preise im Februar 2018 im Vergleich zu Herbst 2017 um durchschnittlich 25 bis 30 Prozent gefallen. Sie liegen, so das Kartellamt, "ungefähr wieder auf dem Preisniveau" vor der Air-Berlin-Pleite.

Die Lufthansa äußert sich nur zurückhaltend zu der Entscheidung des Kartellamtes, nun doch kein Verfahren einzuleiten. "Wir nehmen das zur Kenntnis." Allerdings hält der Konzern daran fest, er habe die Preise nicht gezielt wegen der Air-Berlin-Pleite erhöht. Vielmehr sei der Eindruck höherer Preise nur entstanden, weil günstige Tickets früher ausverkauft waren. Das Kartellamt weist dagegen darauf hin, Lufthansa habe ein sehr flexibles System zum Steuern von Tarifen.

Erstaunlicherweise lobt das Kartellamt sehr den wieder entflammten Wettbewerb in Berlin mit Easyjet, die dort viele Air-Berlin-Jets übernahm, doch auf die Lage in Düsseldorf als wichtigstem Flughafen von Air Berlin geht es wenig ein.

Eine Reihe von Ferienstrecken von Air Berlin haben Wettbewerber wie Tuifly oder Condor zwar bereits übernommen, wodurch die Dominanz von Eurowings begrenzt wird. Doch auf den Rennstrecken von Düsseldorf nach Hamburg, München, Genf oder Zürich traut sich bisher keiner, gegen die Lufthansa-Gruppe anzutreten - saftige Tarife sind oft die Folge. Mundt erklärt dazu auf Anfrage: "Wir werden den Markt weiter intensiv beobachten. Das gilt natürlich gerade für Strecken, auf denen die Lufthansa nach wie vor alleiniger Anbieter ist."

Nun hofft er, dass Ryanair Druck macht: Die EU hatte dafür gesorgt, dass der Air-Berlin-Ableger Niki nicht bei Eurowings, sondern bei Niki Lauda landete. Doch weil die Ryanair dessen Firma Laudamotion kaufen will, erhält sie viele Flugrechte in Düsseldorf. Mundt: "Hier kann man sich berechtigte Hoffnungen auf eine weitere Belebung des Wettbewerbs machen."