Noch ist der Name Doosan in Deutschland eher in Fachkreisen ein Begriff, beispielsweise als Anbieter von Werkzeugmaschinen. Gabelstapler, Baumaschinen und Autos der koreanischen Marke Daewoo dagegen hat hierzulande fast jeder schon gesehen. Aber Daewoo, das war einmal. Während die Automarke Daewoo von General Motors erworben und für den europäischen und amerikanischen Markt in Chevrolet umgetauft wurde, hat Doosan unter anderem die Stapler- und Baumaschinensparte von Daewoo übernommen. Dass Doosan ein expandierender, weltweit agierender Konzern ist, davon profitieren nun auch die Beschäftigten von ATL in Freiwalde.

Vor einem Jahr herrschte bei ihnen nur Unverständnis und Frust. Für sie völlig überraschend meldete ihr Wiesbadener Gesellschafter, der Ingenieurbetrieb ALS (Advanced Logistic Systems), Insolvenz an. Weil die Lausitzer Tochter ATL mit damals 43 Beschäftigten unter anderem eine 1,2-Millionen-Euro-Bürgschaft für ihre hessische Mutter ALS hatte übernehmen müssen, geriet plötzlich auch das profitable Freiwalder Unternehmen in die Insolvenzverwaltung. ALS gehörte zu 95 Prozent der Caerphilly Enterprise Pte Ltd. aus Singapur, hinter der eine Unternehmerfamilie aus Malaysia stand.

Für die Lausitzer war es bereits das zweite Mal, dass sie von einem Gesellschafter in die Insolvenz getrieben wurden. Vor vier Jahren, im November 2004, war das damals noch als Transportgeräte Lübben (TGL) firmierende Unternehmen zahlungsunfähig, weil einer der Gesellschafter, der noch die Fischer Transportgeräte Dinslaken (Ruhrgebiet) betrieb, Rechnungen nicht bezahlte.

Der heutige Betrieb war 1991 als Ausgründung aus dem Spreewerk Lübben unter dem Namen Lafis GmbH entstanden. Dieser Name durfte später nicht mehr verwendet werden, weil der damalige Eigner der Lafis GmbH Oberhausen (Ruhrgebiet), der auch ein Gesellschafter des Lausitzer Betriebes war, sein Unternehmen samt Markennamen nach Schweden verkauft hatte.

Übernahme zum 1. OktoberLafis, TGL, ATL - künftig wird nun Doosan auf den Erzeugnissen aus Freiwalde stehen. Der koreanische Konzern kauft zum 1. Oktober das Firmenareal, die Gebäude und Hallen sowie sämtliche Produktionsausrüstungen zu einem nicht genannten Preis. Er übernimmt alle Mitarbeiter, die künftig bei der Doosan Infracore Logistics Europe GmbH angestellt sind. Die arbeitet eng zusammen mit der vor allem auf Vetriebstätigkeit ausgerichteten Doosan Infracore Germany GmbH, die ihren Sitz im rheinländischen Langenfeld (Nordrhein-Westfalen) hat.

Doosan wolle den Lausitzer Standort "kräftig ausbauen", sagt Betriebsleiter Wolfgang Dittmer. In ein paar Jahren könne sich die Belegschaft durchaus auf rund 100 Mitarbeiter mehr als verdoppeln. Ein Hallenneubau sei bereits ins Auge gefasst worden. Derzeit würden in Freiwalde jährlich etwa 500 elek-trisch betriebene Deichselstapler gebaut. Schon 2009 sollten es rund 1000 Stück sein, in fünf Jahren (2013) zirka 3000.

Deichselstapler sind Geräte ohne Fahrersitz, der Bediener läuft nebenher und steuert sie über die Deichsel. Eingesetzt werden sie zum Beispiel in großer Stückzahl in Kaufhallen, aber auch in Industrie und Lagerwirtschaft. Die Versechsfachung der Produktion von Deichselstaplern ist aber keineswegs alles, was Doosan nach derzeitigem Erkenntnisstand dem Lausitzer Betrieb bringt. Dittmer verweist auf Pläne, wonach künftig auch Dreirad-Elektrostapler sowie Schubmaststapler in Freiwalde gebaut werden sollen. Bislang vertreiben die Doosan-Händler in Europa derartige Geräte aus koreanischer und chinesischer Produktion.

Es handelt sich hierbei um größere als die bisher in Freiwalde gebauten Stapler - alle mit Fahrersitz. Die Schubmastgeräte sind speziell für Hochregallager bestimmt. Die Staplergabel fährt an einem "Mast" hoch zu den einzelnen Lagerboxen. Dittmer rechnet damit, dass Doosan die Produktion der größeren Geräte 2010 in Freiwalde aufbauen wird.

Beibehalten will der Lausitzer Betrieb seine Fertigung von Umschlagtechnik für Flughäfen. Dieser Bereich hatte bis vor einem Jahr rund 70 Prozent des Umsatzes gebracht. "Das wird sich jetzt aber umkehren", sagt Dittmer.

2006 betrug der Umsatz von ATL etwa fünf Millionen Euro, im vergangenen Jahr waren es wegen der Insolvenz nur noch 4,6 Millionen. Dittmer zweifelt nicht daran, dass es nun wieder deutlich aufwärts gehen wird. Allein für das vierte Quartal 2008 sei der Bau von 300 Deichsel-staplern geplant. Die Vertriebskanäle erweitern sich um ein Vielfaches. Während ATL nur über 100 Händler verfügte, davon vom Umsatz her 70 sehr kleine, besitzt Doosan in Europa rund 400. "Wir rechnen auch mit einem Ansturm der Händler, die Mustergeräte für ihre Ausstellungsräume ordern", freut sich Dittmer auf die Zusammenarbeit.

Komplettsortiment aus EuropaEs sei übrigens ein Händler gewesen, der Doosan auf die zum Verkauf stehende Firma ATL aufmerksam machte. Die Händler seien immer interessiert, ein komplettes Sortiment aus konzerneigener Produktion anbieten zu können. Und wenn diese Produktion zudem in Europa liege, sei die Ersatzteilversorgung einfacher und schneller zu bewerkstelligen. Außerdem, so Dittmer, bürge "made in germany" immer noch für besondere Qualität.