ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:45 Uhr

Klimakiller – Zement hat ein Imageproblem

"Grüne" Pflastersteine: Ein Mitarbeiter im Betonlabor von HeidelbergCement stapelt mehrere, aus dem neuartigen BCT-Zement hergestellte Pflastersteine aufeinander.
"Grüne" Pflastersteine: Ein Mitarbeiter im Betonlabor von HeidelbergCement stapelt mehrere, aus dem neuartigen BCT-Zement hergestellte Pflastersteine aufeinander. FOTO: dpa
Heidelberg. Zement hat ein Imageproblem. In Zeiten von Nachhaltigkeitsberichten und Ökobilanzen feilen Hersteller wie HeidelbergCement an einem möglichst geringen CO{-2}-Gehalt ihres Produkts. Eine grüne Innovation? Christine Cornelius

Auf der Liste der Klimakiller steht die Zementproduktion weit oben. Rund fünf Prozent des weltweiten Ausstoßes an Kohlendioxid (CO{-2}) gehen Experten zufolge allein auf ihr Konto. Mit jeder Wetterkatastrophe und jeder Klimaschutz-Diskussion wächst der Druck auf die Zementhersteller. Die Branche steuert gegen und arbeitet seit Jahren an CO{-2}-reduziertem Zement.

Die Methoden und die Intensität der Forschungen variieren, den Warnschuss gehört hat aber jeder. "Es ist ein Thema für alle Zementhersteller", sagt Johannes Kreißig aus dem Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB). "Verschließen kann sich dem keiner."

Ein Antriebsmotor für Forschung und Entwicklung seien die Kosten für jede Tonne CO{-2}, die von der Industrie durch die Fabrik-Schornsteine gejagt wird. Der Preis für die Emissionszertifikate werde nicht dauerhaft so niedrig sein - derzeit dümpelt er meist zwischen drei und fünf Euro. "Das Risiko, dass die Kosten steigen, ist hoch für die Industrie", sagt Kreißig. Unter Innovationsdruck stünden die Unternehmen auch, weil Beton {-ndash} dessen Bindemittel Zement ist - im Wettbewerb mit den Baustoffen Stahl und Holz bestehen müsse.

Es ist ein zentraler Vorgang bei der Zementherstellung, der besonders viel CO{-2} freisetzt: Bei 1450 Grad Celsius wird aus Kalkstein Zementklinker gebrannt. Die Zementhersteller schrauben den Anteil dieses gebrannten Zwischenprodukts daher seit Jahren herunter.

"Die Zemente werden kontinuierlich grüner", bestätigt Projektleiter Björn Siebert vom Deutschen Beton- und Bautechnik-Verein. Stattdessen steige zum Beispiel der Anteil von Hüttensand im Zement, einem Nebenprodukt der Stahlindustrie .

Eine andere Möglichkeit ist es, einen alternativen Zementklinker zu entwickeln - mit einer anderen chemischen Zusammensetzung. Daran forscht neben dem französischen Baustoffkonzern Lafarge auch HeidelbergCement. Bei den Heidelbergern soll ein neuartiger Zement mit dem sperrigen Namen Belit-Calciumsulfoaluminat-Ternesit (BCT) herauskommen. Das Unternehmen verspricht sich, dass bei der Produktion rund 30 Prozent weniger CO{-2}-Emissionen anfallen als bei herkömmlichem Zement.

Doch die Markteinführung braucht Zeit - es stehen noch zahlreiche Testläufe und weitere Entwicklungsschritte an. "Wir werden diesen neuen konzeptionellen Ansatz erst in sieben, acht Jahren auf den Markt bringen", kündigt Forschungsleiter Wolfgang Dienemann an. "Niemand wird mit einem Material eine Brücke errichten, von dem man nicht weiß, ob es auch jahrzehntelang hält."

Die Bauindustrie ist nach Einschätzung des Baustoff-Experten Ludger Lohaus bei neuen Zementen skeptisch. "Sie würde das nicht von sich aus verwenden, sondern zunächst einmal das nehmen, was sie kennt", sagt der Professor vom Institut für Baustoffe in Hannover. Freiwillig würde die verarbeitende Industrie nur zugreifen, wenn es billiger wäre - und das sei gerade in der Anfangsphase unwahrscheinlich. Potenzial sieht Lohaus eher bei den Bauherren: "Es gibt viele Unternehmen, die sich damit einen grünen Anstrich verleihen wollen."

Auch Dienemann von HeidelbergCement setzt auf umweltbewusste Firmen. "Der Druck in Richtung Ökobilanzen wird immer größer. Wenn Unternehmen ihre Umweltbilanzen veröffentlichen, spielt es natürlich eine große Rolle, ob sie 30 Prozent weniger CO{-2} vorweisen können."