(AFP/roe) Der Absturz von zwei nagelneuen Maschinen des Typs 737 Max 8 binnen fünf Monaten könnte sich für Boeing zum finanziellen Desaster entwickeln. Am Mittwoch kündigte eine erste Airline, der Billigflieger Norwegian, Entschädigungsforderungen an. Zahlreiche weitere Länder sperrten ihren Luftraum für das Modell, während die US-Luftfahrtbehörde auch weiterhin keinen Anlass für ein Flugverbot sah. Das sorgte in den USA für Kritik.

Am Sonntag war eine 737 Max 8 der Ethiopian Airlines kurz nach dem Start abgestürzt. Alle 149 Passagiere und acht Besatzungsmitglieder kamen ums Leben. Erst im Oktober war eine solche Maschine der indonesischen Fluggesellschaft Lion Air kurz nach dem Start verunglückt, 189 Menschen starben bei der Tragödie.

Norwegian Air Shuttle besitzt 18 Maschinen des Typs 737 Max 8. Die Fluggesellschaft werde Boeing „die Rechnung schicken“, teilte ein Unternehmenssprecher am Mittwoch mit. Norwegian dürfe nicht finanziell leiden, weil ein komplett neues Flugzeug nicht fliegen könne. Die finanziell angeschlagene Airline musste demnach am Mittwoch 19 Flüge streichen und die Passagiere umbuchen.

Eine Reihe von Fluggesellschaften nutzt die Boeing vorerst nicht, darunter Tuifly, Icelandair, Turkish Airlines, die südafrikanische Comair, die Cayman Airways, die brasilianische Gol Airlines oder Aeroméxico. Nach China und Indonesien am Montag sperrte am Dienstag unter anderen die EU ihren Luftraum für die Maschine. Am Mittwoch folgten diesem Schritt zudem Neuseeland, Vietnam, Serbien und Ägypten.

Die US-Luftfahrtbehörde FAA dagegen sieht weiter keinen Anlass für ein vorübergehendes Flugverbot. Für einen solchen Schritt gebe es derzeit „keine Grundlage“, erklärte FAA-Chef Daniel Elwell. Die bisherige Überprüfung habe keine „systemischen Probleme“ aufgedeckt. Auch hätten andere Luftfahrtbehörden den USA keine Daten geliefert, die ein solches Vorgehen rechtfertigen würden.

Die europäische Luftfahrtbehörde Easa hatte Dienstagabend erklärt, es sei noch zu früh, Schlüsse zur Unfallursache zu ziehen. Flugdatenschreiber und Stimmrekorder waren am Montag am Absturzort geborgen worden, an der Suche waren auch Experten von FAA und Boeing beteiligt. Ein Sprecher von Ethiopian Airlines teilte am Mittwoch mit, Äthiopien habe nicht die nötige Ausrüstung, um die Black Boxes auszuwerten – sie müssten wohl ins Ausland geschickt werden.

In den USA gab es Kritik an der Entscheidung der Luftfahrtbehörde. Die demokratische Senatorin Elizabeth Warren und der republikanische Senator Ted Cruz forderten, die Boeing 737 Max 8 vorsichtshalber vorerst am Boden zu lassen. Die Flugbegleitergewerkschaft von American Airlines rief ihre Mitglieder dazu auf, die Maschine nicht zu betreten, wenn sie sich nicht sicher fühlten.

Die Boeing 737 Max ist erst seit Mai 2017 in Betrieb. Weltweit fliegen rund 370 Maschinen des Typs. Wegen des geringen Spritverbrauchs war das Flugzeug bislang sehr begehrt. Rund zehn Airlines haben bereits mehr als 5000 Maschinen bestellt.