Es läuft wie am Schnürchen: 150 Lastwagen fahren am Tag prall gefüllt mit Holz auf ein Firmengelände in Baruth (Teltow-Fläming). Am Ende des Produktionsprozesses steht ein riesiges Hochregallager. Etwa 50 bis 60 Millionen Quadratmeter Laminat kommen im Jahr aus dem Brandenburger Werk der Classen-Gruppe. Laminat besteht aus mehreren Schichten. Für das individuelle Aussehen sorgt ein Dekorpapier. Parkett dagegen hat eine 2,5 bis 6 Millimeter dicke Holzauflage, die entsprechend ihrer Stärke mehrfach abgeschliffen werden kann.

Im Vorjahr wurden weltweit nach Angaben des Verbandes der Europäischen Laminatfußbodenhersteller mehr als 480 Millionen Quadratmeter produziert; auf deutsche Firmen entfiel knapp die Hälfte. Die Classen-Gruppe mit Sitz in Kaisersesch (Rheinland-Pfalz) liefert nach eigenen Angaben bis zu acht Prozent der Weltproduktion.

In Baruth steht nach Firmenangaben das modernste Laminatboden-Werk der Welt. „Wir haben einen integrierten Produktionsstandort“, sagt Hans-Jürgen Hannig, Geschäftsführender Gesellschafter. Seine Familie hält 80 Prozent der Holding. Lediglich die Dekorpapiere werden nicht selbst hergestellt. Das Unternehmen zähle zu den fünf größten Herstellern der Welt.

Seit dem Jahr 2008 werden im Gewerbegebiet an der A13 zwischen Berlin und Cottbus auch die Trägerplatten gefertigt. Hannig sieht das als Wettbewerbsvorteil, um unabhängig von Lieferanten zu sein.

In den Jahren 2006 und 2007 wurden insgesamt rund 180 Millionen Euro investiert – etwa 50 Prozent des damaligen Umsatzes.

Die stark verdichteten Holzfasern werden mit Leim versetzt und unter großem Druck und bei hohen Temperaturen gepresst – ein energetisch anspruchsvoller Prozess. Mittlerweile versorgt sich das Werk fast zu 100 Prozent selbst mit thermischer Energie.

600 verschiedene Dekore von den traditionellen Favoriten Buche, Eiche, Ahorn und Kiefer bis zu Industriedesign, das an benutzte Böden in alten Fabrikhallen erinnert, sind im Angebot. 2000 Artikel – unter eigenem Namen oder als Handelsmarke – werden hergestellt. Theoretisch ist alles möglich, selbst ein privates Foto kann als Motiv dienen.

Dekorpapiere geben dem Laminat Struktur und Aussehen. Ein spezielles Overlay versiegelt das Ganze. Als Untergrund dient ein Gegenzug aus speziellem Papier. Varianten mit Trittschalldämmung gehören zum Standard. Speziell gefräste Nuten ermöglichen eine leimfreie Verbindung der Paneele.

Im Jahr 2012 will das Unternehmen laut Hannig die wöchentliche Produktion von derzeit einer Million Quadratmetern auf 1,4 Millionen Quadratmeter erhöhen. Etwa vier bis fünf Millionen Euro werden in die dann siebente Anlage investiert. Die Zahl der derzeit etwa 450 Mitarbeiter erhöht sich um rund zehn Prozent. Gleichzeitig wird die gesamte Produktion auf das neue LLT- (Liquid Laminate Technology-) Verfahren umgestellt, eine Entwicklung des Unternehmens, die die Fußbodenoberfläche wesentlich verbessert.

Löhne und Gehälter haben nicht den größten Anteil an den Kosten der Herstellung, sagt Firmenchef Hannig. Eine Verlagerung der Produktion nach Osteuropa aus Kostengründen komme für ihn daher nicht infrage. Zum einen sei in Baruth viel investiert worden, zum anderen entwickle die Belegschaft fortlaufend neue Verfahren und Produkte.

Der 71-Jährige hat selbst Aufstieg und Siegeszug des Laminats erlebt. Aus seinem Unternehmen stammt das System der leimfreien Click-Verlegung durch Herabschwenken der Paneele, das Heimwerkern das Leben erleichtert. Ein hörbares Klicken signalisiert: die Dielen sind verbunden.

Für die Sprecherin des Verbandes, Karin Dullweber, werden im kommenden Jahr neben dem „Alleskönner“ Eiche die Steindekore beliebter. Der Vielfalt der Dekore seien kaum Grenzen gesetzt: gefärbt, gebleicht, geätzt, geölt, gewachst. Die Formate reichten von der Landhausdiele bis zur besonders schmalen oder langen Diele.

Noch ist Deutschland der größte Markt für Laminat (83 Millionen Quadratmeter); auf dem zweiten Platz folgt die Türkei, dann kommen Frankreich und Großbritannien. Der Zukunftsmarkt ist Osteuropa: In Polen, Russland, Rumänien und Bulgarien gibt es großen Nachholbedarf.