Wenn sich Menschen an ihre Zeitung wenden, dann tun sie das oft aus tiefer Besorgnis. In den vergangenen Tagen erreichten die RUNDSCHAU etliche solcher Anrufe: Die bereits veröffentlichte Absicht, die Sprelacart-Produktion in Spremberg einzustellen, verknüpften Leser mit der Vermutung, dass dann irgendwann auch das gesamte Sprela-Werk keine Zukunft mehr haben könnte. Am Wochenende soll nach Informationen der RUNDSCHAU eine Presse demontiert und nach Ostpolen umgesetzt werden, die zur Herstellung des Markenartikels Sprelacart für einen Großkunden benötigt wird.

Sprelacart ist ein zu DDR-Zeiten entstandener Markenname für Schichtpressstoffe. Vier mit Kunstharz imprägnierte Papierschichten werden zu dünnen Sprelacart-Platten verpresst. Diese lassen sich mit Spanplatten verkleben. So entstehen zum Beispiel kratzfeste Küchenarbeitsplatten mit den verschiedensten Dekoren. Den aus Spremberg, Laminat und Carton zusammengesetzten Namen gibt es seit 1955. Er ist in der Lausitz also seit mehr als einem halben Jahrhundert verankert und ein Stück Identifikation.

Es kann deshalb schon Emotionen hervorrufen, wenn Dwelck bestätigt, dass die Sprelacart-Produktion in Spremberg "mittelfristig" eingestellt wird. Das Produkt, das den Namen Sprembergs in sich trägt, kommt dann aus Polen, soll aber in der Lausitz noch verarbeitet und von hier aus vertrieben werden. Das ist dann so wie bei den Grundig-Fernsehern, die aus der Türkei kommen, oder den in Asien gefertigten adidas-Schuhen.

Jenseits aller Emotionen gibt es aber auch sachliche Erwägungen. Wichtig für die Spremberger ist nicht das Sprelacart, sondern die Zukunft des Unternehmens Sprela. Und in dieser Hinsicht ist festzustellen, dass Krono-span nach Aussage von Dwelck nicht nur keinerlei Schließungsabsichten hat. Es werde im Gegenteil weiter in den Betrieb investiert, betont der Manager, allerdings "zum jetzigen Zeitpunkt" ohne Angabe von Zahlen.

Dwelck verweist auf den enormen Kostendruck in der Möbelindustrie, wo es derzeit Umsatzeinbrüche von bis zu 50 Prozent gebe. In diesen für die Branche schwierigen Zeiten "müssen wir den Betrieb lebensfähig erhalten". Es sei "erklärtes Ziel, am Standort weiterzumachen. Wir sind dabei, den Betrieb, den wir erst im Oktober 2007 übernommen haben, weiter zu sanieren und investieren dazu in neue Technik". Dwelck unterstreicht, es sei wichtig, innovativ an die Entwicklung neuer Produkte heranzugehen.

Welche das sein könnten, darüber darf derzeit noch spekuliert werden. Immerhin stellt Dwelck klar, dass er bei Sprela die Herstellung von Arbeitsplatten, Fensterbänken sowie Treppensanierungssystemen ausbauen möchte. "Wir wollen die Kapazitäten erhöhen. Und über unsere Pläne haben wir zeitnah auf einer Betriebsversammlung informiert."

Der Spremberger Sprela-Betriebsleiter Gert-Rüdiger Heppner ist deshalb verärgert über die Gerüchteküche. Seit Kronospan vor einem Jahr das Werk von der österreichischen Fundermax GmbH übernahm, hätten sich Löhne und Sozialleistungen deutlich verbessert. Mit Kronospan hätten die Mitarbeiter 300 bis 400 Euro mehr in der Tasche pro Monat. Es gebe Urlaubs- und Weihnachtsgeld sowie Zuschläge von bis zu 50 Prozent für das Arbeiten am Wochenende. Die Verbesserung der Einkommen wird sogar von Anrufern bestätigt, die Kronospan misstrauen. "Wir haben hier am Standort eine große Chance, machen Sie die nicht kaputt", warnt Heppner. Er sagt, der Umsatz habe sich seit 2003 etwa verdoppelt. Zahlen nennt er aber nicht.

2003, das war noch zu Zeiten von Siegfried Zabel, der als Sprela-Mitgesellschafter und Geschäftsführer das Werk von 1998 bis 2004 führte und als der große Sanierer des Unternehmens gilt. 2004 verkaufte er seine Anteile an den damaligen Hauptgesellschafter, die österreichische Isomax Dekorative Laminate AG. Die gelangte durch Verschmelzung an die österreichische Fundermax-Gruppe, von der Kronospan das Lausitzer Werk im Okober 2007 kaufte.

Seit dem Rückzug Zabels gelangten kaum noch Informationen über Sprela an die Öffentlichkeit. Fundermax blockte jeden Versuch einer Berichterstattung über sein Lausitzer Werk rigoros ab. Die restriktive Informationspolitik wurde von Kronospan zunächst fortgesetzt. Es ist sehr wahrscheinlich, dass auch dieses eine Ursache für um sich greifende Gerüchte und sogar Falschinformationen ist, denen das Unternehmen nun entgegentreten muss.