Von Jan Siegel

Am Dienstag wird in Schönefeld (Dahme-Spreewald) Richtfest gefeiert. Solcher Art Ereignisse haben in der prosperierenden Hauptstadtregion eigentlich längst keinen Seltenheitswert mehr. Trotzdem birgt diese Ankündigung einigen Nachrichtenwert. Dieses Richtfest dürfte nämlich diesmal einige Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Der Richtkranz schwebt nämlich über dem künftigen Hauptstadtflughafen BER. Gefeiert werden soll die Fertigstellung des Rohbaus für das Terminal mit der Bezeichnung T2. Das steht dem inzwischen sagenumwobenen BER-Hauptterminal gegenüber und soll helfen, den Ansturm der Passagiere der Zukunft zu bewältigen. Sechs Millionen Fluggäste könnten nach Angaben der Flughafengesellschaft FBB künftig im Terminal 2 pro Jahr abgefertigt werden. Seine Fertigstellung ist für Ende 2020 vorgesehen, wenn – nach aktuellem Stand – die BER-Eröffnung wieder einmal auf der Tagesordnung steht. Der Termin war seit dem Jahr 2011 allerdings schon sieben Mal verschoben worden. Die Probleme beim Brandschutz, der Entrauchung  und der Verkabelung des Neubaukomplexes sind hinlänglich diskutiert worden und haben in internationalen satirischen Betrachtungen über die deutsche Hauptstadt seit Jahren Kultstatus.

Vorentscheidung für die Eröffnung

Die angekündigte Eröffnung des BER im Herbst 2020 tritt bereits am Montag in eine vorentscheidende Etappe. Dann sollen die sogenannten übergeordneten Wirk-Prinzip-Prüfungen (WPP) für den Hauptterminal mit den angrenzenden Seitenflügeln beginnen. Durchgeführt werden die Prüfungen vom TÜV-Rheinland. Im Kern geht es darum, das Zusammenwirken der unterschiedlichen Einrichtungen, beispielsweise beim Brandschutz, unter unterschiedlichen Bedingungen zu testen. Springen beispielsweise die Notstromaggregate an, wenn ein Feuer die Stromversorgung lahmlegt?

Flughafenchef Engelbert Lüdke Daldrup ist optimistisch. „Der Beginn der übergeordneten Wirk-Prinzip-Prüfungen noch im Juli bestätigt unseren Terminplan bis zur Eröffnung des BER im Oktober 2020“, sagte Lüdke Daldrup vor Beginn der entscheidenden Prüfungen. Sie werden etwa zwei Monate dauern. Einen Monat brauchen die Fachleute danach für die Dokumentation der Prüfungen. Läuft alles nach Plan, wird der „Aktenberg“ danach an das entscheidende Bauordnungsamt des Landkreises Dahme-Spreewald übergeben.

Funktioniert jetzt die Entrauchung?

Von den insgesamt zwölf Anlagengruppen, deren Zusammenspiel ab Montag überprüft wird, seien bereits zehn von den Sachverständigen abgenommen worden. Und damit bereit für die Tests zum Zusammenspiel bei den übergeordneten WPP, heißt es von der Flughafengesellschaft. Dazu gehörten ausdrücklich auch die Brandmelde- und Alarmierungsanlagen. Im Bereich Sicherheitsstromversorgung / Sicherheitsbeleuchtung seien die Fachleute mit der Beseitigung von Mängeln so weit, dass dem Beginn der übergeordneten WPP nichts mehr im Wege stehe.

Das Terminal T2 ist der erste Erweiterungsbau neben dem Hauptterminal mit seinen beiden Seitenflügeln, die als Nord- und Südpier bezeichnet werden. Aber T2 ist noch nicht die letzte Erweiterung des Pannenflughafens, die schon jetzt in Angriff genommen wird. Denn die Planungen für das Terminal mit der Bezeichnung T3 sind bereits angelaufen.

Wie realistisch sind die Wachstumszahlen?

Künftig soll der BER allein nämlich die beiden heutigen Hauptstadtflughäfen Schönefeld-Alt und Tegel ersetzen, was nach der Pannenserie der zurückliegenden Jahre durchaus irgendwie immer noch wenig realistisch klingt.

Die beiden Berliner Flughäfen hatten in den vergangenen Jahren immer neue Rekorde bei den Passagierzahlen gemeldet. Im Jahr 2018 wurden dort insgesamt 34,7 Millionen Fluggäste abgefertigt. 22 Millionen starteten oder landeten in Tegel, 12,7 in Schönefeld-Alt.

Mit der Eröffnung des BER läuft die Zeit für den Innenstadtflughafen Tegel ab. Spätestens einen Monat nach Eröffnung des BER soll dort der Flugbetrieb der FBB enden. Schönefeld-Alt soll dann noch fünf Jahre weiter betrieben werden.

Der BER soll im Oktober 2020 mit einer Kapazität für 22 bis 27 Millionen Passagiere im Hauptterminal und für weitere sechs Millionen im Terminal 2 starten. Zusätzlich könnten nach Angaben der FBB in Schönefeld-Alt weiterhin acht bis 13 Millionen Passagiere abgefertigt werden. Damit würde die Kapazität des BER in den ersten Jahren das dort abzudeckende Passagieraufkommen übertreffen. Bis 2040 sollen nach den Plänen der Flughafenbetreiber die Kapazitäten für 55 Millionen Passagiere jährlich geschaffen werden.

Berlin