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Landwirte testen den Sommerhaferanbau

Haferanbau in der Lausitz ist aufgrund der Böden und der häufig trockenen Frühsommer für die Bauern ein schwieriges Geschäft.
Haferanbau in der Lausitz ist aufgrund der Böden und der häufig trockenen Frühsommer für die Bauern ein schwieriges Geschäft. FOTO: dpa
Forst/Vetschau. Lausitzer Bauern bringen Sorte "Ivory" in der Neißeaue aus. Mühlen in Vetschau und Burg setzen auf regionale Zulieferer. Beate Möschl

Zwei regionale Erzeuger haben angebissen. Die Bauern AG Neißetal und die Agrargenossenschaft Forst bauen erstmals im Spree-Neiße-Kreis die Hafersorte "Ivory" an. Damit reagieren sie auf Anfragen des Familienunternehmens Gebrüder Kümmel mit seiner Schälmühle in Vetschau (Oberspreewald-Lausitz) und der Getreidemühle in Burg (Spree-Neiße).

"Unser Ziel ist grundsätzlich, mehr Hafer zu verarbeiten. Hafer ist unser Hauptprodukt", sagt Uwe Kümmel. Er ist der für die Produktion verantwortliche Geschäftsführer im Familienbetrieb und der der Spreewaldmühle Kümmel in Burg. Immer wieder sprechen die Brüder Uwe und Frank Kümmel Landwirte der Region an, um regionale Produzenten als Lieferanten zu gewinnen. "Wir versuchen nicht nur Hafer, sondern auch andere Sorten wie Buchweizen und schälfähige Gerste standortnah zu bekommen", ergänzt Uwe Kümmel, weil kurze Wege wirtschaftlicher und umweltfreundlicher sind. Landwirte für den verstärkten Anbau von hochwertigen Hafersorten "vor der Haustür" zu gewinnen, sei schwer. Das hängt mit den Bodenqualitäten und den hierzulande oft trockenen Frühsommern zusammen, fügt er an. "Besser geht es auf relativ grundwassernahen Standorten wie der Neißeaue", so Uwe Kümmel. Klassische Haferanbaugebiete in den neuen Ländern seien der Norden, das Erzgebirge und das Zittauer Gebirge.

Die Bauern AG Neißetal und die Agrargenossenschaft Forst haben sich dennoch zum Anbau entschlossen. "Wir sind mit dem Familienbetrieb Kümmel schon durch unseren Johannisroggen, der in der Spreewaldmühle Burg schonend gemahlen wird, eng in Kontakt und sind immer offen für Neues", nennt Bernd Starick, zweiter Vorstand der Bauern AG Neißetal einen Beweggrund. 2016 habe der Betrieb erstmals den Anbau von Sommerhafer für die Schälmühle getestet, "mit recht gutem Ergebnis", wie Starick sagt. In diesem Frühjahr haben sie die Sorte "Ivory" gedrillt.

"Ivory ist ein Weißhafer, großkörnig und gut geeignet für die Lebensmittelindustrie. Wir machen gern Haferflocken daraus, die sind schön hell, das sieht appetitlich aus", erläutert Uwe Kümmel.

Auch die Agrargenossenschaft Forst hat diese Sommerhafersorte bereits in den Boden gebracht für Futterzwecke und für die Schälmühle in Vetschau. Probeweise, wie Dieter Seidel, stellvertretender Vorsitzender und Leiter Pflanzenproduktion der Agrargenossenschaft Forst, sagt. "Man muss immer nach Möglichkeiten suchen, Nischen zu besetzen und durch eine breite Mischung Risiken zu minimieren und etwas zu verdienen", fügt er hinzu. Die Agrargenossenschaft Forst bewirtschaftet circa 1900 Hektar Fläche, etwa die Hälfte dient dem Anbau von Futterpflanzen für die eigene Rinder- und Milchkuhhaltung. Die andere Hälfte wird mit Getreide und Hackfrüchten zur Vermarktung (Marktfrüchte) bestellt.