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Energiewende
Leag fordert Zeit für Umsetzung von Revierkonzept

ARCHIV - Blick auf das Gelände mit Braunkohle-Tagebau der LEAG unweit des brandenburgischen Braunkohlekraftwerks Jänschwalde. Aufgenommen am 11.11.2011.
ARCHIV - Blick auf das Gelände mit Braunkohle-Tagebau der LEAG unweit des brandenburgischen Braunkohlekraftwerks Jänschwalde. Aufgenommen am 11.11.2011. FOTO: Patrick Pleul / dpa
Cottbus. Energieunternehmen sucht nach neuen Geschäftsfeldern. Moderne Infrastruktur entscheidet. Von Simone Wendler

Der Vorstandsvorsitzende des Lausitzer Energiekonzerns Leag Helmar Rendez hat am Freitag vor Journalisten an die Bundespolitik appelliert, der Umsetzung des im Frühsommer 2017 vorgestellten Revierkonzeptes seines Unternehmens eine faire Chance zu geben. Danach werde die Braunkohleverstromung in der Lausitz bis zum Anfang der 40er Jahre geordnet heruntergefahren. "Das gibt der Region Planungssicherheit und die Chance, Neues aufzubauen", so Rendez. Der Kohleausstieg käme ohnehin, da niemand in Deutschland mehr ein neues Kohlekraftwerk bauen
werde.

Bei politischen Diskussionen über die Stilllegung von Kohlekraftwerken müsste außerdem zwischen Steinkohle und Braunkohle klar differenziert und die Auswirkungen der Standorte auf das Stromnetz beachtet werden. Bei den Jamaika-Sondierungen sei das nicht geschehen. Während Steinkohlekraftwerke in wenigen Tagen heruntergefahren und die Importlieferungen des Brennstoffes gestoppt werden könnten, bedeute die Stillegung von Braunkohleanlagen auch den Eingriff in einen damit verbundenen, laufenden Tagebau. Das ziehe hohe Folgekosten nach sich. Im Bereich des ostdeutschen Übertragungsnetzes 50Hertz sei das Kraftwerk Jänschwalde außerdem die Anlage, die dafür vorgesehen sei, zusammen mit
den Gasturbinen in Tyrow bei Berlin im Falle eines Blackouts das Stromnetz wieder aufzubauen. Rendez warnte auch davor, sich in einigen Jahren nach dem Atomausstieg bei "kalter Dunkelflaute" auf Stromlieferungen aus dem benachbarten
Ausland zu verlassen, wenn die eigenen Kapazitäten an konventioneller Erzeugung nicht ausreichten.

Der Vorstandsvorsitzende des Leag Helmar Rendez.
Der Vorstandsvorsitzende des Leag Helmar Rendez. FOTO: Simone Wendler

Studien belegten, dass solche Situationen in der Regel dann auftreten, wenn auch in den Nachbarländern die Kapazitäten zur eigenen Versorgung voll ausgelastet seien. Der Leag-Chef verwies darauf, dass sich sein Unternehmen bereits um neue Geschftsfelder bemühe. Für die Entwicklung der Lausitz angesichts des in
den nächsten Jahren zurückgehenden Braunkohlegeschäftes seien dringend eine bessere Infrastruktur im Bereich Breitbandausbau und Verkehr notwendig, sowie mehr Geld für Forschung.