ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:41 Uhr

Lübbenauer Designerin stellt Mode in Potsdam vor

Model Pauline fährt mit zur Potsdamer Modewoche und zeigt dort ihr Wurlawy-Abiballkleid.
Model Pauline fährt mit zur Potsdamer Modewoche und zeigt dort ihr Wurlawy-Abiballkleid. FOTO: Peter Becker/peb1
Lübbenau. Dass Tradition und Zeitgeist durchaus vereinbar sind, beweist die Lübbenauer Modedesignerin Sarah Gwiszcz. Jetzt zeigt die 27-Jährige ihre entworfene Kleidung auf einer Schau in Potsdam. Peter Becker / peb1

Dass, was wir heute unter Tradition verstehen, war anfangs erst mal einfach nur Mode. Dann wurde es unmodern und heute nennt man die Kleidung vergangener Jahrhunderte Traditionskleidung oder Tracht. Die Lübbenauer Jungdesignerin Sarah Gwiszcz versteht es, die Trachtentradition der Niederlausitz mit Mode von heute zu verbinden. Sie kombiniert Elemente der niedersorbischen Tracht mit dem Chic und dem Tragekomfort der heutigen Zeit. Ihre zum Teil selbst entworfenen Blaudruckstoffe bilden oft den Grundstock ihrer Mode. "Glücklicherweise habe ich einen kleinen Vorrat, denn durch den Poststreik bleiben Lieferungen aus", so Sarah Gwiszcz. "Dennoch muss ich im Einzelhandel teuer nachkaufen", ergänzt sie mit Verweis auf steigende Kosten.

Unter dem Label "Wurlawy" entwirft und verkauft sie ihre Mode. Wurlawy ist der slawischen Sagenwelt entnommen und steht für wilde Frauen. Sie bestrafen der Sage nach zu spät aus der Spinnte heimkehrende Frauen mit Arbeit. Einen besseren Namen für ihre Mode hätte Sarah Gwiszcz wohl nicht finden können. Sie selbst kommt täglich zu spät aus der Spinnte, ihrem kleinen Atelier im Ragower Elternhaus. Sie wird ebenfalls mit viel Arbeit bestraft, wenn auch nicht von den "Wilden Frauen". Es ist eher die wilde Modewelt, die sie unter Druck setzt. Aktuell schneidert sie für eine Potsdamer Modenschau, einem Ableger der Berliner Fashion Week. Am 6. Juli wird sie in der Schinkelhalle in der Schiffbauergasse ihre Mode auf dem Laufsteg zeigen.

Kurzfristig sind 29 Kleider zu entwerfen, dazu ein Brautkleid, "ganz im Cinderellastil, aber mehr wird nicht verraten", so die Designerin. Ihre Entwurfsskizzen hat sie beim Nähen ständig im Blick, sie bedecken fast vollständig eine Wand. In diesen Tagen steht die Nähmaschine selten still, das Bügeleisen dampft ständig vor sich hin, immer wieder wird geglättet, nachgesteckt und anprobiert. Wobei sich das "Anprobieren" auf den Vergleich mit den Modelmaßen auf der Setcard reduziert. Jedem Model muss sie zwei Outfits schneidern, sie bekommt die Trägerinnen aber erst vor Ort zu Gesicht - und dann muss alles sitzen! Ein Model darf sie aber selbst mitbringen. Pauline Ehlert, "meine Claudia Schiffer" (Sarah Gwiszcz) hat gerade erst das Abitur gemacht und modelt schon einige Zeit für Sarah Gwiszcz. "Ich werde auf dem Laufsteg mein Abi-Kleid tragen, welches Sarah noch ein wenig ihren Vorstellungen anpasst. Damit erfüllt das Kleid gleich noch einen weiteren Zweck, als vielleicht nur an einem Abend getragen zu werden." Pauline wird dazu einen Beanie tragen, eine Art Kopfbedeckung, dem Trachtentuch nachempfunden. Da es neben der Modenschau-Vorbereitung auch die Alltagsaufgaben gibt, lässt sie vieles außerhalb nähen. Ihre alltagstaugliche Trachtenmode hat schon hier und da Eingang gefunden. So trägt das Personal der Touristeninformationen Lübben, Lübbenau und Burg bereits ihre Konfektionen.

Interessierte können Sarahs Mode am 6. Juli ab 18 Uhr in der Potsdamer Schinkelhalle sehen. ( www.potsdam-now.com )