Braumeister Matthias Grall nimmt einen kräftigen Schluck aus seinem Gourmetglas. Sein Gesicht verrät, dass er von seiner neusten Kreation vollends überzeugt ist. Nebenbei weist er auf die Bernstein-Farbe des Starkbieres und auf die feine Gewürznote hin. Für dieses Jahr hat sich der Braumeister etwas ganz Besonderes einfallen lassen: Griechische Ouzo-Kräuter wie Fenchel, Anis und Muskatnuss treffen auf puren Biergenuss. "Bis Weihnachten ist diese Edition bestimmt wieder ausverkauft", vermutet Geschäftsführerin Katrin Bartsch.

Jedes Jahr wird von diesen speziellen Serien nur ein einziger Sud in Deutschlands größter und östlichster Brau-Manufaktur gebraut. Daraus entstehen etwa 15 000 Flaschen, die ausschließlich von Hand abgefüllt, etikettiert und verpackt werden. Die Idee für dieses Starkbier wurde zu später Stunde in einem griechischen Restaurant in Görlitz geboren. In seinen eigenen vier Wänden hat der Braumeister diese Sorte schließlich an der selbst gefertigten Brauanlage komponiert. Es ist bereits das dritte Gourmet-Bier der besonderen Editionen. "Nur Masse funktioniert eben nicht mehr", erklärt Katrin Bartsch.

Mit etwa zwölf Produkten ist die Brau-Manufaktur am Markt. "In diesem Jahr ist zusätzlich noch ein alkoholfreies Weizen hinzugekommen", erklärt die Landskron-Chefin weiter. Der Schwerpunkt im Vertrieb liege vor allem auf der Lausitz. Dennoch müsse sich die Görlitzer Brauerei allein wegen des Schrumpfungsprozesses in der Region stückweise weiter hinausbewegen. In China, Breslau und Oppeln habe man bereits einen hervorragenden Vertriebspartner gefunden. Deshalb sehe die Geschäftsführerin vor allem dort Wachstumspotenziale. Polen sei in der langen Geschichte von Landskron schon einmal eines der größten Absatzgebiete gewesen. "Der Export in Polen wächst im Moment sehr erfreulich", resümiert Bartsch und ergänzt: "Nach und nach soll Schlesien zum Einzugsgebiet gehören." Für 2015 bewege das Haus derzeit noch ein großes Fragezeichen, wie die Chefin sagt. Mehr will sie noch nicht verraten. "Wenn es durch die Prüfungen durchgeht, wird es etwas Großes werden."

Zum Thema:
Die Landskron Brau-Manufaktur ist im Sommer neben weiteren 15 Brauereien mit dem Bundesehrenpreis vom Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz ausgezeichnet worden. Dies ist die höchste Auszeichnung, die deutsche Brauereien erreichen können. Seit 2006 ist die Görlitzer Brau-Manufaktur eine private Brauerei im Stiftungseigentum. Das Unternehmen erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von rund zwölf Millionen Euro und beschäftigt mehr als 80 Mitarbeiter. Mit der Übernahme der Hauptgeschäftsführung hob Katrin Bartsch vor etwa fünf Jahren die touristischen Angebote in der Manufaktur aus den Kinderschuhen. Sie schwört auf den Dreiklang aus Brauen, Tourismus und Kultur. Allein in diesem Jahr konnten in der Kulturbrauerei rund 60 000 und bei Führungen knapp 20 000 Gäste am Neiße-Ufer begrüßt werden. Die Brauerei gehört außerdem neben 50 weiteren Einrichtungen in Sachsen zur "Route der sächsischen Industriekultur". Damit soll die touristische und kulturelle Attraktivität noch einmal deutlich gesteigert werden.