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| 22:26 Uhr

Nach Studie
Noch immer kein Plan für die Lausitz

Thomas Haß, seit 1988 Leitstandfahrer im Kraftwerk Jänschwalde. Wie viele Kollegen ist er dabei, als der erste Kraftwerksblock in der Lausitz vom Netz in die Sicherheitsreserve abgefahren wurde. Die Kraftwerker-Shirts mit der Aufschrift „Ich bin/war ein Arbeitsplatz - und ein Beitragszahler im Verein“ haben die Auszubildenden der Lausitz Braunkohle Kraftwerke Aktiengesellschaft (Leag) am Donnerstag auch den Landtagsabgeordneten des Ausschusses für Wirtschaft und Energie des Landes Brandenburg präsentiert.
Thomas Haß, seit 1988 Leitstandfahrer im Kraftwerk Jänschwalde. Wie viele Kollegen ist er dabei, als der erste Kraftwerksblock in der Lausitz vom Netz in die Sicherheitsreserve abgefahren wurde. Die Kraftwerker-Shirts mit der Aufschrift „Ich bin/war ein Arbeitsplatz - und ein Beitragszahler im Verein“ haben die Auszubildenden der Lausitz Braunkohle Kraftwerke Aktiengesellschaft (Leag) am Donnerstag auch den Landtagsabgeordneten des Ausschusses für Wirtschaft und Energie des Landes Brandenburg präsentiert. FOTO: Frank Hammerschmidt
Cottbus/Jänschwalde. Der Ausstieg aus der Braunkohleverstromung für den Klimaschutz trifft die Lausitz härter als jedes der anderen drei deutschen Reviere. Das bestätigen Gutachter des RWI Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung. Experten empfehlen der Region für den Zukunftsplan einen Strukturfonds nach dem Vorbild des Hauptstadtumzuges. Von Kathleen Weser

Vom Abbau und Verstromen der Lausitzer Kohle sind mehr als drei Prozent aller Beschäftigten der Region abhängig. Auch das langsame Wirtschaftswachstum ist hauptsächlich den „qualitativ überwiegend sehr hochwertigen Beschäftigungsverhältnissen“ geschuldet. Der Abbau von Arbeitsplätzen im Tagebau und im Kraftwerk Jänschwalde, in dem jetzt der erste von zwei Blöcken vom Netz in die Sicherheitsreserve genommen wurde, ist noch immer alternativlos. Der Zukunftsplan steht aus, der Unmut wächst.

Experten der Berliner Denkfabrik Agora, die nach mehrheitsfähigen Kompromissen beim Umbau des Stromsektors in der eingeleiteten Energiewende suchen, haben Ideen für die Lausitz. Dr. Patrick Graichen behauptet, ein „großer Sprung nach vorn“ sei möglich. Der Kohleausstieg sei im Revier zwar etwa um sieben Jahre vorgezogen worden, „er passiert aber sowieso“. Mit einem Strukturwandelfonds nach dem Vorbild des Bonn-Berlin-Gesetzes, mit dem der Hauptstadtumzug organisiert und finanziell untersetzt worden ist, sei die Lausitz zukunftsfähig aufzustellen. Der Vorteil der Hauptstadtnähe müsse mit einer Bahnanbindung im Halbstundentakt ausgespielt werden. Forschungsinstitute, die Technologien zur Reduzierung des Kohlendioxd-Ausstoßes von Chemie- und Stahlindustrieanlagen entwickelten, gehörten in die Lausitz.