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| 08:55 Uhr

Frankfurt
Lebensversicherung fällig - und jetzt?

Frankfurt. Meist bekommen Versicherte fünfstellige Beträge ausgezahlt. Wer vor 2005 seinen Vertrag geschlossen hat, erhält das Geld steuerfrei. Bei den aktuell niedrigen Zinsen empfehlen Experten: Zwischenparken und/oder in Fonds anlegen. Brigitte Scholtes

Meist bekommen Versicherte fünfstellige Beträge ausgezahlt. Wer vor 2005 seinen Vertrag geschlossen hat, erhält das Geld steuerfrei. Bei den aktuell niedrigen Zinsen empfehlen Experten: Zwischenparken und/oder in Fonds anlegen.

Wenn das angesparte Geld aus einer Lebensversicherung fällig wird, ist es für viele das erste Mal, dass sie eine so hohe Summe auf einmal erhalten. Meist sind es fünfstellige Beträge, manchmal auch 100.000 Euro und mehr. Wie soll man das anlegen?

Die Versicherten, die jetzt ihr Geld erhalten, haben im Zweifel ihren Vertrag vor 2005 geschlossen. Sie müssen keine Steuern zahlen und können also über den vollen Betrag verfügen. Sie sollten prüfen, ob sie eine Wahlmöglichkeit zwischen einmaliger Auszahlung und Verrentung haben. Bei einer Rentenversicherung werden bis ans Lebensende womöglich Beträge ausgezahlt, die garantiert zu vielleicht noch vier Prozent verzinst werden. Das kann man nutzen, denn so hohe Zinsen erhält man aktuell nicht. Für wen sich das lohnt, sagt Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur des Verbraucher-Ratgebers Finanztip: "Wer gute Chancen hat, richtig alt zu werden, für den ist das ein guter Deal."

Wer eine Lebensversicherung ohne garantierte Rentenzahlung hat und die Versicherungssumme auf einen Schlag ausgezahlt bekommt, könnte sich mit einem Teil davon vielleicht einen Anschaffungswunsch erfüllen oder beispielsweise einen Teil eines Hypothekendarlehens tilgen.

Alternativ zur einmaligen Auszahlung bieten viele Versicherer ihren Kunden gern eine Sofortrente an. Die ist jedoch nicht so flexibel, und sie bringt aktuell nichts. "Wer jetzt einen Auszahlplan vereinbart, schreibt die derzeit niedrigen Zinsen für die nächsten 20 Jahre fest", warnt Max Herbst, Gründer der FMH-Finanzberatung. Hinzu kommt: Früher gab es deutlich mehr Rente, weil die Lebenserwartung der Menschen nicht so hoch war. Die aber ist gestiegen, entsprechend kalkulieren die Versicherer vorsichtiger bei der Auszahlung der Rentenbeträge. Deshalb rät Herbst, das Geld auf einem Tages- oder Festgeldkonto für ein bis zwei Jahre zu parken. Danach seien höhere Zinsen wahrscheinlich. Sinnvoll sei es, auf dem schlechter verzinsten Tagesgeldkonto nur einen kleineren Betrag zu parken, den man schnell zur Verfügung habe. Dort gebe es allenfalls 0,5 Prozent Zinsen, für Neukunden vielleicht 0,8 bis 0,9 Prozent, je nach Institut. Den Restbetrag könnten Anleger, die nicht in Aktien investieren wollten, auf ein Festgeldkonto legen und in zwei Jahre bei hoffentlich höheren Zinsen neu entscheiden. Wer aktienerfahren sei, könne einen Teil des Geldes auf mehrere Indexfonds verteilen.

Das sieht auch Tenhagen so: "Was ich innerhalb eines Jahres voraussichtlich verbrauchen werde, kommt auf das Tagesgeldkonto, einen Teil legt man als Festgeld an - am besten gestaffelt nach mehreren Jahren. Und den Rest kann man auf Indexfonds aufteilen." Dann solle man systematisch vorgehen: "Einmal im Jahr nimmt man sich vor, das Geld umzuschichten: Vom Festgeldkonto kommt der Betrag, den man vom Tagesgeld aufgebraucht hat, wieder aufs Tagesgeldkonto, und das Festgeld füllt man auf, indem man eine bestimmte Summe aus den Indexfonds umschichtet." Zu Indexfonds oder ETFs rät Tenhagen, weil sie breit gestreut einen Aktienindex nachbilden und nur geringe Gebühren kosten. Es steht also mehr Geld zur Anlage zur Verfügung. Und wenn man das Geld in verschiedenen Fonds anlegt, die einen unterschiedlichen Anlageschwerpunkt haben, minimiert man das Risiko eines Verlusts noch weiter. Wie hoch die Summe ist, die man jährlich den Fonds entnimmt, das könne man mit einer einfachen Division errechnen, sagt der Verbraucherschützer: "Man teilt das Fondsguthaben durch die Jahre, die man noch bis zum Alter von 100 Jahren zu leben hat. Diesen Betrag überweist man sich." Wenn die Börse ein Jahr gut gelaufen ist, fällt diese Summe entsprechend höher aus.

Von Renten- oder Immobilienfonds raten die Experten derzeit ab. Zum einen werfen sie kaum Zinsen ab, zum anderen sind die Immobilienmärkte aktuell stark in Bewegung.