" Hier prägen prächtige Gründerzeitbauten die Nachbarschaft. In dieser Spitzenlage realisiert nun nicht ein üblicher Investor ein Bauprojekt, sondern die Wohnungsgenossenschaft Lipsia. Mit ihren "Rosental-Terrassen" beschleunigt sie einen Trend: Die Wohnungsgenossenschaften in Ostdeutschland investieren wieder in Neubauten.

In Radebeul bei Dresden hat die Wohnungsgenossenschaft Lößnitz den Wohnpark "Augustusweg" fertiggestellt - eine Anlage speziell für Familien mit Kindern. Die Wohnungsbaugenossenschaft Ilmenau (Thüringen) erhielt in diesem Jahr für ein neues Mehrgenerationenhaus einen Bauherrenpreis. "Die Genossenschaften setzen wieder auf Neubau - aber noch ist es ein langsamer Trend", bestätigt der Vorstand des Verbandes Sächsischer Wohnungsgenossenschaften, Axel Viehweger. Der Verband schätzt, dass seine Genossenschaften 2008 etwa sechsmal so viel in Neubauten investieren wie 2007. Insgesamt geht es dabei aber um gerade 20 Millionen Euro - rund sieben Prozent der Gesamtinvestitionen.

Sanierungen im Vordergrund"In den letzten Jahren hatten wir ja überhaupt keine Neubauten", sagt Viehweger. Seit der Wende habe die Sanierung im Vordergrund gestanden, dazu wurden reihenweise problematische Plattenbauten abgerissen. "Aber jetzt sind schon eine ganze Reihe Wohnungen vom Markt genommen worden und es hat sich herausgestellt, dass neuer, anderer Wohnraum gesucht wird", sagt Viehweger. "Großzügiger, aber nicht luxuriös und natürlich bezahlbar" - das sei der Wunsch etlicher Wohnungssuchender. Die Genossenschaften, die für sich eine gewisse soziale Verantwortung reklamieren, wollen ihn erfüllen.

Orientierung am BedarfAuch die Lipsia, die in der Messestadt gut 8000 Wohnungen bewirtschaftet, hat festgestellt, dass es eine Nachfrage nach Wohnungen gibt, "die wir nicht in unserem Bestand haben", sagt Finanz-Vorstand Kristina Fleischer. Die "Rosental-Terrassen" sollen nun alle Begehrlichkeiten erfüllen. "Jede Wohnung hat einen Balkon oder eine Terrasse", erklärt Fleischer.

Dazu kommen Annehmlichkeiten wie ein Tiefgaragenstellplatz und eine grüne Aussicht. Die Zimmer, Küchen und Bäder sind vergleichsweise geräumig. Rund 19 Millionen Euro lässt sich Lipsia das Projekt kosten, die Fertigstellung ist für 2010 geplant.

Für Verbands-Chef Viehweger sind derartige Neubauten ein Ansatz, um die Wohnungsgenossenschaften, von denen es bundesweit rund 2000 gibt, für die Zukunft zu wappnen. Nach den beschwerlichen 90er-Jahren mit gewaltigen Umbrüchen in den Mieterstrukturen sei die Situation aber schon jetzt "wesentlich besser" geworden - "konsolidiert, würde ein Banker sagen", meint Viehweger. Der Leerstand halte sich mit im Schnitt unter zehn Prozent in Grenzen, vor allem im Vergleich zu städtischen Gesellschaften, die laut Viehweger mit 17 oder 18 Prozent zu kämpfen haben.

Auch Fleischer betont, dass ihre Genossenschaft Lipsia gut dastehe. Das Großprojekt "Rosental-Terrassen" sei eine Investition in die Zukunft. "Man baut nicht neu, wenn man von vornherein Probleme sieht zu vermieten." Schon kurz nach der Grundsteinlegung im August ist die Liste der potenziellen Mieter lang. Für die 77 Wohnungen, die im ersten Bauabschnitt fertig werden sollen, haben sich fast 200 Interessenten vormerken lassen.