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Lübbenauer helfen US-Konzern

Firmenchef Jörg Renaud (l.) in einer der vielen Forschungsräume der GP Anlagenbau GmbH.
Firmenchef Jörg Renaud (l.) in einer der vielen Forschungsräume der GP Anlagenbau GmbH. FOTO: Daniel Preikschat
Lübbenau. Bei der GP Anlagenbau GmbH in Lübbenau ist man es gewohnt, mit weltweit bekannten Herstellerfirmen zusammenzuarbeiten. Unter anderem für Audi, BMW oder Volkswagen hat die mittelständische Ingenieur-Manufaktur mit ihren 26 Mitarbeitern schon Sondermaschinen entwickelt, konstruiert und gebaut. Daniel Preikschat

Immer gehe es dabei um Oberflächenbehandlung, wie Geschäftsführer Jörg Renaud erklärt. Dank eines patentierten Saugstrahlverfahrens können beispielsweise Motoren oder Maschinen schonend und präzise gereinigt, be- oder entschichtet, aufgeraut, entgratet, mattiert oder graviert werden. Die Lübbenauer entwickeln und bauen für den Auftraggeber maßgeschneiderte Sonderanlagen, die sie in ihre Produktionslinien einpassen können.

Nun also nimmt der nächste Global Player die Dienste des Lübbenauer Anlagenbauers in Anspruch. Der US-amerikanische Halbleiterproduzent Globalfoundries hat nach eigenen Angaben weltweit etwa 18 000 Mitarbeiter. Produktionsstandorte sind die USA, Singapur und Dresden. Elf Milliarden US-Dollar wurden in die sächsische Produktionsstätte investiert, rund 3500 Techniker, Ingenieure und Spezialisten aus der ganzen Welt stellen dort in klinisch reinen Räumen Mikrochips unter anderem für Computer und Smartphones her.

Eine Frage aber hat Globalfoundries noch nicht befriedigend beantwortet: Wie können die Wafer (engl.: Waffel), der kristallartige Rohstoff der Mikrochip-Produktion, recycelt werden? Wichtig dabei: Die schon einmal behandelte Wafer-Oberfläche, die das intellektuelle Eigentum der Globalfoundries-Kunden in sich birgt, muss restlos entfernt werden.

Die dafür nötige Technologie, so heißt es in einer Pressemitteilung des Unternehmens, muss nicht nur gut funktionieren. Sie muss auch in den "Reinräumen" der Mikrochip-Fabrik eingesetzt werden können, ohne sie zu kontaminieren. Diese Technologie gibt es aber nicht einfach zu kaufen. Viel Forschungs- und Entwicklungsarbeit muss dem vorangehen.

Der Globalfoundries-Partner dabei wird die Lübbenauer GP Anlagenbau sein, die erneut ihr Saugstrahlverfahren zur Anwendung bringen kann. Für Marcus Stadel, Manager Process Engineering in Dresden, "bietet das weltweit einzigartige Verfahren eine sehr gute Grundlage für die gemeinsame Forschung". Die "Innovationsstärke des mittelständigen Unternehmens" in Lübbenau wird ausdrücklich betont. Die außergewöhnliche Kooperation zwischen dem US-Konzern und der kleinen Fachfirma aus einer Region, die eher als Tourismusgebiet bekannt ist, unterstützt das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 450 000 Euro. Geht es doch immerhin um innovative Technologien für industrielle Ressourceneffizienz.

Das Projekt hat eine Laufzeit von etwa zwei Jahren, sagt GPA-Chef Jörg Renaud. Im Ergebnis soll für die Dresdner eine Entschichtungsanlage entwickelt und gebaut werden. Nach der Erprobung werde sie in Lübbenau demontiert, nach Dresden transportiert und in der Chip-Fabrik dann nochmals erprobt.

Zum Thema:
In den Laboren und Werkstätten der 2013 gegründeten GP Anlagenbau GmbH im Lübbenauer Gewerbepark arbeiten unter anderen Chemiker und Maschinenbauer. Fast ständig wird an bis zu acht Sonderanlagen für unterschiedliche Kunden parallel gearbeitet. Meist handelt es sich um Vakuum-Saugstrahlanlagen zur Oberflächenbearbeitung. Sie können in vorhandene größere Produktionsanlagen eingebaut, aber auch stationär oder mobil eingesetzt werden. Das Unternehmen versteht sich als Ingenieurbüro und Anlagenbauer. Gesellschafter und Geschäftsführer sind die Ingenieure Jörg Renaud und Marcel Heeger-Renaud.