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Washington
Kleine Pille, große Wirkung - 25 Jahre Viagra

Exklusiv | Washington. Der Zufallsfund bescherte dem Pharmakonzern Pfizer Milliardengewinne und unzähligen Ehen neuen Schwung.

Der Zufallsfund bescherte dem Pharmakonzern Pfizer Milliardengewinne und unzähligen Ehen neuen Schwung.

Vor 25 Jahren waren Pharmaforscher der Firma Pfizer eigentlich auf der Suche nach einem Medikament gegen Bluthochdruck. Doch als Minenarbeiter in England den Wirkstoff in einer Studie testeten, traten unerwartete Nebenwirkungen zu Tage: Die Männer berichteten, durchaus erfreut, das Mittel verschaffe ihnen häufigere und längere Erektionen. "Das war der Durchbruch", erinnert sich der Chemiker David Brown. Der Beginn einer Erfolgsgeschichte mit Milliardengewinnen.

Fünf Jahre später kam der Wirkstoff Sildenafil unter dem Markennamen Viagra in den USA auf den Markt. Ein halbes Jahr später war er auch in Europa erhältlich. Seitdem hat die kleine blaue Pille das Sexleben von zahlreichen Männern - und Frauen - weltweit verändert und unzählige Ehen belebt: Mehr als 64 Millionen Männer schluckten bisher insgesamt über drei Milliarden Pillen, berichtet Pfizer.

Heute sprechen Experten vom "Viagra-Effekt" - denn mit dem Aufkommen der Tablette trauten sich Männer erstmals im größeren Umfang über ihre Probleme im Bett zu sprechen. "Früher haben Männer oft zehn bis 20 Jahre gewartet. Nun kommen Patienten teilweise schon nach drei bis sechs Monaten zu mir in die Sprechstunde", berichtet derHamburger Urologe Frank Sommer. Ein Grund dafür: Aus dem Problem Impotenz - für viele Betroffene mit sozialem Stigma und dem Makel des "Nicht-Könnens" versehen - wurde nun schlicht die Erektile Dysfunktion. Ein medizinischer Fachbegriff, mit dem irgendwie einfacher umzugehen war.

Trotzdem war es am Anfang ein pikantes Unterfangen, die Tablette und ihre Wirkung ins Gespräch zu bringen. Werbung durfte im US-Fernsehen zunächst nur nach 23 Uhr laufen - und wenn, dann trugen die Schauspieler deutlich sichtbar einen Ehering. Dennoch lag die Pille bald in vielen Nachttischen. Denn als erste orale Therapie für Erektionsstörungen bot sie große Vorteile. "Vorher musste man sich eine Spritze in den Penis setzen, was natürlich die allerwenigsten wollten. Man konnte sich operieren lassen - mit Schwellkörperimplantaten, in denen Hydraulik eingebaut worden ist", sagt Frank Sommer. Unangenehm kann es mitunter dennoch werden, denn auch Viagra kommt nicht ohne Nebenwirkungen aus. In Kombination mit anderen Medikamenten oder für Herzpatienten kann es gefährlich werde. Deshalb ist es in Deutschland weiterhin verschreibungspflichtig.

Nachdem in Europa das Patent für die lukrative Pille auslief, suchte man nach neuen Produkten. Viagra für die Frau war eines davon. Studien belegten, dass die Pille auch auf die weibliche Lust Auswirkungen hatte. Eine Zulassung gab es aber nicht. Stattdessen kam 2015 mit großem Paukenschlag "Pink Viagra" (Flibanserin) auf den US-Markt - mit minimalem Erfolg, dafür mit jeder Menge Nebenwirkungen.

(dpa)