| 18:06 Uhr

Verdi zu Gesprächen bereit
Kaufhof-Beschäftigte sollen Zugeständnisse machen

Kaufhof-Filiale in Köln.
Kaufhof-Filiale in Köln.
Köln. Dem Warenhauskonzern Kaufhof geht es schlecht. Unternehmen und Gewerkschaft wollen deshalb über einen Sanierungstarifvertrag verhandeln. Die Beschäftigten müssen sich wohl auf Lohneinbußen einstellen.

Die Warenhauskette Kaufhof hat Probleme - und die rund 18.000 Beschäftigten sollen deshalb Opfer bringen. Auf Drängen der Kaufhof-Geschäftsführung hat sich die Tarifkommission der Gewerkschaft Verdi am Freitag grundsätzlich bereit erklärt, über einen Tarifvertrag zur Beschäftigungssicherung zu verhandeln. Ein Schritt, der für die Kaufhof-Beschäftigen am Ende mit ziemlicher Sicherheit Lohneinbußen bedeuten dürfte.

Wie geht es dem Kaufhof? Schlecht. Der traditionsreiche Warenhauskonzern steckt in der Krise. Die Umsätze schrumpfen. Das Unternehmen schreibt rote Zahlen. Wie hoch genau der Verlust ist, darüber hüllt sich der kanadische Mutterkonzern HBC allerdings in Schweigen.

Warum laufen die Geschäfte so schlecht? Das hat viele Gründe. Kaufhof leidet wie fast alle innerstädtischen Modeanbieter unter der wachsenden Konkurrenz von Online-Anbietern wie Zalando und unter der sinkenden Kundenfrequenz in den Innenstädten. Aber verschärft wird die Situation bei der Warenhauskette nach Einschätzung der Gewerkschaft Verdi noch durch Managementfehler - etwa überzogenen Rabattaktionen - und dadurch, dass der Mutterkonzern HBC kurz nach der Kaufhof-Übernahme die Mieten für die Warenhäuser deutlich erhöht hat.

Ist der Fortbestand des Unternehmen gefährdet? Akut wohl nicht, glaubt man den Aussagen des Unternehmens. Doch warnte die Konzernspitze in einer Präsentation für die Gewerkschaft vor den mittel- und langfristigen Konsequenzen eines "Weiter so": "Ohne Gegenmaßnahmen droht die Zahlungsunfähigkeit."

Was will das Unternehmen an Zugeständnissen von der Belegschaft? Kaufhof hat bereits angekündigt, die Zahl der Mitarbeiter in der Kölner Zentrale sozialverträglich von 1600 auf 1200 zu reduzieren. Darüber hinaus will Kaufhof-Chef Roland Neuwald jährliche Einsparungen bei den Personalkosten im hohen zweistelligen Millionenbereich. Denkbar wären etwa Kürzungen bei Urlaubs- und Weihnachtsgeld, aber auch der Verzicht auf Gehaltserhöhungen.

Und was bietet das Unternehmen im Gegenzug? Beschäftigungsgarantien.

Was sagen die Arbeitnehmer dazu? Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi ist bereit, mit der Geschäftsführung der angeschlagenen Kaufhauskette Kaufhof über einen Sanierungstarifvertrag zu verhandeln, der auch Einbußen für die rund 18.000 Beschäftigten bedeutet. Denn ein von der Gewerkschaft beauftragter Wirtschaftsprüfer habe einen Sanierungsbedarf bestätigt, teilte Verdi mit.

Aber vor dem Einstieg in die Tarifgespräche wolle die Gewerkschaft erst einmal gemeinsame Eckpunkte mit dem Unternehmen vereinbaren, teilte Verdi weiter mit. Denn das von Kaufhof vorgelegte Sanierungskonzept habe zwar richtige Ansätze, doch gebe es eine Schieflage zu Lasten der Arbeitnehmer. "Den Arbeitnehmern einseitig in die Taschen zu greifen, ist keinesfalls akzeptabel", sagte Verdi-Verhandlungsführer Bernhard Franke. Die Eigentümer seien in der Pflicht, ihre Verantwortung wahrzunehmen.

(wer)