"Unser Problem ist, dass Studenten nur die großen Konzerne kennen. Wir sind ein mittelständisches Unternehmen, das heißt, wir müssen viel mehr tun, um Ingenieurnachwuchs zu sichern, den wir brauchen", sagt Marten Eger, Geschäftsführer Wasserverband Lausitz (WAL) Betriebsführung GmbH in Senftenberg (Oberspreewald-Lausitz). Das private Wasserver- und Abwasserentsorgungsunternehmen mit derzeit 150 Beschäftigten ist nicht nur in der Lausitz tätig, sondern auch in Mecklenburg-Vorpommern und im Raum Dresden. Und es betreibt im Auftrag der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV) die Grundwasserregulierung im Raum Hoyerswerda.

Wasserwirtschaft sucht Ingenieure"Mit der Expansion steigt der Bedarf an Fachkräften. Wir haben in diesem Jahr bereits alle Lehrlinge, die ausgelernt haben, übernommen. Doch wir brauchen auch Projekt- und Planungsingenieure", schildert Marten. Bisher hätten sich die Senftenberger in Eigeninitiative bemüht. "Wir haben eine Firmenwohnung am Senftenberger See angemietet und sie samt einem Auto Studenten während der Praktikumszeit zur Verfügung gestellt." So seien schon Absolventen aus dem Ruhrgebiet, dem Münsterland und aus Sachsen in die Region gekommen. Übernommen habe die Praktikanten bislang das WAL-Mutterunternehmen, die Rethmann-Gruppe, über die FHL-Initiative wollen sich die Senftenberger eigenen Ingenieurnachwuchs sichern.

Die WAL Betrieb GmbH gehört wie der Wärmepumpen- und Melktechnikhersteller Itec Elsterwerda (Elbe-Elster) oder die Ibar Systemtechnik GmbH Senftenberg (Oberspreewald-Lausitz) zu den mehr als 30 Unternehmen aus der Region, die sich nach Auskunft der Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus an dem Projekt beteiligen wollen. Sie sind bereit, Studienanfänger des Bauingenieurwesens, der Kommunikations- und Elektrotechnik sowie der Versorgungstechnik pro Monat 200 Euro als Stipendien zu zahlen - Tendenz steigend, je nach Studienfortschritt und Leistung. Pro Semester können so 50 Euro hinzukommen. Die Verträge können nach jedem Semester erneuert werden, sodass Absolventen und Unternehmen auch aus ihren Pflichten entlassen werden können, sollten die Chemie und die Leistung nicht stimmen. "Das Ganze ist ein Wechselspiel", betont der stellvertretende IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Andreas Kotzorek und fügt hinzu: "Die Unternehmen profitieren von den Arbeiten und Ideen der Studenten und umgekehrt vertiefen die Absolventen ihr Wissen in der Praxis. Die Chance, dass sie sich bei gutem Engagement auch eine Beschäftigungsperspektive in der Lausitz sichern, ist groß." Deshalb habe die Kammer die FHL gern bei der Auswahl qualifizierter Unternehmen unterstützt. Die FHL stimmt das Studium auf die Belange der Unternehmen ab und überprüft regelmäßig den Studienfortschritt der Absolventen sowie die Qualität der praktischen Arbeit im Betrieb.

Angebot ausbaufähig"Unsere Studenten sollen mehr tun als Kaffee kochen", erklärt Prof. Dr. Stefan Zundel, Vizepräsident der FHL für Forschung und Technologietransfer, die Vertragsgestaltung. "Das Betriebsstipendium eröffnet engagierten Studierenden den Zugang zur Arbeitswelt in Unternehmen der Region, die Absolventen suchen. Das ist allemal besser, als im Supermarkt an der Kasse zu sitzen und bietet die Chance auf eine beruflichen Perspektive nach dem Studium. Den Unternehmen wiederum ermöglicht das Projekt eine langfristige Personalplanung. Es ist eine klassische Win-Win-Situation", so Zundel. Er ist überzeugt, dass das Angebot auf reges Interesse stößt und "ausbaufähig" ist. Das sieht auch die IHK so.