Von Nina Jeglinski

Nach mehreren Lebensmittelrückrufen und dem Skandal um den hessischen Wursthersteller Wilke, dessen verunreinigte Ware mit drei Todesfällen und mehr als 30 Krankheitsfällen in Verbindung gebracht wird, wollen Bund und Länder den Informationsaustausch zum Schutz der Verbraucher beschleunigen. Dazu soll es ein bundesweit einheitliches Verfahren geben, Hessen fordert zudem eine bundesweite zentrale Datenbank.

Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) sagte nach einem Treffen mit ihren Länderkollegen, insgesamt laufe das System der Lebensmittelkontrollen zwar gut. Es gebe aber Optimierungsbedarf. Die Landwirtschaftsminister waren sich einig, dass die Länder, in deren Kompetenz die Lebensmittelüberwachung liegt, Kontrollen ohne Vorabsprachen mit den Betrieben von Ort organisieren sollten.

Klöckner wirbt dafür, interdisziplinäre Teams auch mit überregionaler Kompetenz einzusetzen. Dabei gehe es darum, dass Vertreter eines Kreises auch Experten anderer Behörden einbinden könnten. Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) aus Mecklenburg-Vorpommern verwies auch auf die Verantwortung der Verbraucher. Die jüngsten Todesfälle seien tragisch und sehr traurig, „weil es um Menschenleben geht“, sagte der Minister, jedoch müssten Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen mehr als bisher darauf achten, was die Patienten zu essen bekommen. Rohmilchprodukte, bestimmte Wurstsorten und ungekochtes Gemüse seien für Erkrankte und chronisch Kranke nicht immer geeignet.

Heftige Kritik kam von den Verbraucherverbänden. Klaus Müller, Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands, fordert mehr Kontrollen und eine schnellere und umfangreichere Information im Krisenfall. Die Verbraucherorganisation Foodwatch will für jedes Bundesland eigenständige und unabhängige Landesanstalten für Lebensmittelüberwachung, statt wie bisher die Kontrollen auf Kreisebene zu organisieren.

Der Lebensmittelverband Deutschland verweist indes auf das „sehr hohe Niveau“ der Lebensmittelsicherheit in Deutschland. In der Wertschöpfungskette von der Landwirtschaft bis zur Systemgastronomie gäbe es über 700 000 Betriebe, davon allein 6000 in der Ernährungsindustrie. Diese hielten sich selbstverständlich an die Gesetze.

Leider gebe es auch immer wieder Schwarze Schafe, die durch ihr kriminelles Handeln eine ganze Branche in Misskredit bringen können. „Deshalb kann eine 100-prozentige Sicherheit nie gewährleistet werden. Derartige Einzelfälle stellen kein Systemversagen dar“, betonte Manon Struck-Pacyna vom Lebensmittelverband.