Der Deutsche beharrt darauf, mit Euros und Cents auf Shopping-Tour zu gehen.  Nur 44 Prozent der Bundesbürger können sich vorstellen, komplett auf beides zu verzichten,  so das Umfrage-Ergebnis des Digitalverbandes Bitkom.  Doch woher kommt sie, diese Vorliebe für bebildertes Papier und geprägtes Metall. Wo anderswo in Skandinavien, den USA oder China – das Portemonnaie schon fast Auslaufmodell ist. Verhält es sich wie mit der Liebe zum Buch?  Im Urlaub ist ein E-Reader eine feine Sache, man kann fünf Strand-Schmöker drauf laden und muss sie  weder schleppen noch neu kaufen, um sie am Ende dem nächsten Urlauber zu hinterlassen. Daheim in die Sofaecke gekuschelt ein echtes Buch aufschlagen, beim Blättern das Papier zwischen den Fingern spüren  und über kunstvolle Illustrationen streichen. Ein Genuss! Aber bezahlen, wofür auch immer – ist das, egal ob mit barer Münze oder Plastik,  nicht immer ein Muss statt Genuss? Wozu erst anfassen, was ich gleich abgeben muss?

Bessere Ausgabenkontrolle nennen viele, gefragt nach Vorzügen der Cash-Zahlung. Und  –das ist bestimmt kein Fehler – wir Deutschen gelten als besonders datensensibel, zumindest was unsere Finanzen angeht. Die Kreditinstitute werden also weiter Überzeugungsarbeit leisten müssen für die Sicherheit ihrer Online-Bezahlmodelle.  Und noch  einen Grund gibt es für die die alte Devise: „Nur Bares ist Wahres“. Die digitale Infrastruktur hierzulande kann sich leider mit der in vielen anderen Ländern noch nicht messen. Wir sind es einfach nicht gewöhnt, dass man  überall  online zahlen kann, weshalb wir in Schweden oder Norwegen Verkäufer und Wirte irritieren, wenn wir mit unseren Kronen wedeln.

Aber wir entwickeln uns weiter:  Auch in der Lausitz ist  von Woche zu Woche immer öfter in Supermärkten zu beobachten, wie vor allem junge Kundschaft zum Bezahlen das Smartphone zückt und an die Kasse hält. Zwar hat das laut Bitkom erst  jeder Dritte hierzulande probiert, aber  es wird gaaanz allmählich Schule machen. Und vielleicht werden sich dann auch die letzten Händler und Lokale durchringen, Online-Zahlungen zu akzeptieren.

Das heißt aber nicht, dass wir uns den Abschied von Münzen und Scheinen herbeiwünschen sollten. Im Gegenteil: Es sollte ein Grundrecht auf  Bargeld per Gesetz verankert werden. Denn Barzahlung von Rechnungen sichert Anonymität zu, die Kartenzahlung nicht bieten kann. Aber auch in Zukunft sollte man ganz allein wissen dürfen, wofür man eine Zeche zahlt!

Und wer da heute noch behauptet, man könnte ohne Bargeld leichter nach Steuerhinterziehern und Großdealern fahnden, der unterschätzt das Organisierte Verbrechen hoffnungslos.