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Keine Absatzprobleme bei Bio-Eiern

Die Hühner des Biohofs Werder stehen am Freitag mit ihrer mobilen Stallanlage unter den Kirschbäumen einer Obstplantage bei Glindow (Brandenburg). Nach dem Skandal um Gifteier stehen Bio-Eier höher im Kurs.
Die Hühner des Biohofs Werder stehen am Freitag mit ihrer mobilen Stallanlage unter den Kirschbäumen einer Obstplantage bei Glindow (Brandenburg). Nach dem Skandal um Gifteier stehen Bio-Eier höher im Kurs. FOTO: dpa
Werder. Tagsüber picken die Hühner in der Kirschplantage in Werder (Potsdam-Mittelmark) im Boden, nachts geht es zurück in den mobilen Stall in einem umgebauten alten Bauwagen. "Gefressen wird Bio-Futter", sagt Landwirt Jochen Fritz, einer der Geschäftsführer des Bio-Hofes Werder. Gudrun Janicke

Verkauft werden Bio-Eier. Über mangelnde Nachfrage muss Fritz nicht klagen - wie auch nicht vor dem Skandal um Gifteier, die mit dem Insektizid Fipronil belastet waren. Aber der Skandal könnte biologisch produzierenden Betrieben weitere Kunden bescheren.

Seit Kurzem beliefert der Hof auch eine Supermarktfiliale in Werder, ansonsten gibt es die Eier im Direktverkauf auf dem Hof. "Zugenommen haben die Eier-Abonnenten, die eine bestimmte Menge in der Woche abnehmen", sagt der Landwirt, der im Nebenerwerb arbeitet.

"Unsere Bio-Landwirte haben auch vor dem Skandal nicht wirklich unter Absatzproblemen gelitten", berichtet Michael Wimmer, Geschäftsführer des Fördervereins ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg. Die Verbraucher seien sehr sensibilisiert. Sie wollten immer ganz genau wissen, woher ihre Lebensmittel stammen. Immer häufiger griffen sie zu Bio-Produkten.

Wichtig sei auch, wie die Tiere leben und ob sie artgerecht gehalten werden, sagt Landwirt Fritz. Dazu müsse er oft Fragen beantworten. Doch auch die mobilen Hühner ställe blieben nicht von Parasiten verschont. "Die Rote Vogelmilbe bekämpfen wir beispielsweise mit Kalk, die Sitzstangen werden abgeflammt. Damit werden Schädlinge vernichtet", berichtet er.

Der Betrieb startete vor zwei Jahren mit 100 Hühnern, jetzt sind es 250 der Rassen Domäne Gold und Domäne Silber. Sie liefern am Tag etwa 250 Eier. Mit dem mobilen Stall werden die Tiere auf dem Land des Betriebes zu immer anderen Stellen gefahren. Nachts finden sie im dem Bauwagen Schutz. Dort erhalten sie ihr Futter und legen die Eier in Nester.

"Mit dem Preis von 45 Cent liegen wir über den Supermarktpreisen", sagt er. Damit werde artgerechte biologische Hühnerhaltung und Landschaftspflege unterstützt, betont er.

In Brandenburg gibt es etwa 820 Betriebe mit Geflügelhaltung. Landesweit werden rund 8,6 Millionen Hühner gehalten. Im Vorjahr hatten die Tiere rund 860 Millionen Eier gelegt, 1,4 Prozent weniger als 2015. 675 Millionen Eier davon stammten aus Bodenhaltung und 113 Millionen aus ökologischer Haltung, der Rest aus Freiland- und Käfighaltung. Jeder Bundesbürger verbraucht laut Statistik durchschnittlich 235 Eier im Jahr.

Unterdessen haben die Discounter Aldi Nord und Aldi Süd nach ihrem Verkaufsstopp wegen des Fipronil-Skandals wieder Eier im Angebot. Aktuell könne es wegen der Überprüfungen auf Fipronil in Einzelfällen zwar noch Engpässe geben, teilte Aldi Süd mit. "Zum größten Teil sind jedoch in unseren Filialen wieder wie gewohnt alle Eier verfügbar", hieß es. Auch in den Filialen von Aldi Nord sollte es - von Einzelfällen abgesehen - seit Freitag wieder frische Eier geben.

Die EU-Kommission will ein Ministertreffen zum Fipronil-Skandal erst am 26. September abhalten. Geplant sei, die Gespräche über die möglichen Konsequenzen "mit etwas Abstand" zu führen, sagte eine Sprecherin am Freitag. Das Treffen solle "kein Krisentreffen" sein. Bundesernährungsminister Christian Schmidt hatte zuvor mitgeteilt, er halte Beratungen Anfang September für angemessen. "Die Fipronil-Belastung hat eine europä ische Dimension und muss europäisch gelöst werden", sagte der CSU-Politiker am Freitag. Von dem Skandal sind nach jüngsten Angaben der EU-Kommission mittlerweile 15 Länder betroffen.