"Handwerker sein muss man mit Leib und Seele, sonst funktioniert das nicht", sagt Bäckermeister Werner Klinkmüller aus der Gastgeberstadt. Der 58-jährige Obermeister der Lausitzer und Spreewälder Bäcker- und Konditorinnung hat sich schon als Kind für Süßes begeistert. "Zuckerrübensirup aufs warme Brötchen, für mich gab es nichts Schöneres", erinnert er sich. So folgte er bei der Berufswahl im wahrsten Sinne des Wortes seiner Nase in die damalige Bäckerei Tanneberger nahe beim eigenen Elternhaus. Nach der Ausbildung dort, Armeezeit und Meisterlehrgang pachtete Werner Klinkmüller 1983 einen leer stehenden Laden an der Langen Straße und machte sich selbstständig. "Zu viert haben wir angefangen: meine Frau, meine Mutter, ein Geselle und ich", erzählt er. Zu DDR-Zeiten seien die Bäcker in einer Einkaufs- und Liefergenossenschaft organisiert gewesen, die dem Rat des Kreises unterstellt war. 1987 wurde der Luckauer Obermeister dieses Zusammenschlusses, zu dem Bäcker aus Luckau, Golßen und Dahme gehörten. "Zuletzt gab es kaum noch Zutaten. Wollte jemand Ananastorte, musste er die Ananas mitbringen", blickt er zurück. Ganz ähnliche Geschichten vom Spagat zwischen Mangel und Improvisation, so Werner Klinkmüller, werden wohl auch Handwerkerkollegen anderer Branchen erzählen, wenn bei der Festtafel zum Jubiläum in Luckau die Rede auf die alten Zeiten kommt. Die Wende eröffnete gestandenen Handwerkern ganz neue Möglichkeiten und befeuerte außerdem den Gründergeist. Laut Handwerkskammer Cottbus erfüllten sich damals mehr als 2000 Handwerker den Traum vom eigenen Unternehmen. 38 Innungen entstanden im Kammerbezirk neu oder wurden wiederbelebt, so auch die Lausitzer und Spreewälder Bäcker- und Konditorinnung.

Ausdruck der Berufsehre

Werner Klinkmüller zufolge zählt sie 58 Mitglieder und sieben Ehrenmitglieder in einem Gebiet, das von Cottbus und Bad Liebenwerda bis nach Königs Wusterhausen reicht. "Damit verkörpern wir eine geballte Kraft", begründet der Obermeister die große Struktur. Die Innungen kümmern sich um all die Aspekte, die für ein Handwerksunternehmen wichtig sind: Von der Ausbildung und Qualifizierung bis zur Hilfe in rechtlichen Belangen. Die Mitgliedschaft ist für Handwerksbetriebe nicht verpflichtend, für Werner Klinkmüller ist sie vielmehr Ausdruck von Berufsehre und Handwerkerstolz. Abgesandte von zwölf Innungen wollen sich in Luckau bei einem Umzug in ihrer Berufskleidung präsentieren und führen ihre Fahnen mit. "Auf der Fahne der Bäcker und Konditoren sind alle Städte eingestickt, in denen unsere Betriebe ansässig sind", sagt der Obermeister.

Werner Klinkmüller beschäftigt im Familienbetrieb inzwischen zehn Mitarbeiter, darunter einen Azubi. Für ihn habe sich mit dem Ende der Mangelwirtschaft die Möglichkeit geboten, kreativ zu sein. "Jetzt macht das Bäcker sein, richtig Spaß", schwärmt er, verhehlt aber auch die Probleme nicht, mit denen das Handwerk zu kämpfen hat. Am meisten auf der Seele brennt ihm das Bäckereiensterben auf dem Land. "Zur Wendezeit zählte die Innung 146 Mitglieder, fast drei Mal so viel, wie heute", sagt, er. "Die Kinder wollen die Betriebe oft nicht übernehmen. Viele Handwerker beklagen auch, dass sie keine geeigneten Azubis finden", so der Bäckermeister aus Luckau. Große Ketten machen den Familienbetrieben außerdem zunehmend Konkurrenz. Klinkmüller wirbt bei seinen Berufskollegen dafür, sich auf ihre spezielle Stärke zu besinnen. "Wenn einer zum Beispiel die besten Pfannkuchen bäckt, dann kommen die Leute deswegen zu ihm", sagt er.

Torte bleibt süßes Geheimnis

Markenzeichen der Luckauer Bäckerei Klinkmüller sind die mehrfach preisgekrönten Stollen des Seniorchefs sowie die ganz besonderen Torten- und Praliné-Kreationen von Sohn René, der unlängst als Patissier mit der Nationalmannschaft der Köche bei der Weltmeisterschaft in Luxemburg Doppelgold geholt hatte. Er kreiert auch die Torte für das Jubiläumsfest, die Brandenburgs Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) mit den Repräsentanten des Handwerks anschneiden wird. Was genau die Leckermäuler erwartet, bleibt bis zuletzt süßes Geheimnis. Nur so viel sei verraten: "Die Torte wird die Zunftzeichen und eine goldene 25 tragen."

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Das Sommerfest beginnt am Sonnabend um 14 Uhr mit einem Gottesdienst in der Nikolaikirche. Danach präsentieren sich Vertreter der Innungen in Berufskleidung und tragen ihre Fahnen von der Kirche zum Schlossberg. Für die Unterhaltung der Handwerker und Gäste sorgen die Band "Na und" und das Tanzstudio "La Belle" aus Luckau. Vom Lebensmittelhandwerk kommt das Grillbuffet. Um 18 Uhr steigt ein Feuerwerk.