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| 01:01 Uhr

Konzentration bei Mietwagen

Der französische Finanzinvestor Eurazeo will nach der Übernahme von Europas größtem Autovermieter Europcar das Unternehmen langfristig halten. Eurazeo und der bisherige Europcar-Eigner Volkswagen hatten sich nach nicht einmal zweiwöchigen Verhandlungen auf den Verkauf geeinigt, das Geschäft muss noch vom VW-Aufsichtsrat und Kontrollbehörden abgesegnet werden. Wettbewerber beobachten das Ganze skeptisch. Von Michael Braun

Vier Große beherrschen den Markt im Autovermietungsgeschäft: Sixt, Europcar, Hertz und Avis kommen in Deutschland auf einen Marktanteil von zwei Dritteln. Das restliche Drittel teilen sich rund 600 lokale und regionale Anbieter. Ihnen wäre es recht, wenn die großen Anbieter fusionierten und dann die Preise anhöben. Denn gerade Europcar ist auf eine Weise gewachsen, die den Markt nicht fröhlich gestimmt hat, mit Niedrigpreisen. Kleine Konkurrenten sagen gar: mit Dumpingpreisen.
Wären bei Europcar nicht die Franzosen, sondern Sixt zum Zuge gekommen, hätte das Kartellamt wohl dagegengehalten. Denn Sixt hätte den nach eigenen Angaben etwa 27 Prozent großen Marktanteil in Deutschland knapp verdoppelt.
Kann sein, dass die Zusammenlegung aber noch auf höherer Ebene kommt. Denn nach der amerikanischen Hertz ist nun auch Europcar im Eigentum eines Finanzinvestors. Der VW-Betriebsrat war lange dagegen, Europcar an Eurazeo zu verkaufen. Er hatte Sorge, Eurazeo werde Europcar an Merrill Lynch Global Private Equity weiterveräußern. Das ist einer der drei Eigentümer von Hertz. Und eine Fusion mit Hertz würde den Investoren womöglich die erhoffte Rendite bringen, aber viele Arbeitsplätze kosten. Denn in vielen Städten betreiben alle Autovermieter Stationen, da ließe sich viel sparen. Sixt betreibt etwa 400 Stationen in Deutschland. Avis steht kulturell Sixt näher. Sixt gehört zu 56,8 Prozent seinem Gründer und Vorstand Erich Sixt. Avis ist seit 1989 zu 60 Prozent im Besitz der börsennotierten belgischen Familienholding D'Ieteren. Sixt versteht sich als herstellerunabhängiger Autovermieter. Europcar hatte dagegen ein Drittel VW-Fahrzeuge im Bestand - den Zahlen nach ein wichtiger Vertriebskanal. Aber nicht unbedingt ein ertragreicher, sagen Analysten. Zwar sei er hilfreich, wenn es darum gehe, mal eine große Zahl von Autos als verkauft zu melden. Doch wenn die Mietwagen einige Monate später aus der Flotte rauskommen, machten sie den Gebrauchtwagenmarkt kaputt. Ertragreicher sei das Flottenmanagement, das VW schon vor einiger Zeit ausgegliedert und behalten hatte. Auch die Autofinanzierung bleibt im Konzern. Mit ihr verdienen die Wolfsburger vor allem ihr Geld, weniger mit dem Bau von Autos.