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| 19:09 Uhr

Arbeitslosigkeit
Der Arbeitsmarkt blüht

In immer mehr Branchen auch in der Lausitz werden Mitarbeiter gesucht. 
Foto: dpa
In immer mehr Branchen auch in der Lausitz werden Mitarbeiter gesucht. Foto: dpa FOTO: Arno Burgi / dpa
Cottbus. Noch nie war die Arbeitsmarktlage in der Lausitz so hervorragend. Mit 6,7 Prozent ist die Arbeitslosenquote die niedrigste seit 26 Jahren. Von Stephan Meyer

  Die Agentur für Arbeit Cottbus bescheinigt der Lausitz einen belebten Arbeitsmarkt. Mit 6,7 Prozent wurde die niedrigste Arbeitslosenquote für den Monat Oktober seit 1991 erreicht.

„Wir nähern uns langsam dem Brandenburgischen Durchschnitt an“, beurteilt Marion Richter, operative Geschäftsführerin der Cottbuser Arbeitsagentur, die positive Entwicklung. Die Arbeitslosenquote für ganz Brandenburg ist 0,3 Prozentpunkte niedriger als die des Agenturbezirks Cottbus.

Innerhalb des Bezirks ist die Entwicklung im Landkreis Dahme-Spreewald besonders gut. Hier liegt die Quote sogar nur bei 4,5 Prozent. „Das ist wirklich besonders niedrig“, sagt Richter.

Sorgenkinder sind hingegen nach wie vor Guben und Forst. Auch Finsterwalde hat weiterhin große Probleme mit Arbeitslosigkeit, doch dort sei die Entwicklung besser, weiß Richter. „Hier könnte die Situation in den nächsten Jahren besser ausfallen“, schätzt sie die Lage ein.

Einfluss auf die Zahlen der Cottbuser Arbeitsagentur hatte auch der Zuwachs an geflüchteten Personen. Weil in Cottbus mehr geflüchtete Menschen als in den Landkreisen leben, fallen die Veränderungen, im Vergleich zum Vorjahresmonat, niedriger aus. In Cottbus gibt es 2,5 Prozent weniger Arbeitslose als im September. In Elbe-Elster hingegen beträgt der Rückgang stolze 20,7 Prozentpunkte.

Gleiches gilt für die Anzahl erwerbsfähiger Leistungsberechtigter. Nehmen die Leistungsbezieher in den Landkreisen im Vergleich zum Vorjahr ab, gibt es in Cottbus einen Zuwachs von 2,6 Prozent.

In Ostsachsen sind die Arbeitslosenzahlen ebenfalls auf einem historischen Tief. Klaus-Peter Hansen, Chef der sächsischen Bundesagentur für Arbeit, führt das auf eine stabile Konjunktur und eine damit einhergehende hohe Einstellungsbereitschaft der Unternehmen zurück.

Freie Arbeitsstellen meldeten zahlreiche Unternehmen im gesamten Cottbuser Agenturbezirk. Insgesamt gab es mit 1393 Stellen ein Plus von 14,3 Prozent. Diese hohe Nachfrage ist Marion Richter zufolge nicht einfach zu decken. Angebot und Nachfrage würden nicht immer zusammenpassen. Dennoch gäbe es in Südbrandenburg eine breite Palette an Möglichkeiten, eine Arbeit aufzunehmen, sagt Richter. In der Liste der zehn am häufigsten gemeldeten Arbeitsstellen finden sich unter anderem die Bereiche Dialogmarketing, Gastronomieservice, Berufskraftfahrt und Altenpflege.

Ebenfalls gut schneidet der Agenturbezirk Cottbus bei der Jugendarbeitslosigkeit ab. Marion Richter: „Mit 4,8 Prozent wurde der Bundesdurchschnitt erreicht, und darauf sind wir sehr stolz.“

Beim Ausbildungsmarkt klafft jedoch eine Lücke. Erstmals gibt es mehr gemeldete betriebliche Ausbildungsstellen als Bewerber. Die Ausbildungschancen seien so gut wie nie, dennoch ergreife nicht jeder die Gelegenheit, und Ausbildungsbetriebe finden keinen passenden Lehrling. „Viele Arbeitgeber haben deshalb ihre Ausbildungsplätze für dieses Jahr storniert“, informiert Richter.

Martina Schaar, Teamleiterin Ausbildung Handwerkskammer (HWK) Cottbus, kann wiederum eine positive Bilanz ziehen. Für das aktuelle Ausbildungsjahr wurden 716 Ausbildungsverträge abgeschlossen, 35 mehr als 2016. „Das ist ein super Ergebnis, mit dem wir aufwarten können“, so Schaar.

Darüber hinaus gibt es bei den Betrieben eine hohe Bereitschaft, zur Fachkräftesicherung beizutragen. 93 Betriebe bilden im Kammerbezirk zum ersten Mal aus. Mit 25 erstausbildenden Betrieben zeigt der Landkreis Dahme-Spreewald auch hier ein besonders hohes Engagement. Die HWK ist außerdem sehr stolz, mitteilen zu können, dass sich 22 Betriebe bereit erklärt haben, Flüchtlinge auszubilden. Auch wenn junge Menschen wieder Lust auf Handwerksberufe haben, sind nach wie vor 216 Lehrstellen unbesetzt.

Die Betriebe in Industrie, Handel und der Dienstleistungsbranche blicken auf ein schwieriges Ausbildungsjahr zurück, berichtet Anke Schuldt, Leiterin des Bereichs Ausbildung der IHK Cottbus. Die Zahl der neuen betrieblichen Ausbildungsverträge ist gegenüber 2016 um acht Prozent zurückgegangen.

Einerseits liegt es daran, dass nicht alle Betriebe jedes Jahr ausbilden, anderseits ist die Entwicklung dem anhaltenden Trend zum Studium geschuldet. Das berufliche Ausbildungssystem habe, laut Schuldt, ein Imageproblem. „Da müssen wir mehr Kraft reinstecken, um den Jugendlichen zu zeigen, eine Ausbildung kann der Start in einen ebenbürtigen Karriereweg sein.“ Mit Aufklärungsarbeit in den Schulen will man diesem Trend nun entgegenwirken.