„Die chinesische Seite legt großen Wert auf deutsche
Zertifikate.“
 Wolfgang Götzke



Herr Götzke, hat das südbrandenburgische Handwerk keine anderen Sorgen, als sich mit chinesischen Vertretern über Ausbildung zu unterhalten„
Wir verhandeln mit den Chinesen nicht, weil wir derzeit keine anderen Probleme haben, sondern weil wir als Kammer weitsichtig arbeiten. Wir müssen ab den Jahren 2006/2007 mit einem Bevölkerungsknick rechnen und damit, dass wir nur 30 bis 40 Prozent unserer Lehrstellen besetzen können, weil niemand mehr da ist. Das heißt, wir müssen uns rechtzeitig um die Auslastung unserer hochmodernen Ausbildungseinrichtungen kümmern.

Müssen dafür extra Leute aus China kommen“
Warum sollen sie nicht aus China kommen„ Ich denke, das ist ein sehr guter Weg. Bei unserem Besuch in Nanchang im September vergangenen Jahres haben wir uns davon überzeugen können, dass in China die duale Ausbildung schon längst praktiziert wird und das in relativ guter Qualität, angelehnt an unsere Ausbildungspläne. Nanchang ist eine Wirtschaftsregion mit knapp drei Millionen Einwohnern, 400 Kilometer entfernt von Shanghai. Unter anderem wollen Mercedes-Benz und Ford hier zwei Werke bauen und auf qualifiziertes Personal zurückgreifen.

Da scheint ja alles zusammenzupassen. Machen Sie nun Nägel mit Köpfen“
Ja, wir haben die im September vergangenen Jahres geschlossene Rahmenvereinbarung präzisiert und am späten Donnerstagabend in der Handwerkskammer Cottbus gemeinsam mit Vertretern aus Nanchang drei konkrete Verträge unterzeichnet.

Was ist darin vereinbart„
Vereinbart ist ein Lehrlingsaustausch. Bereits im September dieses Jahres kommen 15 chinesische Lehrlinge aus den Gewerken Werkzeugbau, Kfz sowie Elektro und Elektronik zu uns. Im Gegenzug fahren im April 2004 Lehrlinge aus unserem Kammerbezirk nach Nanchang, unterstützt von Bau-Lehrlingen, die beim Ausbau des regionalen Ausbildungszentrums helfen werden. Ein zweiter Rahmenvertrag sieht vor, den Ausbau der Motorenwerkstatt im Ausbildungszentrum Nanchang zu unterstützen. Der dritte Rahmenvertrag regelt die Berufsausbildung chinesischer Jugendlicher mit Unterstützung der Handwerkskammer Cottbus.

Wie soll die Ausbildung umgesetzt werden“
Nach anderthalb Jahren Vorbereitungszeit in Nanchang und dem Erlernen der deutschen Sprache, sollen jeweils 16 bis 20 Lehrlinge aus den Ausbildungsrichtungen Werkzeugmacher, Kfz-Instandhaltungsmechaniker, Schweißer und Elektroniker für anderthalb Jahre nach Deutschland kommen und in unseren Ausbildungseinrichtungen geschult werden. Gleichzeitig werden die Ausbilder, die sie begleiten, von uns weiterqualifiziert.

Wird es für die chinesischen Lehrlinge Sonderregelungen geben„
Nein, sie werden hier das gleiche Programm absolvieren wie unsere deutschen Lehrlinge. Ihnen wird nichts geschenkt. Sie werden nach unseren Vorschriften ausgebildet und geprüft. Die chinesische Seite legt sehr großen Wert darauf, dass die Lehrlinge ihre Ausbildung hier mit einem deutschen Zertifikat abschließen.

Und wer trägt die Kosten“
Die Handwerkskammer Cottbus hat nichts zu verschenken. Die Ausbildung wird bezahlt.

Mit Wolfgang Götzke
sprach Beate Möschl