(dpa/pb) Vor allem die Wirtschaft setzt große Hoffnungen in die nächste Generation des Mobilfunks - kurz 5G -, jetzt aber entzündet sich an den Regeln für die Vergabe in Sachsen-Anhalt Kritik. Vertreter aus Politik und Wirtschaft fürchten, dass der bereits mit schlechter Versorgung kämpfende ländliche Raum zu kurz kommen könnte.

Dieser dürfe beim 5G-Ausbau nicht abgehängt werden, mahnte Digitalisierungs-Staatssekretär Thomas Wünsch am Montag in Magdeburg. Mobilfunknetze seien für Unternehmen in der Stadt, im Umland und ganz besonders auf dem Land das Standortthema Nummer eins, ergänzte die Handwerkskammer Magdeburg.

Die CDU im Landtag sorgt sich ebenfalls um die Funklöcher fern der großen Städte, pocht aber darauf, den Ausbau des aktuell schnellsten Standards LTE auf dem Land zu verstärken und erst dann 5G in Angriff zu nehmen. Hintergrund der Befürchtungen ist die Entscheidung der Bundesnetzagentur: Sie gab am Montag die Regeln bekannt, nach denen die Frequenzen für das 5G-Netz versteigert werden sollen.

Demnach sollen in vier Jahren 98 Prozent der Haushalte auf schnellen Mobilfunk zugreifen können. Auch für Autobahnen, Bundes-, Landes sowie wichtige Wasserstraßen gilt die Versorgungspflicht - ebenso wie für alle Bahnstrecken. Denn 5G soll Kommunikation fast ohne Verzögerung in Echtzeit wie auch autonomes Fahren von Autos oder Lastwagen ermöglichen.

Dort, wo nur einer der drei großen Mobilfunkanbieter Telekom, Vodafone und O2-Mutter Telefonica schnelles Netz bietet, sollen die Anbieter untereinander über eine Öffnung des Netzes für Mitbewerber verhandeln. Eine Pflicht zur gemeinsamen Nutzung, sogenanntes nationales Roaming, gibt es nach massivem Gegenwind der Mobilfunkanbieter hingegen nicht.

Mit der geplanten Neuregelung des Telekommunikationsgesetzes müsse diese Öffnung für andere Anbieter zumindest für den ländlichen Raum verankert werden, forderte Staatssekretär Wünsch. Auch der Vize-Fraktionschef der CDU, Ulrich Thomas, sprach sich für eine Roaming-Lösung aus, um die weißen Flecken im Land zu schließen. Allerdings warb er dafür, Funklöcher zunächst mit einem Ausbau des LTE-Netzes zu schließen.

Dieser Standard habe eine größere Reichweite als die 5G-Technologie, argumentierte Thomas. Es seien daher weniger Antennen nötig, um größere Gebiete zu versorgen. Beim Ausbau von 5G müsse schrittweise vorgegangen werden. Zuerst die Verkehrsachsen, Ballungs- und Gewerbegebiete anzuschließen, sei richtig, hieß es weiter.

Das sehen Handwerksvertreter anders. Die Pflicht zur 5G-Versorgung in bestimmten Gebieten sei zwar ein Schritt in die richtige Richtung, erklärte Magdeburgs Handwerkskammerchef Grupe. Es führe aber kein Weg an einer lückenlosen Versorgung vorbei, um wettbewerbsfähig zu sein.