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| 15:56 Uhr

Lausitzer Unternehmergeschichten Matthias Schutza
Als Nachfolger im Traditionsbetrieb

Osterlämmer und Osterbrot präsentiert Matthias Schutza von Weiland`s Backstuben in der Cottbuser Karlstraße.
Osterlämmer und Osterbrot präsentiert Matthias Schutza von Weiland`s Backstuben in der Cottbuser Karlstraße. FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Lausitzer Unternehmer berichten in loser Folge von ihren Erfahrungen in der sich wandelnden Region. Heute: Matthias Schutza, Inhaber von Weiland‘s Backstube in Cottbus.

Ich übernahm am 1. August 2016 Weiland‘s Backstube und bin damit am Ziel meines bisherigen beruflichen Weges angekommen. Bei Weiland‘s wird das Handwerk gelebt. Aus Forst stammend, zog die vorletzte Generation der Bäckerfamilie nach Cottbus und ist seit mehr als hundert Jahren mit Weiland‘s Backstube am Standort ansässig. Ich führe das traditionsreiche Geschäft weiter.

Den Bäckerberuf erlernte ich in einer kleinen Handwerksbäckerei in Forst. Die Gesellenzeit führte mich zurück in meine Geburtsstadt Cottbus. Nach drei Gesellenjahren beschloss ich: „Wenn ich schon einen Handwerksberuf erlerne, dann soll mich das auch in die Selbstständigkeit führen. Ich mache jetzt meinen Meisterbrief.“

Ich besuchte die Sächsische Bäckerfachschule in Dresden und schloss als Bester meines Jahrgangs ab. Bei der Handwerkskammer entdeckte ich eine Chiffreanzeige aus Cottbus und sah meine Chance, in die Selbständigkeit zu starten, gekommen. „Bei der angegebenen Zahl der Mitarbeiter und Filialen kann das eigentlich nur Weiland‘s sein,“ überlegte ich. Als das erste Treffen bei der Handwerkskammer anstand, traten tatsächlich die Weilands zur Tür herein. Wir waren uns schnell sympathisch. Die Weilands freuten sich, dass sie einen Interessenten für ihr Geschäft gefunden hatten. Denn im Handwerk, und besonders bei den Bäckern, sind mögliche Nachfolger rar. Es besteht die Gefahr, dass unser Beruf in den nächsten Jahren sang- und klanglos untergeht. Dabei gehören wir zu den traditionellen Handwerksberufen, die etwas wert sind.

Die Weilands stellten mich zunächst als Bäcker ein. Ich arbeitete als normaler Angestellter und war zugleich als Nachfolger in spe vor Ort. So einfach, wie wir es uns vorstellten, lief der Übergabeprozess jedoch nicht. Eine Tochter der Weilands – sie ist Rechtsanwältin und Steuerberaterin – half uns, die Verträge aufzusetzen. Ich zog eine externe Unternehmensberaterin hinzu, die meine Interessen als Käufer vertrat. Eine sensible Angelegenheit! Kommt ein Dritter mit an den Tisch, muss er genau zu den Beteiligten passen. Ich hatte zunächst einen Berater in petto. Als reiner Zahlenmensch erwies er sich jedoch als ungeeignet. Es standen eine Menge Emotionen im Raum. Die Weilands führten das Unternehmen in der vierten Generation. Die Entscheidung: „Wir geben es aus der Familienhand“, war für sie ein gewaltiger Schritt.

Ein halbes Jahr arbeitete ich als Angestellter im Unternehmen und lernte alle Arbeitsabläufe kennen. Warum ich wirklich hier war, durfte keiner wissen. Nach vier Monaten fragte mich eine Kollegin: „Und wann kaufst du die Bude nun endlich?“

Wir konnten es nicht mehr verbergen. Wir beraumten ein offizielles Treffen an, um der Mannschaft den Inhaberwechsel zu verkünden.

Um unsere Kundschaft hatten wir uns schon zu Beginn des Übergabeprozesses Gedanken gemacht. Wir befürchteten, Stammkunden zu verlieren. Deshalb hängten wir die Geschäftsübergabe nicht an die große Glocke. Vor wenigen Tagen fragte mich eine Stammkundin: „Sind Sie jetzt wirklich der Neue?“ „Ja“ sagte ich, „schon seit über einem Jahr.“ „Echt? Ich habe das gar nicht mitbekommen.“ Wunderbar, denke ich da.

Weil das Geschäft immer besser lief, rekrutierte ich weitere Mitarbeiter für den Verkauf und die Backstube sowie einen Bankkaufmann, der das Büro managt. Als zwei meiner Verkäuferinnen in Mutterschutz gingen, musste ich erneut aufstocken. Eines Tages klingelte das Telefon und eine Frauenstimme sagte: „Zum Ende des Jahres läuft der Vertrag bei meiner jetzigen Firma aus. Kann ich mich bei Ihnen vorstellen?“ Die Dame kam vorbei. Sie war bereits 60 Jahre alt und sagte: „Na, Hauptsache Sie haben kein Problem mit meinem Alter.“ „Hauptsache Sie haben kein Problem mit meinem Alter“, entgegnete ich, und das Eis war gebrochen.

Wir stellten sie ein – und auch sie erwies sich als Goldstück. Sie ist eine Frau mit Lebenserfahrung und steht ganz anders hinter der Theke, als unerfahrene junge Leute. An meinem Geburtstag trat sie zu mir, umarmte mich und sagte: „Matthias, ich danke dir, dass ich das noch erleben darf in meinem Alter.“