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| 15:33 Uhr

Lausitzer Unternehmergeschichten Philipp Fumfahr, Bäcker Wahn
Nicht einfach, die Nachfolge zu meistern

Philipp Fumfahr: „Die Nachfolge zu meistern ist ein Spagat zwischen Selbstverwirklichung und dem Lebenswerk der Vorgänger.“
Philipp Fumfahr: „Die Nachfolge zu meistern ist ein Spagat zwischen Selbstverwirklichung und dem Lebenswerk der Vorgänger.“ FOTO: Michael Helbig
Vetschau. Lausitzer Unternehmer berichten in loser Folge von ihren Erfahrungen in der sich wandelnden Region. Heute: , Bäcker Wahn. Philipp Fumfahr

Zeit meines Lebens bin ich Bäcker. Da sich die Backstube meiner Eltern seit fünf Generationen im Familienbesitz befindet, stand früh fest, dass auch ich Bäcker werde. Ich absolvierte meine Ausbildung in der Nähe von Berlin und schloss sogleich den Meisterlehrgang an.

„Muss es im Leben nicht mehr geben, als in der Backstube zu stehen?“, fragte ich mich und beschloss, Betriebswirtschaft zu studieren. Meinen Betriebswirt in der Tasche, zog es mich jedoch zurück an den Backofen. Für kurze Zeit arbeitete ich als stellvertretender Produktionsleiter einer Bäckerei bei Berlin. Währenddessen hielt ich Kontakt zur Abteilungsleiterin meiner Cottbuser Berufsschule. Sie riet mir, Lehrer zu werden.

So begann ich, in Dresden Lehramt für Berufsbildende Schulen im Fach Ernährungswissenschaft zu studieren. Während des Studiums bekam ich Angebote von Unternehmen und Großhändlern aus der Bäckerbranche. Die Versuchung, ins Handwerk zurückzukehren, war zu reizvoll. Also schmiss ich das Studium und nahm eine Stelle als Verkaufsleiter im Außenhandel an. Dabei lernte ich das Ehepaar Wahn und deren gleichnamige Bäckerei in Vetschau kennen.

Dagmar und Hans-Werner Wahn suchten einen Nachfolger für ihr Geschäft. Ich sollte ihnen dabei helfen. Jedoch fand sich kein Kandidat, bei dem die Chemie stimmte. In der Weihnachtszeit 2014 saßen wir beisammen. Wir kannten uns inzwischen ein dreiviertel Jahr. Frau Wahn schaute mich an und fragte zum ersten Mal: „Wie ist es eigentlich mit Ihnen? Hätten Sie nicht Lust, unseren Betrieb zu übernehmen?“

Ich erörterte die Idee mit meiner Familie. Mein Vater war kurz zuvor gestorben. Deshalb überlegte ich ohnehin, in meine Heimat zurückzukehren. Das Angebot anzunehmen lag nahe.

Gemeinsam mit Familie Wahn arbeitete ich fast ein ganzes Jahr an einem detaillierten Businessplan. Wir legten vermeintlich alles offen, um für jeden das beste Ergebnis zu erzielen. Des Pudels Kern liegt bei einer Unternehmensübergabe in den finanziellen Regelungen. Egal wie gut sich die beiden Parteien verstehen: wenn nicht jeder mit Gewinn aus den Verhandlungen geht, werden sie keine Übereinkunft erzielen.

Uns fiel es leicht, den richtigen Schnitt zu finden. Schließlich hatten wir eine enge Beziehung zueinander aufgebaut. Außerdem war Herr Wahn sehr krank und die Not mittlerweile groß, die Verantwortung für den Betrieb abzugeben.

Allerdings bleiben Differenzen bei keiner Firmenübernahme aus. Dem Ehepaar Wahn fiel es schwer, loszulassen. Schließlich hatte es das Unternehmen selbst aufgebaut und mehr als 40 Jahre erfolgreich geführt. Nun kam ich und verfolgte meine eigenen Ideen für die Backstube. Ich wollte mich in meinem Bäckereibetrieb selbst verwirklichen und das Geschäft nach meiner eigenen Philosophie leiten. Beim Ehepaar Wahn mag dies den Anschein erweckt haben, dass ich ihr Lebenswerk nicht würdigte. Heute denke ich, dass ich mit ihnen über meine Pläne hätte sprechen müssen, darüber, welche Veränderungen nötig waren, um den Betrieb zu meinem Betrieb zu machen.

Meine Vorgänger übergaben mir das Unternehmen mit 40 Mitarbeitern. Die Angestellten während des Übernahmeprozesses zu halten, stellte eine große Herausforderung dar. Einigen f iel es schon schwer, sich  an ihren neuen Chef zu gewöhnen.

Zudem stürmten in der Anfangszeit viele Einflüsse auf mich ein. Ich wollte es allen recht machen. Die Mitarbeiter erwarteten, dass ich – wie das Ehepaar Wahn – endlose Stunden in der Backstube stand. Dabei vergaßen sie, dass ihre alten Chefs zu zweit gewesen waren. Sie hatten sich die Stunden untereinander aufgeteilt. Dieses Arbeitspensum konnte ich allein nicht schaffen. Außerdem musste ich an meine Familie denken, die die wichtigste Rolle in meinem Leben einnimmt.

Inzwischen kann ich sagen: Wir haben es geschafft. Als Nachfolger in der Backstube Bäcker Wahn bin ich heute in der Lage, mich selbst und meine eigenen Ideen in meiner Arbeit zu verwirklichen. Wir tragen unsere Philosophie in die Region und setzen unsere Ideen in spannenden Projekten um. Die Kunden danken es uns.