Zwei Drittel der Befragten bei der großen LR-Steuerumfrage finden die Einkommensteuererklärung in Deutschland zu kompliziert. Demnach beantworteten 65 Prozent von 502 Teilnehmern des LR-Umfragecenters diese Frage mit Ja.

35 Prozent antworteten: Nein, die Steuererklärung ist nicht zu kompliziert. Die Umfrage ist nicht repräsentativ, bildet allerdings ein breites Meinungsspektrum aus der LR-Leserschaft ab.

Die Lausitzer Rundschau hakte in der Umfrage nach und fragte die Leserinnen und Leser, ob und wie die Steuererklärung einfacher werden könnte. Hier gehen die Meinungen auseinander.

LR-Lesermeinung: Es gibt schon genug Steuerbetrüger

Einfacher gehe nicht, schreibt ein Teilnehmer und begründet das so: „Es gibt schon genug Steuerbetrüger. Es sollte schon alles genau abgerechnet sein.“ Ein anderer meint dagegen, für die Mehrheit sei eine Vereinfachung sinnvoll. Es gebe allerdings auch schon gute Apps – also Computerprogramme – die bei der Steuererklärung helfen würden.

Ein weiterer Umfrage-Teilnehmer ärgert sich darüber, dass das Thema Steuervereinfachung seit Jahrzehnten diskutiert werde, sich aber nichts geändert habe. „Der Staat hat kein Interesse an Vereinfachungen, da viele Menschen sich jetzt nicht die Mühe machen, alle Möglichkeiten konsequent zu nutzen“, lautet seine Meinung. Daraus folge: „Steuergewinn für den Staat!“

Sympathie für Bierdeckel-Steuersystem von Friedrich Merz

Gleich ein Dutzend Umfrage-Teilnehmer erinnert sich wohlwollend an den Vorschlag des früheren CDU-Fraktionschefs im Bundestag, Friedrich Merz. Der hatte 2003 ein dreistufiges Steuersystem angeregt, dessen Erläuterungen auf einen Bierdeckel passen sollten.

„Davon sind wir sehr weit entfernt“, schreibt ein Sympathisant dieses Vorschlags im Leserkommentar zur LR-Steuerumfrage – und verweist auf die vielen Formulare, die das Finanzamt nach wie vor sehen wolle.

Ein Unternehmer aus der Lausitz äußert durchaus Verständnis fürs bestehende System: „Einfach und gerecht funktioniert meistens nicht zusammen – und Steuern müssen gezahlt werden, sonst kann ein Staat nicht funktionieren.“

Aber er merkt auch kritisch an: „Obwohl bei mir seit über 20 Jahren meist keine Steuerschuld oder nur eine geringe Nachzahlung entsteht, muss ich immer wieder alles komplett durchrechnen, was etwa zehn bis 15 Stunden dauert, schade um die Zeit.“

Kritik an Formularen des Finanzamts: Schwer verständlich

Viele Befragte äußern Unmut über schwer verständliche Anforderungen. „Familien sind mit dem ganzen Aufwand überfordert und blicken nicht durch“, schreibt ein Umfrage-Teilnehmer, und weiter: Sein Finanzbeamter habe mehrmals Unterlagen angefordert, die bereits in Papierform vorgelegen hätten.

Ebenfalls häufiger genannt: Die Erläuterungen der Steuer-Formulare, ob nun für das Online-System Elster oder auf Papier, gelten vielen Steuerzahlern als umständlich. Sie sollten „endlich für Otto Normalverbraucher angepasst werden“, fordert ein Lausitzer.

LR-Steuerumfrage: Kritik am Finanzamt Cottbus

Beamtendeutsch, das ist das eine Problem, andere fühlen sich vom Finanzamt unfair behandelt. Er fühle sich behumst, schreibt ein Umfrage-Teilnehmer: „Vor allem dann, wenn über Jahre hinweg bei verschiedenen Steuersoftware-Programmen und korrektem Ausfüllen meist nur 50 Prozent oder weniger des errechneten Betrags zurückgezahlt werden.“

Ein weiterer Leser nimmt das Finanzamt Cottbus aufs Korn: Hier werde alles beanstandet, was zuvor bei der Steuererklärung in Berlin korrekt gewesen sei.

Kontrovers diskutieren Umfrage-Teilnehmer, ob mehr oder weniger Steuern gezahlt werden sollen. Einige plädieren für eine Pauschalsteuer auf Einkommen. Ein Teilnehmer fordert, dass die Vielverdiener auch mehr Steuern bezahlen sollten und ergänzt: „Auch große Konzerne müssen endlich auch korrekt Steuern bezahlen und nicht alles Mögliche absetzen können, um sich arm zu rechnen.“

LR-Steuerumfrage: Mehrheit bekommt Geld vom Finanzamt zurück

Trotz allen Ärgers: Die meisten bekommen jährlich doch Geld vom Staat zurück. 25 Prozent der Befragten mussten bei der Steuererklärung 2017 nachzahlen. Aber die Mehrheit (58 Prozent) bekam Geld vom Finanzamt zurück, jeder fünfte Befragte nach eigenen Angaben mehr als 1000 Euro.

17 Prozent der Befragten haben demnach keine Steuererklärung abgegeben, darunter viele Rentner.

Steuererklärung: Mehr als ein Drittel vertraut auf Experten

Um die Steuererklärung zu bewältigen, wenden sich 38 Prozent der 502 Umfrage-Teilnehmer an einen Steuerberater oder Lohnsteuerhilfe-Verein. Oder vertrauen auf Experten in der eigenen Familie, wie ein Leser in der Umfrage antwortet: „Unsere Schwiegertochter macht unsere Steuern, da haben wir keine Probleme.“

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