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Stromerzeugung
Leag drosselt Kraftwerke über Jahreswechsel

Während der zum Teil stürmischen Weihnachtsfeiertage hat der Lausitzer Braunkohlestromerzeuger Leag seine Leistung auf insgesamt 25 Prozent heruntergefahren. Trotzdem sorgte Stromüberschuss an der Börse für negative Preise.
Während der zum Teil stürmischen Weihnachtsfeiertage hat der Lausitzer Braunkohlestromerzeuger Leag seine Leistung auf insgesamt 25 Prozent heruntergefahren. Trotzdem sorgte Stromüberschuss an der Börse für negative Preise. FOTO: Patrick Pleul / dpa
Cottbus. Während der zum Teil stürmischen Weihnachtsfeiertage hat der Lausitzer Braunkohlestromerzeuger Leag seine Leistung auf insgesamt 25 Prozent heruntergefahren. Trotzdem sorgte Stromüberschuss an der Börse für negative Preise. Tausende Megawattstunden wurden ins Ausland verramscht. Von Simone Wendler

Die Lausitzer Leag-Kraftwerke Jänschwalde, Schwarze Pumpe und Boxberg sowie das im Auftrag des Miteigentümers EnBW betriebene Kraftwerk Lippendorf wurden über den Jahreswechsel drastisch heruntergefahren. Die Braunkohlestromerzeugung der Leag war nach Unternehmensangaben mit nur einem Viertel ihrer Leistung im Netz. Dazu wurden auch einzelne Kraftwerksblöcke an den verschiedenen Standorten komlett außer Betrieb genommen. Das Unternehmen reagierte damit auf den zum Jahreswechsel deutlich abgesenkten Strombedarf in Deutschland und die durch stürmisches Wetter starke Stromerzeugung durch Windkraftanlagen. Dabei wurden die Braunkohlekraftwerke zwischen Weihnachten und dem Jahreswechsel auch mehrfach an- und abgefahren, um ein Höchstmaß an Einspeisung erneuerbarer Stromerzeugung zu ermöglichen, so Leag-Kraftwerksvorstand Hubertus Altmann. Parallel dazu musste von den Anlagen die Warmwasser- und Fernwärmeversorgung für mehrere Städte gesichert werden, darunter Hoyerswerda, Weißwasser und Cottbus.

Deutschlandweit kam es trotzdem nach einem Bericht des Handelsblattes dazu, dass tausende Megawattstunden Überschussstrom ins Ausland verramscht wurden. Durch das Überangebot drehten die Preise an der Strombörse ins Negative. Abnehmer erhielten für jede Megawattstunde bis zu 76 Euro Belohnung. Betreiber von Wind- und Solaranlagen bekämen noch einen Teil ihrer Vergütung, wenn für ihren Strom keine Nachfrage besteht, so das Handelsblatt.

In der öffentlichen Debatte über die Fortsetzung der Energiewende wird auch darüber gestritten, wer für diese kostspieligen Stromexporte durch Überproduktion verantwortlich sei.Während beispielsweise das Ökoinstitut die fossilen Kraftwerke und ihre unzureichende Reaktionsfähigkeit benennt, sieht das Institut der deutschen Wirtschaft laut Handelsblatt die Hauptschuld bei Wind- und Photovoltaikanlagen. Die hätten zu wenig Anreiz, ihre Stromproduktion am Bedarf auszurichten. Das müsse über eine Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) geändert werden.