Die Grundlage für die Annahme, dass die Erweiterung des Tagebaus Welzow-Süd auf das Teilfeld II nicht notwendig ist, sind Berechnungen von Dr. Felix Christian Matthes. Er ist Forschungskoordinator für Energie- und Klimapolitik beim Öko-Institut mit Hauptsitz in Freiburg im Breisgau. Matthes war Mitglied in der Kohlekommission. Gemeinsam mit seinem Mitarbeiter Hauke Hermann hatte Matthes für die Kommission unterschiedliche Varianten zur Stilllegung von Kraftwerken und zur damit verbundenen Nutzung von Tagebauen in der Lausitz untersucht.

Dabei sind die beiden Wissenschaftler von drei Szenarien ausgegangen. Untersucht haben sie eine schnelle, eine mittlere und eine verzögerte Stilllegung der Großkraftwerke in Jänschwalde, Schwarze Pumpe und Boxberg. Wobei beim Standort Boxberg zwischen moderneren und älteren Kraftwerksblöcken noch einmal unterschieden wird.

Defizite und Unsicherheiten der Untersuchung

Im Kern gehen sie bei ihren Berechnungen davon aus, dass mit der Kohlebahntechnik im Lausitzer Revier die Beschickung aller Lausitzer Kraftwerke durch jeden der derzeit noch vier Tagebaue in der Region möglich ist. Einschränkend muss darauf hingewiesen werden, dass die für Tagebau- und Kraftwerksbetreiber wichtigen Aspekte der Wirtschaftlichkeit dabei für die Wissenschaftler im Detail wohl keine Rolle gespielt haben.

Berücksichtigt werden muss bei den Aussagen der Wissenschaftler des Öko-Instituts außerdem, dass sie von schrittweise steigenden Anteilen der erneuerbaren Energien und von Preisverschiebungen auf dem deutschen Energiemarkt (CO2-Preise) in den kommenden Jahren ausgehen.

Inwieweit bei dieser Potenzialanalyse von Matthes und Hermann auch Fragen der allgemeinen Versorgungssicherheit eine Rolle gespielt haben, ist nicht bekannt.

Endgültiger Kohleausstieg 2038

Mit ihren Berechnungen kommen Matthes und Hermann zu dem Schluss, dass bei keinem der von ihnen betrachteten Szenarien (siehe Grafiken) eine Erweiterung des Tagebaus Welzow-Süd auf das Teilfeld II notwendig wäre.

Der Tagebau Jänschwalde spielt bei den mittel- und langfristigen Analysen der Wissenschaftler schon keine Rolle mehr, weil er ohnehin Anfang der 2020-er Jahre beendet werden soll.

Aus den bereits genehmigten Tagebauen Welzow-Süd I, Reichwalde und Nochten könnten maximal knapp 800 Millionen Tonnen Rohbraunkohle (Berechnungsbeginn 2016) gefördert werden. Diese Gesamtmenge reicht nach Aussagen der Wissenschaftler des Öko-Instituts auch, wenn der Kohleausstieg, wie im Abschlussbericht der Kohlekommission festgeschrieben, endgültig erst im Jahr 2038 erfolgt.

Anmerkung: Für die beiden Tagebaue Reichwalde und Nochten, Teilfeld Mühlrose, in der sächsischen Oberlausitz sehen die Wissenschaftler verschiedene Optionen. Sie werden an dieser Stelle aus Gründen der Verständlichkeit nicht vertieft, weil es hier in erster Linie um die Folgen einer angekündigte Absage aus Potsdam für die Erweiterung des Tagebaus Welzow-Süd gehen soll.