von Julian Münz

Egal ob Wirtschaftsweise, das Institut für Wirtschaftsforschung oder die Bundesregierung: Wenig optimistisch klang das, was die Ökonomie-Experten in letzter Zeit für die deutsche Wirtschaft prognostizierten. Der Aufschwung kühle ab, so die einhellige Meinung von DIW, Ifo und Co.

Über 95 Prozent der Unternehmen mit Geschäftslage zufrieden

Zumindest in der Lausitz ist, wenn man vom halbjährlichen Konjunkturbericht der Handwerkskammer Cottbus ausgeht, aber noch nicht viel von dieser Prognose zu erkennen. „Die Konjunktur verläuft sehr positiv“, berichtet die HWK-Geschäftsführerin Manja Bonin bei der Vorstellung des Berichtes für das Frühjahr 2019. Nur 4,5 Prozent der Lausitzer Handwerksunternehmen zeigen sich demnach aktuell unzufrieden mit ihrer wirtschaftlichen Lage.

Vor einem Jahr sind es noch fast doppelt so viele gewesen. Vor allem Maurer, Gerüstbauer oder Dachdecker profitierten von den besonders milden Wintermonaten. Lediglich bei den Handwerken für den gewerblichen Bedarf - darunter etwa Metallbauer, Gebäudereiniger oder Informationstechniker - verschlechterte sich die Stimmung. Hier gab jedes zehnte Unternehmen an, nicht glücklich mit der derzeitigen Geschäftslage zu sein. „Diese Berufe merken als erstes, wenn sich Unsicherheit auftut, etwa durch den Brexit oder den Strukturwandel“, erklärte die HWK-Geschäftsführerin diese Entwicklung.

Fachkräftemangel bleibt ein Problem

Aber auch ein altbekanntes Problem macht den Südbrandenburger Unternehmern weiterhin zu schaffen: der Fachkräftemangel. Denn auch weiterhin suchen die Handwerksbetriebe in der Lausitz durchschnittlich nach zwei bis drei neuen Mitarbeitern. „Das Thema Fachkräfte verschärft sich von Monat zu Monat“, so Bonin.

Zwar kann laut der Umfrage der Großteil der Unternehmen seine Personalanzahl noch stabil halten oder sogar vergrößern, doch auch der Anteil an Handwerksbetrieben, die ihr Personal verkleinern mussten, stieg wieder von 12,6 auf 15,7 Prozent an. Diese könnten etwa Renteneintritte nicht mehr kompensieren.

Beim Thema Fachkräftesuche bestätigt sich das Problem: Nur sechs Prozent der Lausitzer Handwerksunternehmen gaben hier bei der Umfrage an, die Suche nach neuen Arbeitskräften als unproblematisch zu empfinden. Für mehr als die Hälfte der Handwerksfirmen gestaltete sich die Personalsuche im vergangenen Jahr hingegen als aufwändig oder sogar erfolglos. Die meisten Probleme haben Bäcker, Konditoren und Fleischer: Hier bezeichneten 41 Prozent der Unternehmen die Personalsuche als aufwändig, während etwa ein Viertel nach eigenen Angaben vergeblich versuchte, neue Arbeitskräfte zu gewinnen.

Mehrere Wochen Wartezeit bei Aufträgen sind üblich

Zusammen mit den „gut gefüllten Auftragsbüchern“ bei den Handwerksbetrieben, die Geschäftsführerin Manja Bonin bei der Präsentation der Ergebnisse herausstellte, wirke sich die Personalkrise auch auf die Kunden aus. „Es zeigt sich, dass das Handwerk nicht mehr sofort zur Stelle ist“, so Bonin. Die Unternehmen arbeiten an der Belastungsgrenze, längere Wartezeiten bei Aufträgen seien mittlerweile ein Normalzustand in der Handwerksbranche. Durchschnittlich müssten Kunden mehr als zwei Monate warten, bis ihre Aufträge bearbeitet werden. Gerade im Bauhauptgewerbe, also bei Maurern, Zimmerern oder Straßenbauern haben sich die Wartezeiten im vergangenen Jahr nochmals drastisch erhöht - fast 15 Wochen warten Auftraggeber im Durchschnitt auf den Handwerker. Eine kurzfristige Lösung des Problems sei hier nicht in Sicht, so das Fazit der Handwerkskammer Cottbus.

Studienaussteiger werden im Handwerk gesucht

Doch der Fachkräftemangel habe auch bereits zu einem Umdenken geführt, berichtet Manja Bonin von der Handwerkskammer. So versuchen diese, neue Gruppen als potenzielle Fachkräfte anzusprechen. Studienabbrecher seien laut der Umfrage etwa bei jedem zehnten Handwerksunternehmen gefragt und freuen sich gerade in der Gesundheitsbranche größerer Beliebtheit. „Viele Studienaussteiger, die uns bekannt waren, konnten schon erfolgreich vermittelt werden“, erzählt die HWK-Geschäftsführerin. Auch Schulabgänger mit höherem Berufsabschluss, Quereinsteiger, Berufsrückkehrer, Fachkräfte aus dem Ausland, und Teilnehmer an Berufsvorbereitungsmaßnahmen wollen die Unternehmen zukünftig mehr ansprechen.