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| 01:13 Uhr

Kjellbergs Schnittstärken

Bartfrei, rechtwinklig, fast blank, schmale Schnittfuge – so muss ein sauberer Schnitt aussehen. Wenn der gleichermaßen gut durch dick und dünn geht, dann klappt's auch mit der Nachfrage nach der hochpräzisen Plasmaschneidtechnik aus dem Brandenburgischen. Die Kjellberg Finsterwalde Elektroden und Maschinen GmbH (Elbe-Elster) ist Fuchs auf dem Gebiet und mit der jüngsten Generation HiFocus 160 Plus weltweit Marktführer. Das zahlt sich aus für den Standort. Von Beate Möschl

60 neue Arbeitsplätze haben die Kjellberger seit dem Jahr 2000 einrichten können, gut 30 davon allein im vergangenen Jahr. Auslöser der Entwicklung ist die konsequente Konzentration auf Plasmaschneidverfahren und deren gezielte Weiterentwicklung in Zusammenarbeit mit Hochschulen, wissenschaftlichen Einrichtungen, Partnerbetrieben und den Entwicklungsingenieuren im eigenen Hause.
„Wir erlösen heute zweieinhalb Mal mehr Umsatz als vor fünf Jahren und schreiben satte schwarze Zahlen. Das heißt, wir haben damals die richtigen Entscheidungen getroffen“ , resümiert Kjellberg-Geschäftsführer Volker Krink zufrieden.

Zunehmend im Ausland begehrt
„Über 50 Prozent unseres Umsatzes realisieren wir mit Exporten“ , berichtet Krink. Hauptabsatzmarkt ist Europa. Langsam tasten sich die Finsterwalder auch nach Asien vor. Im vergangenen Jahr setzten sie insgesamt 20 Millionen Euro um, in diesem Jahr werden es „wohl 25 Millionen werden“ , wie Krink einschätzt. Der insgesamt gut aufgestellte Vertrieb und der unermüdliche Einsatz der Kjellberger für ihr Unternehmen machen vieles möglich.
„Die Kjellberg Finsterwalde Elek-troden und Maschinen GmbH ist ein profitables Unternehmen“ , betont Dr. Norbert Pietsch, Vorsitzender der Kjellberg-Stiftung. Die Produktivität der Kjellberger wachse schneller als ihr Umsatz, weil bis zum Jahr 2000 viel im Niedrigpreissegment gefertigt worden sei. Das habe sich mit der neuen Weichenstellung vor fünf Jahren grundlegend geändert. „Heute ist das Unternehmen eine Hochtechnologieschmiede, die Plasmaschneidanlagen in Kleinserien speziell für die Belange des Kunden produziert. Da steckt viel Entwicklungsaufwand drin und das Ergebnis wird gut bezahlt“ , erklärt er.
Pietsch sieht Kjellberg Finsterwalde als einen Beweis dafür, dass sich in Deutschland „nur die Produktion von Erzeugnissen mit hohem innovativen Charakter lohnt“ . Und genau an diesem Punkt werde Kjellberg dran bleiben, flankiert von der Stiftung. „Wir werden strategische Forschungen unterstützen, zum Beispiel zum Schneiden von nichtleitendenden Werkstoffen wie Beton oder faserverstärkten Kunststoffen“ , verspricht der Vorstandschef der Stiftung. Dabei bietet sich aus seiner Sicht etwa die Zusammenarbeit mit dem Windenergieanlagenbauer Vestas an, der im benachbarten Lauchhammer (Elbe-Elster) Rotorblätter herstellt, oder mit Automobilzulieferern in Sachsen. Dass die europäischen Autobauer unter großem Druck stehen, betrachtet Pietsch als „die Chance für Kjellberg“ . Denn der Wettbewerbsdruck zwinge die Hersteller zum Sparen. Und Plasmaschneidtechnik sei im Vergleich um bis zu zwei Drittel kostengünstiger als Laserschneidtechnik. „Das ist doch ein Anreiz“ , wirbt Pietsch.
Die Kjellberger haben die Plasmatechnologie soweit perfektioniert, dass sie heute zu den technologischen Weltmarktführern gehören.

Optimistisch ins nächste Jahr
„Für die Region ist die Entwicklung der Kjellberger ein Gewinn“ , sagt der Stiftungs-Chef mit Blick auf die Arbeitsplätze und auf die Kommune, die „ordentlich Steuern einnehmen“ kann. „Wir werden uns als Stiftung nun darum bemühen, junge Fachleute in die Region zu holen“ , verspricht er. So werde es weitere Plasma-Studententage geben und das Projekt Plasma Point Europe unterstützt, um potenzielle regionale Partner zu vernetzen, wissenschaftliches Know-how hereinzuholen und die Region als förderfähigen, brandenburgischen Wachstumskern zu stärken.
Auch um das zweite Standbein des Unternehmens, die Schweißtechnik, will sich die Stiftung mit speziellen Forschungsprojekten kümmern. „Wir denken über Weiterentwicklungen insbesondere im Bereich des Hochleistungsschweißens nach“ , kündigt Pietsch an. Zu fast 20 Prozent tragen Schweißelektroden und -geräte von Kjellberg derzeit zum Umsatz bei.
Für das kommende Jahr rechnen Krink und Pietsch mit weiterem Wachstum. Eine genauere Prognose wollen sie nicht treffen, betonen jedoch: „Wir sind optimistisch.“

Hintergrund Im Besitz der Kjellberg-Stiftung
193 Arbeitsplätze sichert die Kjellberg Finsterwalde Elektroden und Maschinen GmbH derzeit. Im Jahr 2000 waren es rund 130. Der Jahresumsatz erreichte damals rund 20 Millionen D-Mark (10,22 Millionen Euro). In diesem Jahr werden die Kjellberger mit Plasmaschneidtechnik sowie Schweißtechnik 25 Millionen Euro einfahren.
Die Plasmaschneidanlagen aus Finsterwalde erreichen im HiFocus-Verfahren laserähnliche Qualität. HiFocus steht für hohe Energiedichte und starke Fokussierung (Einschnüren) des Plasmastrahls. Eingesetzt wird die Technologie zum Beispiel im Schiffbau sowie im Behälter-, Rohrleitungs- und Fahrzeugbau. Hauptabnehmer der Kjellberger sind Führungsmaschinen- und Roboterhersteller, die Komplettsysteme an die Industrie liefern.
100-prozentiger Gesellschafter ist seit 1997 die Kjellberg-Stiftung mit Sitz in Gießen. Das Land Hessen hatte diese Stiftungsgründung damals unbürokratisch unterstützt. Im Land Brandenburg sind bislang noch keine Wirtschaftsstiftungen zugelassen.