Zum ersten Mal seit Beginn des Corona-Lockdowns in Brandenburg am 22. März hat die Handwerkskammer (HWK) Cottbus eine aktuelle Unternehmensbefragung vorgelegt. Der Befragungszeitraum erstreckte sich nach Angaben der Autoren über den gesamten Monat März. Zwei Drittel der Antworten zur Konjunkturumfrage seien aber nach dem 22. März eingegangen.

Der Frühjahrs-Konjunkturbericht der Cottbuser HWK sei außerdem diesmal durch Ergebnisse der ersten Betriebsbefragung des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) zur Corona-Pandemie vom 30. März ergänzt worden.

Geschäftserwartungen im Lausitzer Handwerk gehen deutlich zurück

In dem Bericht zeigt sich damit ein beinahe erwartbares Bild der wirtschaftlichen Lageeinschätzungen im Lausitzer Handwerk, das von den Ereignissen rund um die Coronakrise geprägt ist.

Nur noch 84,3 Prozent der Unternehmen im Süden Brandenburgs sind mit ihrer Geschäftslage zufrieden. Was diese Zahl bedeutet, macht ein Blick in die HWK-Frühjahrsumfrage des vorigen Jahres deutlich. Damals hatten sich immerhin 95,5 Prozent der Handwerksunternehmen in der Region mit ihrer Geschäftslage zufrieden gezeigt. Das bedeutet einen beachtlichen Rückgang von mehr als zehn Prozent.

Fast alle Gewerbegruppen hatten in diesem Frühjahr coronabedingte Einbußen verkraften müssen, stellt die Umfrage fest. Eine Ausnahme bilde dabei bisher lediglich noch das Bauhauptgewerbe.

Die Rückgänge führten dazu, dass viele an sich gesunde Betriebe aktuell um ihre Existenz fürchten, heißt es weiter. Dabei seien die kompletten Schließungen der Friseur- und Kosmetikgeschäfte bei der Umfrage noch nicht berücksichtigt.

Am meisten betroffen seien bisher die Gesundheits- und die Kfz-Branche sowie die persönlichen Dienstleistungshandwerke, wie beispielsweise Friseure sowie die Handwerke des gewerblichen Bedarfs. Es seien vor allem viele Abnehmer handwerklicher Produkte und Dienstleistungen, die bereits unter massiven Umsatz- und Nachfragerückgängen litten.

Die Situation habe dazu geführt, dass sich der Auftragsbestand der Betriebe in einzelnen Gewerken zum Teil drastisch verringert hat. Die Folge: 18,5 Prozent der Unternehmen auch in der Lausitz geben an, dass ihre Auftragsbücher gegenüber dem Vorjahreszeitraum weniger gut gefüllt sind.

Lausitzer Handwerk will Personal unbedingt halten

Ein Ergebnis der Frühjahrsumfrage ist die Erkenntnis, dass sich fast alle Betriebe im Südbrandenburger Handwerk massiv bemühen, ihre Fachkräfte mit allen Mittel zu halten. Vielen Mittelständlern steckt der grassierende Fachkräftemangel in den Knochen, der in weiten Teilen der Lausitz schon lange nicht nur ein gefühltes Phänomen ist. Dabei reagierten die Betriebe sehr flexibel. Viele Handwerker setzen zuerst auf den Abbau von Arbeitszeitkonten (42 Prozent im Gesamthandwerk). Etwa 43 Prozent der handwerklichen Mittelständler hätten bei ihren Mitarbeitern zunächst Urlaub angeordnet. Gleichzeitig aber hat auch mehr als die Hälfte der Unternehmen (58 Prozent) zumindest für Teile ihrer Belegschaft Kurzarbeitergeld beantragt.

Wie die Umfrageergebnisse zustande kommen


Zweimal im Jahr befragt die Handwerkskammer Cottbus Mitgliedsunternehmen zur aktuellen Konjunkturlage. Knapp 10 000 Handwerksunternehmen gibt es im Süden Brandenburgs zwischen Spremberg und Königs Wusterhausen. Die Umfragebögen werden jeweils im Frühjahr und Herbst in der Regel an knapp 2000 Unternehmen verschickt. An der Umfrage beteiligen sich am Ende aber regelmäßig nur einige hundert Betriebe. Trotzdem entsteht auf diese Weise ein relativ aussagekräftiges Bild der Lage, vor allem dann, wenn man die Umfragen der zurückliegenden Jahre mit den aktuellen Werten vergleicht.