Die volle Versteigerung von Kohlendioxid-(CO2)-Zertifikaten erhöhe zunächst die Belastung der Betreiber um zwölf Milliarden Euro, berichtete der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft gestern. Das verteuere die Stromrechnung für eine dreiköpfige Familie mit einem Jahresverbrauch von 3500 Kilowattstunden um mehr als 90 Euro jährlich.

Zudem könne die volle Belastung durch den Emissionshandel mit Kohlendioxid-Papieren "zu einer vorzeitigen Stilllegung älterer Kraftwerke führen, ohne dass zeitgleich neue Anlagen bereitstünden". Bisher werden noch 90 Prozent der CO2-Papiere kostenfrei ausgegeben.

Die Unternehmensberatung McKinsey bestätigte gestern in Brüssel die Milliardenaufwendungen. Demnach bräuchte die Abtrennung und Speicherung klimaschädlicher Abgase aus Kohlekraftwerken "eine milliardenschwere Anschubfinanzierung aus der Staatskasse".

Jedes einzelne Versuchsvorhaben werde eine Finanzierungslücke von 500 Millionen bis 1,1 Milliarden Euro haben, erklärten Analysten von McKinsey. Nach der Versuchsphase könnte die Kohlendioxid-Speicherung angesichts der erwarteten Kosten für Verschmutzungsrechte dann aber wirtschaftlich funktionieren.

Der liberale Europa-Abgeordnete Chris Davies bezifferte die nötige Staatsbeihilfe bei der Vorstellung des McKinsey-Papiers auf rund zehn Milliarden Euro. In der Versuchsphase würde das Auffangen und Speichern der klimaschädlichen Abgase 60 bis 90 Euro pro Tonne CO2 kosten, sagte der federführende Abgeordnete für die CO2-Richtlinie.

Wenn die Abscheide- und Speichertechnologien erprobt seien und in großem Maßstab angewandt würden, könnte der Preis auf 30 bis 45 Euro pro Tonne sinken. Das entspreche etwa dem, was im Jahr 2030 der Ausstoß einer Tonne CO2 im europäischen Emissionshandelssystem ETS kosten solle, sagte EU-Energiekommissar Andris Piebalgs. dpa/B.M.