Die Lausitzer Unternehmer sonnen sich zurzeit in einem Wirtschaftshoch – zur Freude der beiden IHKs in der Region. „Die Stimmung ist so gut wie noch nie“, sagt der Dresdner IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Detlef Hamann am Freitag in Hoyerswerda (Kreis Bautzen). Auch die in der Lausitz am meisten vertretenen Branchen Handel und Dienstleistungen signalisieren eine gute Ausgangslage. Beim Handel bewerten 87 Prozent der Unternehmen ihre Geschäftslage gut oder gleich, im Dienstleistungssektor sogar 94 Prozent. Auch die Bauwirtschaft verzeichnet ein gutes Jahr. Den besten Wert vermelden jedoch die Industriebetriebe zwischen Lübbenau, Herzberg, Guben und Zittau: Nur fünf Prozent von ihnen sind mit der Lage unzufrieden. „Die Ergebnisse belegen, dass die Lausitzer Unternehmen inzwischen deutschland- und auch weltweit konkurrenzfähig sind“, sagt der Cottbuser IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Wolfgang Krüger.

Die beiden Industrie- und Handelskammern haben die Konjunkturumfrage in diesem Jahr erstmals gemeinsam gestartet und wollen die Lausitz in Zukunft als einheitliche Region betrachten – und über die Ländergrenze hinwegsehen. „Die Unternehmer hier haben Großes geleistet“, sagt Hamann und verweist auf die großen Umbrüche vor 20 Jahren. In der Lausitz werde mehr geleistet, als die Lausitzer selbst erkennen, betont er. Ein Problem für die Kammervertreter: „Die Unternehmen tun viel, aber reden nicht darüber“, so Hamann. In diesem Punkt wollen die IHKs nun verstärkt eingreifen. Denn die Lausitz habe wesentlich mehr zu bieten als Tourismus, Kohle und Wölfe.

Ein weiteres Indiz für die gute Lage sei das Plus an sozialversicherungspflichtigen Stellen in der Region. Laut Krüger haben im März 2011 rund 8500 Menschen mehr einen Job gehabt als noch im März 2009. Insgesamt waren etwa 323 000 Stellen verzeichnet. Parallel dazu sei die Arbeitslosigkeit um mehr als 10 000 auf zurzeit etwa 60 000 gesunken.

Jedoch plagen die Betriebe neben dem Mangel an Auszubildenden und Fachkräften auch wirtschaftliche Risiken, die sie nur zum Teil beeinflussen können. So sorgen sich 55 Prozent der etwa 500 Befragten vor einem weiteren Ansteigen der Energiepreise, 46 Prozent vor steigenden Rohstoffpreisen und 40 Prozent vor einer schwächeren Inlandsnachfrage. Auch die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen sorgen Lausitzer Firmenchefs.

Ganz andere Sorgen bereiten den IHK-Hauptgeschäftsführern die Nachrichten, die täglich von den Euro-Krisenherden Europas in die Region gelangen. Die gute Stimmung in der Lausitz werde sich nicht fortsetzen, sagt Detlef Hamann. „Immerhin steuern wir auf die selbsterfüllende Prophezeiung zu“, betont er, nachdem die ersten Gerüchte vor drohender Rezession in Europa die Runde machen. Dementsprechend vorsichtig seien auch die Unternehmer in der Region. Sie sehen zwar weiterhin positiv ins Jahr 2012 – im Dienstleistungsgewerbe glauben nur 19 Prozent der Firmenchefs, dass das kommende Jahr schlechter wird als dieses – sie sind jedoch mit Euphorie wesentlich verhaltener. Das sei zwar auch der Mentalität der Lausitzer geschuldet, aber durchaus nachvollziehbar, so Hamann.

Auch für den Cottbuser IHK-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Krüger scheint der Stimmungszenit erreicht. Dazu komme die Frage, ob die Region langfristig von der Energiewende in Deutschland profitieren kann und welche Perspektiven der Braunkohle als industriellem Kern der Lausitz geboten werden.