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| 01:25 Uhr

Lauchhammer mischt in der ersten Liga mit

Die Bohrungen an der Antriebswelle eines Schaufelrades prüft Helmut Kühne. Takraf hat die Krise für die Entwicklung neuer Tagebauprodukte genutzt. Foto: Steffen Rasche
Die Bohrungen an der Antriebswelle eines Schaufelrades prüft Helmut Kühne. Takraf hat die Krise für die Entwicklung neuer Tagebauprodukte genutzt. Foto: Steffen Rasche FOTO: Steffen Rasche
Lauchhammer. Das Unternehmen Tenova Takraf mit den deutschen Standorten Leipzig und Lauchhammer (Oberspreewald-Lausitz) hat die Wirtschaftskrise nach eigenen Angaben nicht über sich ergehen lassen. Die Zeit wurde für Innovationen genutzt. Der namhafte Hersteller von Tagebauanlagen, Lagerplatzsystemen und Hafenanlagen überraschte die Fachwelt mit Neuentwicklungen. Von Manfred Feller

“Wir haben im Entwicklungsbereich, also im Engineering, vollkommen neue Systeme für Hartgesteinstagebaue entwickelt„, sagt Gerhard Nies, Mitglied der Geschäftsleitung. Der internationale Wettbewerb sei in diesem Segment knallhart. “Es bleibt nur der am Markt bestehen, der den Kunden intelligente Lösungen anbietet und ihnen zusätzlich Kosten spart.„ Genau das haben die Takraf-Ingenieure mit einer Brecheranlage und einer neuen Generation von Tagebaufräsen, sogenannten Surface-Minern, erreicht.

Prototyp in Australien Der Prototyp der erstmals vollmobilen Brecheranlage für bis zu 10 000 Tonnen Hartgestein in der Stunde arbeitet inzwischen in einem Kohletagebau im Osten Australiens. Fahrbare Brecher-Transportbrücken-Systeme gehen mit einem großen Einsparpotenzial für den Betreiber einher, erläutert Gerhard Nies. Bislang wird das gesprengte Material von bis zu zwei Mal zwei Metern Größe aufgenommen und mit 400-Tonnen-Kippern durch den ganzen Tagebau zum Brecher transportiert und erst ab dort über Bänder weitertransportiert. Das Gerät aus Lauchhammer zerkleinert direkt am Löffelbagger Erz oder harten Abraum. Das Bergbauunternehmen spart Zeit und Kosten.

Auch von den innovativen Surface-Minern würden die Kunden profitieren. Das sehr harte Gestein muss nicht mehr gesprengt werden, sondern wird mit einer Leistung von 300 bis 500 Kubikmetern in der Stunde in Schichten abgefräst. “Dadurch sind keine Brecheranlagen notwendig. Weil nicht gesprengt wird, werden Lärm und Staubemissionen reduziert und Umweltbelastungen minimiert„, nennt Gerhard Nies zwei Vorteile. Die selbstfahrenden 120-Tonnen-Maschinen arbeiten nach dem wartungsfreundlicheren Mähdrescherprinzip mit einer Fräsfrontwalze und werden von nur einer Person bedient. Die ersten beiden Maschinen arbeiten bereits in einer Eisenerzmine in Westaustralien. Mögliche Einsatzorte sind in der Zukunft auch Phosphorit-, Bauxit-, Kalkstein- und Steinkohletagebaue. Bei der internationalen Messe Bauma 2010 in München, der größten derartigen Leistungsschau weltweit, hatte Takraf den direkten Vergleich mit anderen führenden Bergbauausrüstern. “Dadurch wissen wir: Takraf mischt in der ersten Liga mit„, zeigt sich Nies zufrieden.

Das Unternehmen ist weiterhin auf allen Kontinenten tätig. Für einen mazedonischen Braunkohletagebau wurde ein Großkompaktbagger-Absetzersystem geliefert. In Serbien läuft die Inbetriebnahme von Abraumbandanlagen und Absetzern für einen Tagebau. Die Endmontage von zwei Kompaktbaggern wird derzeit in Kasachstan abgewickelt. In einem Steinkohletagebau im Kosovo werden derzeit Schaufelradbagger modernisiert. In der Nähe von St. Petersburg sowie vor der Insel Sachalin entstehen jeweils ein Kohlelagerplatz mit einer Umschlagskapazität von zwölf Millionen Tonnen im Jahr.

Auftragslage stabilisiert Nach der Wirtschaftskrise an habe sich die Auftragslage jetzt wieder etwas stabilisiert, sagt Nies. Probleme bereite weiterhin die Finanzierung größerer Projekte. Im Geschäftsjahr 2008/09 betrug der Umsatz 211 Millionen Euro. Im Geschäftsjahr 2009/10 liegt der geplante Auftragseingang bei 165 Millionen Euro und der geplante Umsatz bei 180 Millionen Euro. Tenova Takraf hatte im Dezember Kurzarbeit anmelden müssen, rechnet aber damit, dass im Sommer alle Beschäftigten wieder an ihrem Platz sind.Zum Thema:Der Takraf-Sitz in Deutschland befindet sich in Leipzig. Dort und im Unternehmensteil Lauchhammer sind derzeit ungefähr 480 Mitarbeiter beschäftigt. Die italienische Tenova-Gruppe hatte Takraf vor drei Jahren übernommen. Bis 2006 gehörten die Standorte Leipzig und Lauchhammer zum MAN-Konzern.

Tenova Takraf hat auch einen Standort im italienischen Genua. Dort wird unter anderem schwere Hafentechnik entwickelt. Zur Tenova Takraf gehören Tochtergesellschaften auf allen Kontinenten mit insgesamt 700 Beschäftigten.