| 02:51 Uhr

"Keine Angst vorm Fernbus"

Fernbus und Bahn machen sich immer stärker Konkurrenz. Die Busunternehmer finden, für beide sei Platz in Deutschland.
Fernbus und Bahn machen sich immer stärker Konkurrenz. Die Busunternehmer finden, für beide sei Platz in Deutschland. FOTO: dpa
Berlin. Die Fernbusbranche wehrt sich gegen den Vorwurf, der Bahn Fahrgäste wegzuschnappen. Auf Dauer könnten die Busreisen dem Zug nicht gefährlich werden. dpa/sm

Der Trend ist ungebrochen: Seit zehn Jahren wächst die Zahl der Fahrgäste im öffentlichen Verkehr. Im vorigen Jahr wurden 11,1 Milliarden Fahrten gezählt, am Tag sind das mehr als 30 Millionen, wie das Statistische Bundesamt ausweist. Eine durchaus beeindruckende Zahl bei 80 Millionen Einwohnern, doch sie ist nur eingeschränkt aussagekräftig. Denn als eine Fahrt zählen ein paar Hundert Meter mit dem Stadtbus genauso wie die ICE-Reise von Berlin nach München. Und laut Statistik sind 98,7 Prozent der Fahrgäste im Nahverkehr mit Zügen, Straßenbahnen und Bussen unterwegs.

Ein Blick auf die Summe der zurückgelegten Strecken ergibt jedoch eine andere Verteilung: Demnach entfallen ziemlich genau drei Viertel auf den Nahverkehr und ein Viertel auf den Fernverkehr. Um dieses eine Viertel ist seit Anfang 2013 ein heftiger Wettbewerb entbrannt.

Seitdem ist der Fernbusmarkt per Gesetz freigegeben, seitdem mischen die Busunternehmer bei Fernreisen kräftig mit. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte die Deutsche Bahn dominiert. Sie konkurrierte mit dem Privatauto und auf wenigen Strecken mit dem Flugzeug. Diese Situation hat sich entscheidend verändert.

Fernbusse zählten im vergangenen Jahr 17 bis 19 Millionen Fahrgäste, wie aus Schätzungen des Statistischen Bundesamtes hervorgeht. Das entspricht einer Verdoppelung im Vergleich zum Vorjahr. Dennoch beschwichtigen die Omnibusunternehmer: "Die Bahn muss keine Angst vor dem Fernbus haben", sagt die Hauptgeschäftsführerin ihres Bundesverbandes, Christiane Leonard. "Er wird ihr auf Dauer nicht gefährlich."

Von zuletzt rund 145 Millionen werde die Zahl der Fahrgäste im Fernverkehr nach jüngsten Prognosen auf 170 Millionen steigen. Daran dürfte die Bahn mit dann mehr als 140 Millionen Fahrgästen den größten Anteil halten.

"Die Fahrgäste steigen vor allem vom Auto auf Bus und Bahn um", argumentiert Leonard. Das mag sein, doch mindestens jeder dritte Fernbus-Kunde ist nach Studien ein bisheriger Bahn-Nutzer. Nach eigenen Berechnungen verlor das Bundesunternehmen 130 Millionen Euro an die Bus-Konkurrenz. Deshalb baut die Bahn ihr eigenes Fernbusnetz deutlich aus. Und sie lässt ihre Fernzüge künftig in mehr Städten halten. Insgesamt 25 Orte werden ins Netz der Intercitys aufgenommen und alle zwei Stunden angefahren.