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| 01:00 Uhr

Kipfel, Kolatschen und Karlsbader

Tschechische Bäckereien entdecken zunehmend sächsische Kunden – nicht immer zur Freude hiesiger Bäcker. Bislang versorgten sich Einkaufstouristen jenseits der Grenze mit Brot, Brötchen oder Kuchen nach tschechischen Rezepturen. Großbäckereien mit Sitz in Decin oder Teplice eröffnen aber jetzt Läden in Chemnitz, Dresden oder Radeberg. Die niedrigen Preise lassen viele zugreifen, die sonst wohl eher zu Discountern gehen. Von Gudrun Janicke

Deutsche Bäcker wollen ihre in Handwerksarbeit hergestellten Waren nicht mit denen aus den tschechischen Großbäckereien vergleichen, die äußerst preiswert sind. Grund sind die dort niedrigeren Löhne. Die angemieteten Geschäfte der tschechischen Unternehmen sind ohne großen modischen Schnickschnack ausgestattet und verströmen einen an DDR-Zeiten erinnernden Konsum-Charme. Auch die Preise mit zwölf Cent für ein Mohnhörnchen oder neun Cent für ein Brötchen lassen die Jahre vergessen.
Gebacken wird zu Hause, in Sachsen nur verkauft. Für diese Bäckereien lohnt sich offenbar eine bis zu zweistündige Anfahrt mit mehrmals täglich frischer Ware. Die Verkäuferinnen sind meist direkt bei den tschechischen Bäckereien angestellt, zu den dort üblichen Bedingungen. Zum Teil kommen die Verkäuferinnen auch jeden Morgen von jenseits der Grenze nach Sachsen zur Arbeit.

Tschechisches Sortiment kommt an
"Wir schaffen auch neue Arbeitsstellen auf deutscher Seite, die wir mit deutschen Arbeitnehmern besetzen", weist Radek Otcovsky, Exekutiv Director der Firma pecud in Teplice Kritik zurück. Die Firma ist seit gut einem Jahr in Sachsen aktiv. Zwei Läden gibt es bereits in Dresden, weitere sind geplant.
Kipfel, Hochzeitskolatschen, Moskauer-Brot, Kartoffelpuffer und panierte Kränze: den deutschen Kunden in Radeberg und Dresden gehen die Namen für die Backwaren leicht über die Lippen. "Die Sachen schmecken und sind preiswert", heißt es meist. Auch in der Chemnitzer Innenstadt quillt die Ladentheke eines Bäckers aus Litvinov über mit Hörnchen, Buchteln, Hefegebäck, Brot und Brötchen. Abends ist nichts mehr da.

Deutsche setzen auf Qualität
Der Radeberger Bäckermeister Ralf Röthig kann seine Konkurrenz gut beobachten. Beide Geschäfte liegen fast vis-à-vis am Marktplatz. „Mit den tschechischen Preisen können wir nicht mithalten, dafür liefern wir handwerkliche Backwaren“ , sagt der Meister, der mit Bäckerei und Café schon seit 15 Jahren am Platz ist. Die Kunden halten ihm die Treue.
Auch sein Kollege Gert Kolbe aus Oberseifersdorf, der in Zittau einen Laden hat, sieht die Konkurrenz gelassen. "Hier am Dreiländereck mit Polen und Tschechien können wir uns nur mit guter Qualität hervortun", sagt er. Das sichere die Arbeitsplätze in den heimischen Backstuben. Kunden, die nur auf den Preis schauten, seien auch früher seltener in seinen Laden gekommen. In Sachsen sind in den etwa 1000 Bäckereien etwa 15 000 Mitarbeiter und 2500 Lehrlinge beschäftigt.