Die Lausitzer Baubranche hat seit Mitte der 90er-Jahre viele Federn lassen müssen. Die Umsätze in Südbrandenburg gingen stetig zurück, die Zahl der Beschäftigten reduzierte sich um mehr als die Hälfte. Nun droht ein weiterer Rückschlag. In diesem Sommer läuft die im Jahr 1998 ins Leben gerufene Doppelausbildung Maurer mit Fachhochschulreife aus.

Für die Region wäre das ein großer Verlust, sagt der Maurer- und Betonbaumeister Otto Kielmann. Er leitete 17 Jahre lang den HwK-Lehrbauhof in Großräschen (Oberspreewald-Lausitz), wo die überbetriebliche Ausbildung absolviert wird. Der 60-Jährige hatte in seiner aktiven Zeit viele der Lehrlinge unter seinen Fittichen und gilt als Verfechter der dreijährigen Maurer-Fachabitur-Ausbildung. Deren Absolventen hatten im Vergleich zu „normalen“ Maurerlehrlingen meist bessere Leistungen gezeigt. Sie seien die Meister, Bauleiter und Bauingenieure von morgen, so Kielmann. Solche Fachkräfte werden in der Lausitz auch künftig dringend gebraucht, so Kielmann. Er wünscht sich, dass Wege gefunden werden, dem Bildungsgang neues Leben einzuhauchen.

Gravierender Rückgang

Dass das aber nicht leicht wird, weiß Kielmann selbst. Er kann sich noch an Zeiten erinnern, in denen pro Jahr zwischen 250 und 300 Bau-Lehrlinge in Großräschen ausgebildet wurden. Derzeit sind es nur noch 50 bis 70. Parallel dazu hat das Interesse an Bauberufen stark nachgelassen. So fokussieren sich knapp 35 Prozent aller Bewerber auf gerade mal zehn Berufe, wie der Ausbildungsbericht der Arbeitsagentur Cottbus aus dem vergangenen Jahr belegt. Die Jobs in der Baubranche zählen demnach unter den Jugendlichen nicht zu den attraktiven Arbeitsplätzen.

„Wir finden kaum noch Bewerber, die diese Richtung einschlagen wollten“, sagt Martina Schaar, Gruppenleiterin Berufsausbildung bei der Handwerkskammer (HwK) Cottbus. „Und diejenigen, die Interesse zeigen, erfüllen mitunter die Anforderungen nicht.“ Seit zwei Jahren sind keine Lehrverträge mehr für diesen Bildungsgang abgeschlossen worden. Die HwK-Berater seien zwar dabei, weitere Bewerber und Betriebe zu akquirieren, so Martina Schaar. Doch zum jetzigen Zeitpunkt sehe es danach aus, dass das im Land Brandenburg bislang einzigartige Modell im Sommer endet.

In der Tat sei es sehr viel schwieriger geworden, geeigneten Nachwuchs zu finden, sagt Torsten Meinel, geschäftsführender Gesellschafter der Terpe Bau GmbH in Spremberg (Spree-Neiße). Um die wenigen guten Bewerber werde hart gerungen. Man brauche letztlich schon auch ein glückliches Händchen, um den Richtigen zu finden.

Viel Herzblut

Mindestens 16 müssten es sein, damit eine neue Klasse Maurer mit Fachhochschulreife aufgemacht werden kann. „Mit Sondergenehmigung könnten eventuell auch 13, 14 reichen“, sagt Michael Seifert, Leiter des Oberstufenzentrums I in Cottbus. Er bedauert es sehr, dass das Modell mit Vorzeigecharakter ausläuft, zumal die Lehrer viel Herzblut in die theoretische Ausbildung gesteckt hätten. Ganz aufgeben will er das Projekt aber noch nicht. Vielleicht gebe es ja doch eine Möglichkeit, den doppelten Bildungsgang irgendwie zu retten.