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| 08:44 Uhr

Lauchhammeraner machen Tagebau-Riesen wieder flott

Die Langzeit-Aufzeichnungen der MAN Takraf Fördertechnik GmbH Lauchhammer (Oberspreewald Lausitz) belegen: Die Schwermaschinenbauer aus der Lausitz liefern in diesem Monat das 1000. Schaufelrad aus. In einen Tagebau im Kosovo. Von Kathleen Weser

Der hohe Bedarf, alte Tagebautechnik zu modernisieren und an die neuen, oft schwierigeren Bedingungen anzupassen, wurde Mitte der 90er-Jahre in Lauchhammer erkannt. Takraf hat gehandelt und eine Service-Strategie mit vielen Innovationen, beispielsweise neuen Schaufelradgetrieben, erarbeitet. "Die Revitalisierung und Modernisierung der vorhandenen Baggertechnik hat sich zu einem bedeutenden Geschäftsfeld entwickelt", bestätigt Gerhard Nies mit sichtlichem Stolz. Nicht zuletzt ist die akribisch genau geführte Maschinen-Statistik dafür maßgeblich. "Wir wissen vom ersten bis zum 555. Schaufelradbagger, wohin er gegangen ist, was er geleistet hat, wann Maschinen verkauft oder ausgesondert wurden und wo sie heute arbeiten", erklärt der Takraf-Chef. Entsprechend offensiv treten die Vertriebs-Experten in deutschen Landen und vor allem auch in Mittelosteuropa an die Kunden heran, um maßgeschneiderte Modernisierungslösungen anzubieten. Und das mit einem Erfolg, mit dem Konkurrenten nicht mithalten. 25 Schaufelradbagger sind so schon für bis zu zwei weitere Jahrzehnte flott gemacht worden. Mechanisch und elektrisch. Verlängerte Lebensdauer Die neuen Kernkomponenten, wie Getriebe, die Hub-, Fahr-, Dreh- und Schmierwerke der Geräte, werden im Werk Lauchhammer geplant und gefertigt. Für die Montagearbeiten werden Firmen im jeweiligen Land gebunden. "Wir haben eine theoretische Lebensdauer für unsere Großgeräte von 25 Jahren zu garantieren", erläutert Nies. "Bei guter Pflege und vorausschauender Instandhaltung können sie nach unseren Erfahrungen aber gut 50 Jahre laufen." Gute Schule für Jung-Ingenieure Für die Ingenieure des Unternehmens sei das „ein äußerst interessantes Feld“. Neben der Verlängerung der Lebensdauer müssen die Großgeräte auch meist auf veränderte geologische Bedingungen angepasst werden. "Die Rohstoffe liegen tiefer als früher. Sie müssen mehr aus verworfenen Erdschichten geborgen werden, die teilweise von sehr harten Schichten überdeckt sind", beschreibt der Takraf-Geschäftsführer. "Eine gute Schule auch für unsere Jung-Ingenieure, die Probleme der Praxis kennen zu lernen", nennt er einen weiteren Wert. Denn für Nies ist es besonders wichtig, zu organisieren, dass die älteren Fachkräfte ihr Wissen an den Nachwuchs weitergeben. Oft werden im Bagger-Geschäft auch Ingenieure zu Rate gezogen, die längst ihren verdienten Ruhestand genießen. "Für diese Bereitschaft zu helfen, sind wir sehr dankbar. Und die Verbundenheit der ehemaligen Mitarbeiter zum Unternehmen freut uns", betont Nies. Zwischen sechs und zwölf Monate nimmt eine Schaufelradbagger-Generalüberholung in Anspruch. "Und selbstverständlich müssen wir auch den Nachweis erbringen, dass er dann besser ist als jemals zuvor", erklärt der Takraf-Chef. Für den Jubiläums-SRs 1300 im Kosovo garantieren die Maschinenbauer aus Lauchhammer das ebenso wie für den Schaufelradbagger 2000, der nächstes Jahr im Mitteldeutschen Tagebau Schwerzau wieder in Betrieb gehen soll. Dieses Gerät ist übrigens ein Rückkehrer aus Tschechien. Um 1925 haben die Lauchhammerwerker den ersten Tagebauriesen für eine Grube in Südwestafrika gebaut. "Einen Durchmesser von drei bis fünf Metern hatten die Schaufelräder damals", erklärt Takraf-Geschäftsführer Gerhard Nies. "Und eine Förderleistung von 300 bis 400 Kubikmeter pro Stunde." Heute läuft unter einer Größe von acht bis 20 Metern und einem stündlichen Arbeitspensum von 6000 bis 14 000 Kubikmetern Erde oder Rohstoff nichts mehr. Die meisten Bagger, die Lauchhammeraner nach dem Zweiten Weltkrieg vor allem als Rückgrat der Braunkohlegewinnung für die Energieversorgung im Osten entwickelt und gebaut haben, sind noch in Betrieb. Zahlen & Fakten Steigender Umsatz MAN Takraf beschäftigt seit Jahren knapp 400 Mitarbeiter, darunter knapp 300 in Lauchhammer. Der Umsatz ist kontinuierlich auf zuletzt rund 85 Millionen Euro gestiegen. Über 90 Prozent des Geschäftes wickelt das Unternehmen mit dem Ausland ab. Die Schaufelradtechnik wurde um 1920 in der Maschinenbauanstalt Humboldt Köln entwickelt. Mitte der 20er-Jahre erwarb die Allgemeine Transport-Anlagen-Gesellschaft mbH Maschinenfabrik in Leipzig (ATG) alle Rechte und wurde damit zum Alleinentwickler und -hersteller von Schaufelradbaggern in Deutschland. Durch Verschmelzung des Unternehmens mit der Lauchhammer AG zur Mitteldeutsche Stahlwerke Aktiengesellschaft Riesa wurde die gesamte Technologie in der Lausitz konzentriert.