Von Michael Gabel

Vor allem nachts sind sie unterwegs: laut ratternde Güterzüge mit bis zu 35 Waggons. Zum heutigen „Tag gegen Lärm“ hat die Bahn Tests mit neuartigen Lärmschutzwänden angekündigt, die den Güterverkehr leiser machen sollen.

Antworten auf die wichtigsten Fragen:

Die Bahn hat vor, hohe Lärmschutzwände durch niedrigere zu ersetzen und will so dennoch den Lärm reduzieren. Wie soll das funktionieren?

Die niedrigeren Lärmschutzwände sollen in unmittelbarer Nähe der Schienen errichtet werden und so dazu beitragen, dass sich der Lärm erst gar nicht mit voller Wirkung entfalten kann. Bei einem ersten Test im Mittelrheintal waren die Wände gerade einmal zwischen 55 und 75 Zentimeter hoch. Laut einem Bahn-Sprecher wurde der Lärm dabei um bis zu sechs Dezibel gesenkt, was einer Reduzierung um annähernd der Hälfte entspricht. Herkömmliche Lärmschutzwände sind bis zu zwei Meter hoch, haben allerdings den Nachteil, dass sie den Anwohnern die Sicht nehmen. Der Lärm lässt sich mit ihnen jedoch um bis zu 20 Dezibel reduzieren.

Wo sind die neuen Tests mit den Mini-Lärmschutzwänden geplant?

Auf zwei Strecken: bei Jacobsdorf (Oder-Spree) am Bahnabschnitt Berlin/Frankfurt (Oder) und beim bayerischen Langenbach am Abschnitt München/Regensburg. Das Projekt läuft bis Ende des Jahres 2020 und soll dann ausgewertet werden.

Wie geht die Bahn außerdem gegen den Lärm vor?

Sogenannte Flüsterbremsen sollen die Güterzüge vom nervigen Quietschen befreien. Dazu wird bei sämtlichen Waggons der Grauguss herkömmlicher Bremssohlen durch Verbundstoffe ersetzt. Sie sollen verhindern, dass sich die Laufflächen der Räder beim Bremsen aufrauen. Außerdem möchte die Bahn untersuchen, ob „Lärmschürzen“ an den Rädern die Schallentwicklung dämpfen können. „Demnächst“, wie es heißt, wird die Bahn einen Abschlussbericht zu diesen Tests vorlegen. Die Umrüstung geschieht vor dem Hintergrund, dass ab Ende 2020 keine besonders lauten Güterwagen mehr im deutschen Schienennetz unterwegs sein dürfen.

Reichen die geplanten Maßnahmen der Bahn aus?

Der bahnpolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Matthias Gastel, sieht zwar durch die Güterwagenumrüstung auf leise Bremssohlen „einen Meilenstein auf dem Weg zu einer spürbar leiseren Bahn geschafft“. Das könne „aber nur ein Etappenziel beim Bahnlärmschutz sein“, sagt Gastel im Gespräch mit dieser Zeitung. Er erwarte vom Bund als 100-prozentigem Anteilseigner der Deutschen Bahn, dass er die Mittel für die Lärmsanierung in dem kommenden Jahren um jährlich 100 Millionen Euro aufstockt.

Heute wird international der „Tag gegen Lärm“ begangen. Was müsste noch geschehen, damit die Menschen in Zukunft ruhiger leben könnten?

Bei Umfragen geben die Deutschen regelmäßig an, dass sie am meisten vom Straßenverkehrslärm genervt sind, gefolgt von Lärm aus der Nachbarschaft, der Industrie, dem Flug- und dem Schienenverkehr. Daran erinnert auch der alljährlich von der Deutschen Gesellschaft für Akustik veranstaltete Aktionstag. Grünen-Politiker Gastel betont, in den meisten Fällen sei es der bessere Weg, Lärm zu vermeiden, anstatt dass man ihn mit Wällen, Wänden oder anderen Mitteln einzudämmen versucht. „Denn Lärm, der gar nicht erst entsteht, muss auch nicht aufwendig bekämpft werden.“