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| 01:00 Uhr

Lausitzer Wirtschaft wieder etwas zuversichtlicher

Die Stimmung in der Lausitzer Wirtschaft ist positiver als in den drei Jahren zuvor. 23 Prozent der Mitgliedsbetriebe der Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus schätzen in der gestern vorgestellten Konjunkturumfrage für den Herbst 2005 ihre Geschäftslage als gut ein, im Herbst 2004 waren es 17 Prozent, vor drei Jahren nur 14 Prozent. Auch im Kammerbezirk Dresden ist der Optimismus gewachsen. Nicht zuletzt wegen der Hoffnung, dass eine neue Bundesregierung zügig entlastende Reformschritte einleitet. Allerdings wurden diese Hoffnungen bislang enttäuscht. Von Beate Möschl

Die Industrie entwickelt sich „wieder sehr erfreulich“ , kann Dr. Andreas Kotzorek, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Cottbus, gestern als gute Nachricht verkünden. Das im Frühjahr des Jahres von der Kammer prognostizierte reale Wachstum von durchschnittlich drei bis fünf Prozent werde deshalb bis Jahresende eher den oberen Rand der Prognose erreichen. Allein von Januar bis August sei im Verarbeitenden Gewerbe gegenüber dem Vorjahr eine Umsatzsteigerung von rund 150 Millionen Euro erreicht worden, etwa 60 Millionen davon resultieren aus dem Export.

Auslandsgeschäft wächst
„Die Auslandsnachfrage wächst drei Mal so stark wie die Inlandsnachfrage“ , berichtet Kotzorek. Insbesondere die Osterweiterung der EU habe dem Auslandsgeschäft Impulse verliehen. „Jeder fünfte Export-Euro wird im Außenhandel mit den Beitrittsländern verdient.“ Den um 20 Prozent gestiegenen Auslandsumsätzen mit den EU-Beitrittsländern steht ein Importplus von 6,5 Prozent gegenüber.
Das wieder anziehende Exportgeschäft lässt auch die Industrie in Ostsachsen optimistisch ins zweite Halbjahr blicken, wie Uwe Neumann von der IHK Dresden berichtet. Allerdings leide die Wirtschaft unter der anhaltend flauen Binnenkonjunktur sowie steigenden Rohstoff- und Energiekosten. Auf dem Bau und im Handel seien die Aussichten eher trübe.
„Die Händler gehen nicht davon aus, dass sich das Kaufkraftniveau in der Region spürbar verbessern wird“ , bestätigt Kotzorek für Südbrandenburg. Auch auf dem Bau sei die Stimmung schlecht. „Hier setzt sich der zweistellige Schrumpfungsprozess fort.“ Allein im 1. Halbjahr 2005 brachen die Bauumsätze in Südbrandenburg um 19 Prozent ein. In Ostsachsen gingen sie um 23 Prozent zurück. Fast sechs von zehn Befragten Betrieben in Südbrandenburg rechnen damit, dass sich die Geschäftslage weiter verschlechtert. Das sind rund 20 Prozent mehr als im Frühjahr 2005.

Keine positiven Signale aus Berlin
„Wir sind noch nicht im Bereich einer hinreichend starken wirtschaftlichen Entwicklung“ , betont Kotzorek. Der Wirtschaftsklima-Indikator der IHK Cottbus erreichte im Herbst 2005 einen Wert von 89 Prozent. Im Herbst 2004 lag er neun Punkte tiefer. Der Entlassungsdruck habe sich nur leicht entspannt. „Der Arbeitsplatzabbau wird sich weiter fortsetzen.“ Die Kammer rechnet mit einem Verlust von 4000 bis 5000 Arbeitsplätzen im Jahr 2005 in Südbrandenburg. Aus Berlin gibt es „nicht viele positive Signale für die Wirtschaft“ , wie Kotzorek sagt. Er spricht von einer „Koalition der Blockade“ und sieht die Hoffnungen der Lausitzer Wirtschaft enttäuscht.

Hintergrund 121 000 Betriebe in Kammern vereint
In der Lausitz sind rund 121 000 Unternehmen Mitglied der IHK. Die Cottbuser Kammer zählt 41 000 Mitgliedsbetriebe, die Dresdener 80 000.
Die IHK Cottbus befragte 380 Unternehmen. Die meisten zeigten sich mit dem Geschäftsverlauf der letzten Monate zufrieden. Wachstum gab es vor allem bei Industrie und Dienstleistern. Die Geschäftserwartungen sind jedoch eher skeptisch. 33 Prozent erwarten ungünstigere Geschäfte, das sind 15 Prozent weniger als vor drei Jahren und neun Prozent weniger als im Herbst 2004.
Die IHK Dresden befragte 750 Unternehmen. Die Ergebnisse sind ähnlich wie in Südbrandenburg. Allerdings hofft der Handel auf ein besseres Weihnachtsgeschäft aufgrund vorgezogener Käufe für den Fall einer Mehrwertsteuererhöhung.