Mit neuen Zielen im Flugplan und einem Billigtarif kämpft die Lufthansa um mehr Marktanteile in Berlin. Der deutsche Marktführer kündigte am Mittwoch einen Ausbau seines Angebots am Hauptstadtflughafen an, der im Juni 2012 in Betrieb geht.

Die Airline mit dem Kranich wird künftig von Berlin aus zu 38 Zielen aufbrechen – statt bisher zu acht. Mit einem Inklusiv-Einstiegspreis von 49 Euro für einen einfachen Flug in Europa nimmt die Lufthansa dabei Ryanair und Easyjet ins Visier.

„Wir brauchen uns hier nicht mehr zu verstecken“, sagte Vorstand Carsten Spohr in Berlin. Zusammen mit Konzernmarken wie Germanwings und den Partnern aus der Star Alliance betrage das Angebot aus Berlin künftig 49 Ziele. 35 Flugzeuge der Lufthansa-Gruppe flögen dann nur für Berlin, 15 Lufthansa-Maschinen würden fest am neuen Hauptstadtflughafen in Schönefeld stationiert. Bislang sind es in Berlin neun.

Lufthansa bezifferte die Berlin-Investition auf 60 Millionen Euro. 200 neue Flugbegleiter werden gesucht, hinzu kommen 120 Piloten. Die Zahl der Arbeitsplätze in Berlin und Brandenburg soll insgesamt von 3500 auf 4000 steigen.

Durch einen hohen Anteil an Pendelflügen hofft die Lufthansa, die Kosten um ein Drittel zu senken. Beitragen soll mit Billigung der Gewerkschaften auch das Berliner Kabinenpersonal: Es kommt von einem Germanwings-Partnerunternehmen und kostet 20 Prozent weniger als etwa in Frankfurt am Main oder München, wie der Leiter des Lufthansa-Projekts „Zukunft Berlin“, Josef Bogdanski, sagte. Auch die Kosten für die Berlin-Piloten hat die Lufthansa demnach um 20 Prozent gedrückt.

Anders als die deutsche Nummer zwei, der Berliner Flughafengroßkunde Air Berlin, will die Lufthansa aber zunächst keine Langstreckenflüge von Berlin aus anbieten. Erst solle der Markt das nun angekündigte Angebot annehmen, sagte Spohr. Er könne sich Langstrecken aber ein Jahr nach Eröffnung des Flughafens vorstellen, etwa in die USA.

Ein weiteres deutsches Drehkreuz für Umsteigeverkehr will die Lufthansa neben Frankfurt und München in Berlin nicht aufbauen. In den ersten Jahren rechne das Unternehmen mit zehn bis 15 Prozent Umsteigern. Für ein Drehkreuz seien mindestens 30 Prozent notwendig. An die Adresse des Rivalen Air Berlin, der in Berlin sein Drehkreuz aufbaut, sagte Spohr: „Die Konkurrenz geht mit dem Begriff Drehkreuz etwas liberaler um. Die haben aber auch nicht so viel Erfahrung damit.“