Aus Sicht der Bundesagentur für Arbeit ist ein weiterer Abbau der Arbeitslosigkeit in nächster Zeit unwahrscheinlich. "Für Horrorszenarien gibt es aber keine Gründe", betont der Cottbuser Agenturchef Heinz-Wilhelm Müller.

Knapp 39 500 Menschen in Südbrandenburg waren in diesem Monat bei der Arbeitsagentur Cottbus arbeitslos gemeldet. Nach Angaben der Behörde ist mit 13,9 Prozent die niedrigste November-Quote seit 13 Jahren erreicht worden. In Ostsachsen waren etwa 38 800 Menschen (13,1 Prozent) arbeitslos registriert.

Nachdem die Zahlen dank guter Konjunktur über Monate sanken, rechnen Experten nun damit, dass der Abschwung der Wirtschaft bald den Arbeitsmarkt erfasst. "Im nächsten Jahr erwarte ich erste Anzeichen der rückläufigen konjunkturellen Entwicklung auch am Arbeitsmarkt", erklärte Dr. Günter Irmscher, Chef der Arbeitsagentur Bautzen. "Die positive Entwicklung der vergangenen Monate, in denen wir einen permanenten Abbau der Arbeitslosigkeit hatten, wird so nicht weitergehen", ist Heinz-Wilhelm Müller sicher. Allerdings geht er davon aus, dass die Zahl der Arbeitslosen nicht wieder auf ein so hohes Niveau wie in den vergangenen Jahren klettert.

Nach Einschätzung der Bundesagentur für Arbeit deuten einige Frühindikatoren auf eine Eintrübung der Lage auf dem Arbeitsmarkt hin. Der bundesweite Trend spiegelt sich nach Einschätzung der Cottbuser Agentur auch in der Lausitz wider. "Es kündigt sich an, dass der Arbeitsmarkt nicht mehr so aufnahmefähig bleibt wie während der vergangenen zwei bis zweieinhalb Jahre", so Müller.

Im November wurden der Cottbuser Agentur 645 Stellen auf dem ersten Arbeitsmarkt gemeldet, im Oktober waren es noch 762. In Ostsachsen sieht es aktuell anders aus: Dort wurden der Agentur in diesem Monat 745 ungeförderte Stellen gemeldet, 40 mehr als im Vormonat. Nach Einschätzung der Bundesagentur befindet sich die Nachfrage nach Arbeitskräften bundesweit noch immer auf hohem Niveau, allerdings sei eine Eintrübung erkennbar.

Zudem gibt es auch im Süden Brandenburgs deutlich mehr Anträge auf Kurzarbeitergeld. Die Bundesagentur erwartet bundesweit einen überdurchschnittlich starken Anstieg der Kurzarbeit in den Wintermonaten.

Außerdem drohen Entlassungen: Müller zufolge gibt es in Südbrandenburg derzeit "mehrere Hände voll" Unternehmen verschiedener Branchen, die Insolvenz angezeigt haben. Insgesamt sei die Lage aber noch nicht schwierig – auch wenn die Insolvenz für jeden einzelnen Betrieb und seine Beschäftigten dramatisch sei.