Von Christian Taubert

Eine Weltneuheit steht auf dem Tisch. Ein Kasten aus Metall und Kunststoff. Das neue Produkt ist eher unscheinbar. Praktiker vom KSC Kraftwerksservice Jänschwalde, Projektpartner und BTU-Wissenschaftler haben ein modulares Leichtbau-Gerätecontainer-System, das mindestens 20 Prozent leichter als seine Vorgänger ist und 60 Prozent weniger Material beansprucht, entwickelt.Trotzdem ist jener Gerätecontainer bedeutend haltbarer. Zudem hat seine universelle Einsetz- und Erweiterbarkeit Experten überzeugt. Auf der Inno-Trans Ende vergangenen Jahres, der internationalen Fachmesse für Verkehrstechnik in Berlin, hat das neue Produkt überaus große Resonanz gefunden. „Wir können uns vorstellen, den Gerätecontainer zu produzieren“, erklärt Erik Dietz. Der KSC-Projektleiter und stellvertretende Leiter Schienenfahrzeugbau hat gerade gut 100 Seiten Abschlussbericht des Forschungsvorhabens vorgelegt.

Doch seit Herbst des Vorjahres stockt das Projekt, mit dem KSC – gemeinsam mit innovativen Partnern – dem Strukturwandel trotzen und ein neues Geschäftsfeld aufbauen will. 1,8 Millionen Euro Fördermittel des Bundes sind bis zur Produktreife in das Projekt geflossen. Jetzt aber fehlen Mittel für die Markteinführung des Gerätecontainers. „Diese Kosten übersteigen die Möglichkeiten von Mittelständlern“, sagt Michael Stein, Geschäftsführer der KSC Kraftwerks-Service Cottbus Anlagenbau GmbH. „Und Fördermittel sind an dieser Stelle weder vom Bund noch vom Land vorgesehen.“

Als Michael Stein vor mehr als zwei Jahren in der Panta Rhei-Halle der BTU Cottbus-Senftenberg das Vorhaben seines Unternehmens vorstellte, galt es als Leuchtturm-Projekt. Längst hatten Mittelständler in der Lausitz erkannt, dass sie selbst aktiv werden müssen, um der rückläufigen Auftragslage aus der Kohle etwas entgegenzusetzen. Neue Geschäftsfelder erschließen – das klingt so einfach, ist aber viel schwerer getan. Seinen Umsatz von 30 bis 35 Millionen Euro im Jahr realisiert KSC mit mehr als 200 Mitarbeitern und Standorten in Jänschwalde, Hagenwerder, Lippendorf und Lünen nun mal vornehmlich mit der Kraftwerksinstandsetzung. Und nun präsentierte der Geschäftsführer das Projekt eines auf der Welt einmaligen Modularen Leichtbau-Gerätecontainer-System, das auf dem Papier vielversprechend, weil innovativ und künftig im Unternehmen realisierbar, daherkam.

Ein Containersystem, das alle Busse und Bahnen, auch Straßenbahnen, benötigen. In dem bisher aus Stahl gefertigten Behältnis werden je nach Fahrzeug Batterien, Klimaanlagen, Transformatoren, Bremssteuerungen oder Tanks untergebracht. Da die Container etwa auf dem Dach eines Zuges Steinschläge, Stöße oder Unfälle aushalten müssen, werden sie bisher massiv gefertigt. Was sich ungünstig auf den Schwerpunkt und das Fahrverhalten von Bussen und Bahnen auswirkt. „Standardisierte Gerätecontainer gibt es bisher nicht. Mit einer universellen Lösung auf den Markt zu kommen, war vielversprechend“, erläutertet Erik Dietz, wie es im Forschungskonsortium zu der Idee gekommen ist.

„Dieses Vorhaben können wir nur mit Projektpartnern stemmen“, sagte Michael Stein damals in seinem Vortrag und fügt hinzu, dass er an der BTU Cottbus-Senftenberg offene Türen eingerannt sei. Die Lehrstühle Leichtbau mit strukturierten Werkstoffen sowie Füge- und Schweißtechnik seien sofort mit im Boot gewesen. Beim jüngsten Leichtbau-Workshop sparte Stein dann auch nicht mit Lob: „Es hat sich etwas bewegt an der BTU. Sie nimmt ihre Führungsrolle im Strukturwandel an.“ Wie andere Mittelständler auch war KSC überrascht, dass neben der wissenschaftlichen Kompetenz auch das Know-how bei der Beantragung von Fördermitteln zur Verfügung gestellt wurde. „Damit hatten wir nichts mehr zu tun“, verweist Stein darauf, dass Mittelständler oft vor der Antragsflut zurückschrecken.

Vor allem aber habe die Uni eine weltweit einzigartige Technologie zur Herstellung des Gerätecontainers angewandt. Die vorrangig in der Raumfahrt- und Flugzeugindustrie genutzte Schubfeld-Bauweise wurde ebenso eingesetzt wie neuartige Leichtbaumaterialien und -bauweisen. Dazu zählten Faser-Kunststoffverbunde oder generative Fertigungsverfahren wie das Drucken von hoch belastbaren Bauteilen mit komplizierter Geometrie im 3D-Drucker. Herausgekommen ist jetzt ein modulares Baukasten-System, mit dem der Kunde standardisierte Bausteine individuell zusammensetzen kann. Teure Sonderanfertigungen würden künftig entfallen. Was die Vorteile des neuartigen LGS-Containers betrifft, nennt Michael Stein nur ein Beispiel: Ein 300 Meter langer Zug wäre 15 bis 20 Tonnen leichter.

Wie es mit dem Hightech-Container weitergeht, werden die Projektpartner nach der Diskussion des Abschlussberichtes beraten. „Wünschenswert wäre es, wenn die BTU mit ihrer Kompetenz auch auf dem Gebiet der Markteinführung aktiv werden könnte“, sagt der KSC-Geschäftsführer. Es könne nicht sein, dass die Forschung mit Millionen gefördert und das Produkt für Kleinbetriebe und Mittelständler nicht nutzbar werde. Hintergrund für die versagte Förderung der Markteinführung ist, dass Unternehmen in diesem Bereich EU-weit nicht benachteiligt werden dürfen.

Dagegen wehrt sich der Geschäftsführer der Innovationsregion Lausitz GmbH Hans Rüdiger Lange. Er ist in der Lausitz unterwegs, um mit Unternehmen, die vom Kohleausstieg betroffen sind, neue Geschäftsfelder zu finden und aufzubauen. Für Lange steht fest: „Diese Unternehmen, zu denen KSC zählt, sind nicht in einem Wettbewerb mit anderen in der EU. Sie sind nicht selbst verschuldet in diese Situation gekommen, sondern Leidtragende des politisch verordneten Kohleausstiegs.“ Eine Förderung der Markteinführung neuer Produkte ist für unerlässlich, um neue Geschäftsfelder anzubahnen. „Die viel diskutierte Sonderwirtschaftszone könnte da helfen“, merkt der KSC-Stützpunktleiter Jänschwalde Sven Köhler an.