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Letzte Chance für Kaiser's-Tengelmann?

Mülheim/Köln. Nach dem Schock durch den überraschenden Abbruch der Gespräche zu Kaiser's Tengelmann wird hinter den Kulissen bereits wieder an einem allerletzten Rettungsversuch gearbeitet. Doch der Zeitdruck ist hoch, und die Chancen sind mehr als ungewiss. dpa/roe

Auch nach dem Abbruch der Gespräche zu einer Lösung für die angeschlagene Supermarktkette Kaiser's Tengelmann gibt es noch Hoffnung auf eine Rückkehr an den Verhandlungstisch. "Wir gehen noch nicht davon aus, dass die Gespräche zu Ende sind", sagte eine Verdi-Sprecherin am Freitag in Berlin.

Derzeit liefen noch Kontakte zwischen der Gewerkschaft und den Beteiligten, in erster Linie den konkurrierenden Lebensmittelketten Edeka und Rewe. Verdi-Vorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger kritisierte unterdessen das am Donnerstagabend überraschend bekannt gegebene Aus für die in den vergangenen Wochen intensiv geführten Gespräche. "Wir können nicht nachvollziehen, dass die Gespräche vorzeitig beendet wurden beziehungsweise für gescheitert erklärt worden sind", sagte sie. Auch die Gewerkschaft NGG appellierte an die Beteiligten, "nichts unversucht zu lassen". "Es darf und kann nicht sein, dass dies auf den letzten Metern an persönlichen Eitelkeiten und an Kompromissunfähigkeit scheitert", sagte NGG-Vizechef Claus-Harald Güster der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Das Bundeswirtschaftsministerium bekräftigte unterdessen den Appell von Ressortchef Sigmar Gabriel (SPD) an die beteiligten Unternehmen, sich ernsthaft um eine Einigung zu bemühen. Ein Sprecher in Berlin verwies auf eine von den Firmen selbst gesetzte Frist bis zum Montag. Die Verantwortung liege jetzt erst einmal bei den Beteiligten.

Tengelmann-Eigentümer Karl-Erivan Haub räumte nach Informationen des WDR in einem Brief an die Mitarbeiter eine letzte Chance für die Suche nach einer Lösung ein. "Ich habe deshalb noch einmal an Rewe, Markant und Norma appelliert, das Wohl von 16 000 Menschen und ihrer Angehörigen über ihre wirtschaftlichen Interessen zu stellen und den Weg frei zu machen für die Übernahme durch Edeka", zitierte der Sender aus dem am Donnerstagabend verbreiteten Schreiben. Bis zur Umsetzung der ersten Verwertungsmaßnahme gebe es noch ein "kleines Zeitfenster" für die Suche nach einer Lösung, so Haub. Der Tengelmann-Chef hatte zuvor angekündigt, mit der Zerschlagung bereits in der kommenden Woche beginnen zu wollen.

Einem am Ende der Verhandlungen von Rewe vorgelegten letzten Angebot bescheinigte der Kartellrechtler Maxim Kleine von der Kanzlei Norten Rose Fulbright zumindest theoretisch gewisse Umsetzungs-Chancen. "Es ist ein gangbarer Weg, aber ein riskanter Weg", sagte er. Rewe hatte zuletzt angeboten, Kaiser's Tengelmann als Ganzes mitsamt der Schulden zu übernehmen und alle Arbeitsplätze abzusichern. Doch Haub hatte diesen Weg als rechtlich nicht gangbar zurückgewiesen.